Initiative klagt über hohe Krebsrate


Von Lars Strüning

STADE. Kommen im Stader Stadtgebiet gehäuft Krebserkrankungen und daraus resultierende Todesfälle vor? Diese Frage wirft die Bützflether Bürgerinitiative (BI) für eine umweltverträgliche Industrie auf. Sie fordert eine wissenschaftliche Untersuchung. Der Landkreis Stade sieht dafür keinen Anlass.

Die Initiative bezieht sich in einem aktuellen offenen Brief auf die Antworten der niedersächsischen Landesregierung auf Anfragen aus 2016 von der damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Petra Tiemann (SPD) und von Eva Viehoff (Grüne). Bei der Auswertung der Krebshäufigkeit sei eine signifikante Häufung in der Stadt Stade festgestellt worden. Für den gesamten Landkreis seien die Werte unauffällig.

Die der Antwort zugrunde liegenden Zahlen sind nicht mehr ganz aktuell: Sie stammen aus den Jahren 2002 bis 2008. In diesem Zeitraum seien in der Stadt 896 Krebssterbefälle aufgetreten, der statistische Durchschnitt liege bei 800 Fällen. Die um zwölf Prozent höher liegenden Werte seien durch mehr Fälle von Lungen-, Magen-, Darm-, Brust- und Prostatakrebs ausgelöst worden. Die Krebsmortalität für die Stadt sei auffällig erhöht, so die Landesregierung. Allerdings sei die Zahl der Krebsneuerkrankungen unauffällig. Und das sei die relevantere Zahl, so die Landesregierung vor mehr als zwei Jahren.

Diese Aussage wiederum überzeugt den Sprecher der Initiative, Jochen Witt, nicht, zumal eine Drucksache der Landesregierung durchaus eine erhöhte Neuerkrankungshäufigkeit aufzeige, die aber statistisch nicht relevant sei. Aufgeführt sind Lungen-, Kehlkopf-, Eierstock., Prostata- und Harnblasenkrebs. Urteil der BI: Die Antwort ist unbefriedigend.

Wir registrieren die Vielzahl der Krebserkrankungen in unserem Bekanntenkreis innerhalb der Ortschaft Bützfleth“, schreibt die BI. „Jeder von uns kennt jemanden, der an Krebs erkrankt oder schon an Krebs gestorben ist.“ Das sei zugegebenermaßen ein subjektives Empfinden, aber gerade deswegen fordert die Initiative eine kleinflächige Sammlung und Auswertung aktueller Daten.

Untersuchung könnte schwierig werden

Die gewünschte wissenschaftliche Untersuchung soll die Daten der Stadt, aber auch einzelner Ortsteile wie Bützfleth mit den Durchschnittswerten abgleichen. Dabei solle auch nachgeforscht werden, ob es Unterschiede gibt zwischen elb- oder industrienahen Gebieten zu elbfernen und industriefernen Bereichen. Eine solch kleinteilige Untersuchung könnte schwierig werden. Statistische Erhebungen mit Aussagekraft müssten 5000 Menschen aufweisen. So schreibt denn auch der Landkreis, dass „kleinflächige Erhebungen in Ortschaften unter einer bestimmten Einwohnerzahl an Grenzen stoßen“.

Jeder Kommune stehe es aber frei, ein Forschungsprojekt zur Verbreitung von Krebserkrankungen zu veranlassen. Das Gesundheitsamt des Landkreises sowie die Ärzte in der Region beteiligten sich mit Meldungen zu Todesfällen nach Krebserkrankungen seit vielen Jahren an den Erhebungen des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen. Dabei hätten sich keine statistischen Auffälligkeiten ergeben, insbesondere keine Häufung einer bestimmten Krebsart, teilt der Pressesprecher des Landkreises, Christian Schmidt, mit.

Die höhere Sterberate in Städten führten Experten auf die relativ höhere Zahl an älteren Menschen in den Ballungszentren zurück, da hier mehr Altenheime zur Verfügung stünden. Bei älteren Menschen sei die Krebshäufigkeit generell erhöht. So halte Stade ein Drittel aller Pflegeheimplätze vor, hier wohne aber nur ein Viertel der Bevölkerung im Landkreis. Die Ursache einer Krebserkrankung, so der Landkreis, läge häufig Jahre zurück. Es bestünde gerade bei alten Menschen oft kein Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung und dem Sterbeort.

10.01.2019