Grüne wollen auf Erdgas verzichten

Der Stader Seehafen soll einen neuen Anleger erhalten Richtung Stadersand, um ein LNG-Importterminal zu betreiben. Foto: Strüning

Von Karsten Wisser

LANDKREIS. Die Grünen im Landkreis Stade sind gegen Flüssigerdgas-Importe (LNG) und gegen den Neubau von Terminals in Deutschland. Damit sprechen sich der Grünen-Kreisverband und die Kreistagsfraktion auch gegen den Bau eines LNG-Terminals im Bützflether Industriehafen aus.

Das ist das Ergebnis einer Kreismitgliederversammlung, in deren Rahmen die Grünen-Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden den Sachstand zur LNG-Technik erläuterte. „Um die Klimaerhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, müssen wir künftig weitgehend auf fossile Energieträger verzichten“, sagte Julia Verlinden bei dem Treffen in Stade im Horst-Casino.

Verflüssigtes Erdgas ist ein fossiler Energieträger.“ Förderung, Transport und Verbrennung von Erdgas zögen Treibhausgasemissionen und Umweltschäden nach sich. Um Erdgas zu verflüssigen, müsse zudem Energie aufgewendet werden, so die Abgeordnete aus Lüneburg, die auch energiepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion ist.

Verlinden: Bedarf an Erdgas reduzieren

Für Julia Verlinden sollte es schon jetzt Ziel sein, langsam den Bedarf an Erdgas zu reduzieren, um anders als bei Kernkraft und Kohle einen „gemächlichen Ausstieg“ aus der Verbrennung von fossilem Erdgas zu schaffen. Es ergibt aus Sicht von Julia Verlinden und der Kreis-Grünen deshalb keinen Sinn, jetzt eine viele Milliarden Euro teure Infrastruktur aufzubauen, die dann nur noch 20 bis 30 Jahre genutzt werden könne.

Die Grünen gehen von einem Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe 2050 aus. „Wir wollen in Energieeinsparung und erneuerbare Energien investieren statt in die Erneuerung und Erweiterung kostspieliger Infrastruktur für fossile Dinosauriertechnologien.“

LNG-Terminals nicht mit Steuergeldern unterstützen

Julia Verlinden fordert außerdem, dass der Bau der LNG-Terminals nicht mit Steuergeldern unterstützt werden solle. Die Regierung solle lieber bessere Rahmenbedingungen für Power-to-Gas-Technologien schaffen. Dabei wird aus Wasser und Strom Gas erzeugt. Gerade im Raum Stade könnte das nicht nur aus Sicht der Grünen eine vielversprechende Alternative sein. Die Idee, mit Hilfe von überschüssigem Windstrom Wasserstoff zu produzieren und diesen in den großen Salzkavernen der Dow als Energiespeicher zwischenzulagern, gibt es schon länger.

Die eindeutige Ablehnung von verflüssigtem Erdgas ist bei Bündnis 90/Die Grünen aber noch nicht insgesamt Parteilinie. Zwar hat zum Beispiel der niedersächsische Landesvorstand wie der Stader Kreisvorstand einen entsprechenden offenen Brief an die schleswig-holsteinische Landesregierung unterschrieben. Die Landesregierung des nördlichen Nachbarn setzt sich aber trotzdem mit einem grünen Umweltminister massiv für Brunsbüttel als LNG-Standort ein.

Geschwindigkeit der Ablehnung von LNG umstritten

Auch innerhalb des Stader Kreisverbands ist mindestens die Geschwindigkeit der Ablehnung von LNG umstritten. Verena Wein-Wilke kritisierte den Kreisvorstand während der Mitgliederversammlung dafür, dass dieser den genannten offenen Brief unterschrieben habe.

Die Kreistagsfraktionsvorsitzende hätte gerne mehr Zeit gehabt, um sich mit dem Thema LNG zu beschäftigen. Die Stader Kreistagsabgeordnete Karin Aval sieht Einsatzmöglichkeiten für LNG im Bereich der Schifffahrt, solange es keine anderen, umweltfreundlichen Alternativen gibt.

BUND Stade

Auch die Naturschutzorganisation BUND lehnt ein LNG-Terminal ab. „Wir haben uns im Verband intensiv mit den Vor- und Nachteilen der LNG-Technologie befasst und sind eindeutig zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Terminal in Stade kein positiver Beitrag zur Energiewende sowie zur Begrenzung des Klimawandels ist“, sagt Heiner Baumgarten, Kreis- und Landesvorsitzender des BUND. Der BUND begründet die Ablehnung inhaltlich genau wie die Grünen. „Der Bau des Terminals wäre umweltpolitisch ein völlig falsches Signal, das weiter auf fossile Energieträger setzt. Wir fordern die Landesregierung in Niedersachsen und die im Landtag vertretenen Parteien deshalb auf, dieses Projekt weder finanziell noch politisch zu unterstützen, sondern konsequent die politische und finanzielle Kraft in die Förderung regenerativer Energien zu lenken“, so Heiner Baumgarten.

24.12.2018