Kreis testet Bützfleth auf Schwermetall

An 20 Punkten werden von Fachleuten Proben genommen und untersucht: darunter auch an Schule, Kita und Spielplatz.

Von Wilfried Stief

STADE. Der Landkreis geht den Schwermetallbefunden in Bützfleth auf den Grund. In Abstimmung mit der Stadt und der Ortschaft wurden 20 Messpunkte in Bützfleth und Umgebung festgelegt. Ein Ergebnis erwartet Kreisbaurätin Madeleine Pönitz im Frühjahr.

Der Landkreis Stade ist als untere Bodenschutzbehörde dafür zuständig, die Funktionen des Bodens zu sichern oder wieder herzustellen. Kommt der Behörde zu Ohren, dass eine schädliche Bodenveränderung vorliegt, soll sie zur Ermittlung des Sachverhalts geeignete Maßnahmen ergreifen. So weit die gesetzliche Grundlage nach Bundesbodenschutzgesetz.

Ob in Bützfleth tatsächlich eine solche schädliche Bodenveränderung vorliegt, ist derzeit noch unklar. Zwar weisen die Proben, die von Bützflether Bürgern aus dem Erdreich genommen wurden, bei Blei, Cadmium und Zink erhöhte Werte aus, doch ob die als Fakten zu behandeln sind, ist fraglich.

Das liegt daran, dass die Proben von Laien genommen wurden. Bei der Ortsratssitzung am Mittwoch erklärte Kreisbaurätin Madeleine Pönitz, dass Proben, die der Bürger einfach mit der Schaufel nehme und eintüte, nicht aussagekräftig seien. Die nun vom Landkreis in Auftrag zu gebenden Untersuchungen werden von zertifizierten Probenehmern und von zertifizierten Laboren umgesetzt.

Ampelsystem regelt Gefahrenabwehr im Bodenschutz

Für die Vorsorge und die Gefahrenabwehr im Bodenschutz sind die Vorgaben klar benannt. Wie bei einem Ampelsystem gibt es die drei Begriffe „Vorsorge“, „Besorgnis“ und „Schaden“. Erst, wenn die Ampel „Schaden“, also rot anzeigt, muss der Landkreis tätig werden. Im Moment zeigen die Proben „Vorsorge“ und bei Blei, Cadmium und Zink „Besorgnis“. Das bedeutet laut Gesetz, dass die Dosis ein unerwünschtes Risiko darstellt, aber noch ohne schädliche Wirkung ist – wenn sie im Fall Bützfleth überhaupt zutreffend ist. Der Landkreis müsste eigentlich gar nicht tätig werden. „Wir tun es aber trotzdem“, sagt Madeleine Pönitz. Und das ist der Beunruhigung in Bützfleth geschuldet.

Nachdem am Freitag vergangener Woche im TAGEBLATT die Ergebnisse einer Probe wiedergegeben wurden, reagierten die Politiker vor Ort umgehend. Ortsbürgermeister Sönke Hartlef (CDU) schrieb einen Brief an den Landrat und die FDP stellte einen Eil-Antrag. Es sollten weitere Proben genommen werden, um Aufschluss zu erhalten. Am vergangenen Wochenende bekam Hartlef ein weiteres Gutachten in die Hände. Mit ähnlich hohen Werten, wie beim ersten.

Die Sorgen der Politiker und der Bürger stießen auf offene Ohren. Umgehend beratschlagten die Beteiligten die Sachlage und schon am Mittwoch konnte Kreisbaurätin Pönitz mit der Richtung des Vorgehens bei der Ortsratssitzung an die Öffentlichkeit treten.

Ortsratssitzung gut besucht

Die Ortsratssitzung war mit über 60 Bürgern gut besucht. Die Einwohnerfragestunde drehte sich auch um die Schwermetallproben, aber nicht nur. Auch Probleme mit Straßen und Laternen wurden angesprochen.

Sachliche Nachfragen nach dem Vortrag der Kreisbaurätin bestimmten das Bild. „Kriegen Sie raus, wo es herkommt?“, wollte Wolfgang Ehlers (FDP) wissen. Als nicht gleich eine Antwort kam, lachten viele Bürger. Dann sagte die Kreisbaurätin vorsichtig: „Wir erhoffen uns, dass wir Aufschlüsse bekommen.“

Ein anderer Aspekt richtete sich an Stadtbaurat Lars Kolk, der als Vertreter der Stadtverwaltung an der Sitzung teilnahm. Ein Bürger wollte wissen, ob Schadstoffwerte in der Größenordnung Auswirkungen auf die geplante Müllverbrennungsanlage, die von vielen Bützflethern nicht gewünscht wird, haben könnten. Die Stadt hätte die Anwälte unterrichtet, die die Klage der Stadt vor Gericht verfechten, aber große Hoffnungen auf eine Wirkung wollte Kolk nicht machen. Der Stadtbaurat: „Das wird am Ende nicht entscheidend sein.“

23.11.2018