Höhere Werte: Zweiter Schwermetallbefund in Bützfleth

In zwei Bereichen der Ortschaft Bützfleth wurden belastete Bodenproben genommen. Zum einen im Bereich Flethstraße, Verlauf von oben nach unten auf der rechten Bildhälfte, zum anderen am Borsteler Weg (Siedlungsbereich links). Luftbild: Martin Elsen


STADE. Die nächste Bodenprobe aus Bützfleth liegt vor. Mit teilweise höheren Schwermetallwerten, gefunden in der Flethstraße, einen Kilometer vom ersten Probenort entfernt. CDU und FDP fordern in Anträgen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Von Wilfried Stief und Karsten Wisser

"Schwermetall-Schock in Bützfleth“ lautete die Überschrift am Freitag vergangener Woche im TAGEBLATT. Die Mieterin eines Grundstücks am Borsteler Weg war durch Zufall auf die hohen Schwermetallwerte aufmerksam geworden. Sie hatte vom Laborservice der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel eigentlich nur wissen wollen, ob sie die Weide neben dem Haus düngen müsste, wenn sie ihre Alpakas dort grasen lässt. Am Ende kam heraus, dass in den zehn Bodenproben vom Grundstück stark erhöhte Werte bei Blei und Zink gefunden wurden. Kupfer überstieg den sogenannten Vorsorgewert nur geringfügig. Der Cadmium-Wert war niedrig.

Der Bericht hat die Bürger in Bützfleth beunruhigt“, sagt Ortsbürgermeister Sönke Hartlef (CDU). Doch es kam noch dicker. Bei Hartlef meldete sich am Wochenende ein Bürger und präsentierte das Prüfergebnis einer Bodenprobe aus dem Flethweg, der ortskernnah verläuft. Die erste Probe aus dem Borsteler Weg liegt etwas außerhalb Richtung Barnkrug. Ortsbürgermeister Hartlef forderte den Landkreis als untere Bodenschutzbehörde auf, die Untersuchungsergebnisse umfassend und unverzüglich zu überprüfen und weitere Bodenproben an unterschiedlichen Standorten zu veranlassen.

Die zweite belastete Bodenprobe

Die Bodenprobe aus der Flethstraße – sie datiert vom 15. November – wurde vom Institut Fresenius untersucht. Was für Hartlef die Glaubwürdigkeit unterstreicht. „Die dort festgestellten Werte für Blei, Zink, Kupfer, Nickel und Chrom sind ähnlich hoch oder sogar höher“, sagt Hartlef. Und so hat er es auch in einem Brief an Landrat Michael Roesberg geschrieben. Die zweite Probe wurde entnommen und untersucht, weil Boden in der Flethstraße abtransportiert werden sollte. Dafür muss die Belastungsklasse ermittelt werden. Die Ergebnisse haben wohl die Konsequenz, dass die Entsorgung des getesteten Bodens kostenpflichtig ist.

Ebenso wie der Ortsbürgermeister, so wollen auch die Vertreter der FDP der Sache auf den Grund gehen. Die Freien Demokraten sehen zudem eine Eilbedürftigkeit. „Die Bürger haben ein Interesse daran, dass die Ortschaft sich umgehend selber einen Überblick über die Schwermetallbelastung verschafft“, schreibt die FDP-Fraktionsvorsitzende Hilke Ehlers.

Mögliche Ursachen der Schwermetall-Belastung

Was die Ursache für die erhöhten Werte sein könnte, da schießen die Vermutungen in Bützfleth gerade ins Kraut. Da werden jahrtausendealte Belastungen angeführt ebenso wie die Überflutungen durch die stark verschmutzte Elbe aus den 60er und 70er Jahren. Ältere Industrieanlagen ebenso wie die neuen. Auch der Hinweis, in Borstel habe auf dem Grundstück mal eine Scheune gestanden, wurde als Erklärungsansatz herangezogen.

