Schwermetall-Schock in Bützfleth: Landkreis Stade ermittelt

Eine Bodenanalyse brachte es an den Tag: Das Grundstück von Rolf Grothmann im Borsteler Weg ist stark mit Schwermetallen belastet. Mieterin Svenja von Allwörden lässt auf der Weide ihre Alpakas laufen. Foto: Strüning


Von Lars Strüning

BUETZFLETH. Der TAGEBLATT-Artikel zu Schwermetallfunden auf einem Privatgrundstück in Bützfleth hat eine große öffentliche Resonanz hervorgerufen. Viele Menschen haben sich in der Redaktion gemeldet und auch überregionale Medien haben das Thema aufgegriffen.

(Letztes Update am 16. November um 16.04 Uhr: Reaktion des Landkreises Stade hinzugefügt.)

Die hohen Werte von Blei, Kupfer, Mangan, Eisen und Zink waren eher zufällig bei der einer Auswertung von Bodenproben durch den Raiffeisen Laborservice gefunden worden. Wie die Werte einzuordnen sind und woher die Verschmutzung kommen könnte, ist noch völlig unklar. Jetzt hat sich der Landkreis Stade als Bodenschutzbehörde eingeschaltet. „Wir haben keine Kenntnis von der Untersuchung und werden uns jetzt mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen“, sagt Kreissprecher Christian Schmidt. 

Der Fund auf dem Grundstück von Rolf Grothmann im Borsteler Weg in Bützfleth war rein zufällig: Im Boden ist eine hohe Konzentration von Schwermetallen festgestellt worden. Die Werte von Blei, Kupfer, Mangan, Eisen und Zink sind exorbitant hoch. 

Das hat eine Auswertung von Bodenproben durch den Raiffeisen Laborservice ergeben. Grothmann macht sich Gedanken über die Herkunft der Bodenimmissionen, will aber keine große Anklage führen, weil eine Beweisführung ohnehin schwierig wird. Für ihn sind die Werte aber ein untrügerisches Indiz, dass Bützfleth mehr als genug belastet ist mit Schadstoffen. Zusätzlich zur vorhandenen Indu-strie auf Bützflethersand eine Müllverbrennungsanlage oder ein Kohlekraftwerk zu bauen, hält er für unverantwortlich.

Seine Mieterin Svenja von Allwörden ist den hohen Werten auf die Schliche gekommen. Grothmann selbst, in Bützfleth aufgewachsen, lebt in Hamburg. Svenja von Allwörden wollte vom Laborservice der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel eigentlich nur wissen, ob sie die Weide neben dem Haus düngen müsste, wenn sie ihre Alpakas dort grasen lässt. Die Adresse des Labors fand sie im Internet. Die Antwort machte sie stutzig.

Der pH-Wert war mit 5,6 nahezu ideal, Magnesium, Kalium und Phosphor wurden mit sehr hoch angegeben. Eine Düngung wurde nicht empfohlen. Allerdings wurde sie darauf hingewiesen, dass der Boden offenbar sehr stark mit Schwermetallen belastet sei. Von Allwörden und Grothmann wollten es genauer wissen.

Ergebnis sorgt für Entsetzen

Sie gaben eine weitere Untersuchung in Auftrag. Das Ergebnis verschlug ihnen die Sprache. Bei Blei, Kupfer und Zink werden die Ergebnisse mit „sehr hoch / stark belastet“ bewertet. Die Werte von Chrom und Nickel wurden mit „hoch“ angegeben. Im Detail liest sich das Ergebnis so: Pro Kilogramm Erde, die an zehn verschiedenen Punkten entnommen wurde, wurden 79,4 Milligramm Blei gefunden. Der Vorsorgewert liegt bei 40. Für Zink wurden 132 Milligramm ermittelt (Vorsorgewert 60) und für Kupfer 22,5 Milligramm (20). Immerhin: Die Belastung mit Cadmium ist mit 0,18 Milligramm niedrig.

Werden die Vorsorgewerte überschritten, schreibt das Labor, bestehe die Gefahr, dass Pflanzen die Schwermetalle aufnehmen und später womöglich Mensch und Tier. Svenja von Allwörden hat ihre Konsequenzen gezogen. Sie verzichtet darauf, einen Gemüsegarten anzulegen, so wie sie es eigentlich geplant hatte. Ausdrücklich weist das Labor darauf hin, dass der Anbau von Salat, Spinat, Wurzelgemüse oder Erdbeeren nicht empfehlenswert ist.

Heute betrifft es Salat und Erdbeeren aus Bützfleth, morgen sind es die Kartoffeln und der Spargel von der Stader Geest“, unkt Grothmann. Er fordert alle auf, sich an der Petition der Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennungsanlage zu beteiligen, die noch ein paar Tage im Internet (Adresse am Ende des Textes) läuft.

Und er ruft alle Bützflether auf, selbst Proben aus ihrem Garten analysieren zu lassen. Er kann nicht glauben, dass der Fund auf seinem Grundstück ein solitäres Ereignis ist. Der Boden sei seit Jahrzehnten nicht beackert und bearbeitet worden. Die Schwermetalle könnten nur über die Luft oder den Regen in den Boden eingedrungen sein. Wenn das so wäre, seien auch die Nachbarn betroffen.

16.11.2018