Die aktuell untersuchten Grundstücke seien beide seit Jahren nicht bewirtschaftet worden, hat Hartlef in Erfahrung gebracht. Daher empfiehlt er, Standorte mit unterschiedlich intensiven Bearbeitungen für die Proben auszuwählen, um Rückschlüsse auf Ursachen oder Verursacher ziehen zu können. Es könnte sich aber auch um eine natürlich vorhandene sogenannte Hintergrundbelastung handeln.

Das sagt die Bodenschutzbehörde

Wir nehmen die Sorgen der Bützflether sehr ernst“, sagt Kreisbaurätin Madeleine Pönitz. Der Landkreis Stade ist als untere Bodenschutzbehörde zuständig. Die Behörde wird zeitnah – möglichst noch in dieser Woche – Ortsbürgermeister Hartlef, Vertreter der Hansestadt Stade und Fachleute einladen, um ein Konzept für die Untersuchungen auf öffentlichen Flächen zu erstellen. Es soll Messpunkte in der Größenordnung um die Zahl 20 herum geben. Das Ergebnis der Untersuchung soll einen ersten Überblick liefern, wie hoch die Werte im Bereich Bützfleth sind. Der Landkreis hat außerdem Kenntnis von Untersuchungen, die Werte in einer vergleichbaren Größenordnung erbracht haben.

Das sagen die Experten

Die vom TAGEBLATT angefragten Experten halten sich mit der Bewertung der Ergebnisse zurück. Sie wollen die Untersuchungsergebnisse und die dabei gefundenen Werte nicht kommentieren. Das liegt daran, dass sie anhand der öffentlich zugänglichen Informationen bisher nicht wissen können, wie die Proben genommen worden sind. Zum Beispiel die Tiefe der Probenentnahme und die Analysemethoden spielen für die Ergebnisse eine entscheidende Rolle. Einhellig ist aber die Aussage, dass für den Fall, dass die gefundenen Werte richtig sein sollten, keine akute Gefahr für Menschen und Umwelt besteht.

Das sind Vorsorgewerte

Die genannten Vorsorgewerte bestehen in Abhängigkeit von der jeweiligen Bodenart für die Metalle Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Zink sowie für einige organische Stoffe. Sie enthalten laut Umweltbundesamt einen Sicherheitsabstand zu den gefahrenbezogenen Prüfwerten. Sind diese Vorsorgewerte überschritten, ist zum Beispiel der weitere Eintrag von Schadstoffen in die Böden zu begrenzen. Das könnte, sollten sich die Werte aus den beiden jetzt vorliegenden Untersuchungen bestätigen, Auswirkungen auf die Ansiedlung von neuen Betrieben haben, die zusätzliche Schadstoffbelastungen mit sich bringen. Viele Bützflether wehren sich bekanntlich, wie mehrfach berichtet, gegen den Bau einer Müllverbrennungsanlage im Industriegebiet. Die Vorsorgewerte werden zum Beispiel bei der Auf- und Einbringung von Materialien wie Bodenmaterial, Klärschlamm, Bioabfall auf oder in Böden und bei der Genehmigung von neuen industriellen Anlagen angewendet.

Die Vorsorgewerte sind aber nicht wie Prüfwerte zu behandeln, die jeweils deutlich höher liegen. Ein Beispiel: Der Prüfwert für Blei liegt bei Kinderspielflächen bei 200Milligramm pro Kilogramm (mg/kg), bei Wohngebieten bei 400 mg/kg, Park- und Freizeitanlagen bei 1000mg/kg und Industrie- und Gewerbegrundstücken bei 2000 mg/kg. Das sind Werte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung der Nutzung des Bodens eine einzelfallbezogene Prüfung durchzuführen und festzustellen ist, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vorliegt. Der Vorsorgewert liegt je nach Bodenart zwischen 40 und 100 mg/kg. In Bützfleth wurden knapp 90 mg/kg gemessen.

20.11.2018