Trump und das Stader LNG-Terminal

Noch gibt es nur wenige mit LNG betriebene Kreuzfahrtschiffe, doch das wird sich ändern: Die Taufe der AIDAnova (Foto) war erst der Anfang einer möglichen Erfolgsgeschichte des Gas-Antriebs, von der die Metropolregion profitieren soll – wenn ein LNG-Terminal am Stader Seehafen realisiert werden kann. Foto Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Von Wolfgang Stephan

LANDKREIS. US-Botschafter Richard Grenell erwartet, dass Deutschland früher als geplant über ein eigenes Terminal für verflüssigtes Erdgas verfügen wird. Brunsbüttel galt bisher als Favorit in dem Poker um die 500-Millionen-Mega-Investition – plötzlich ist Stade gut im Rennen.

Das Rennen um den ersten deutschen LNG-Standort geht in die entscheidende Phase: „Es wird viel schneller gehen“, sagte Grenell nach einem Treffen mit Investoren aus der Energie- und Rohstoffbranche in Berlin. Bisher lauten die Planungen auf 2022.

Es ist die große politische Bühne der Weltpolitik, auf der jetzt über den Landkreis Stade gesprochen wird: Gemeinsam mit dem stellvertretenden US-Energieminister Dan Brouillette wirbt der US-Botschafter Richard Grenell in Deutschland für den Aufbau eines Hafens für die Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) nach Deutschland. Für Präsident Donald Trump sei es eine Top-Priorität, den Europäern und vor allem Deutschland mehr von dem LNG aus den USA zu verkaufen. Trump kritisiert einerseits die Abhängigkeit der Deutschen vom russischen Erdgas und gleichzeitig die Export-Handelsbilanz der Deutschen. Botschafter Richard Grenell berichtete jetzt in Berlin von einem Versprechen der Kanzlerin gegenüber Trump. Angeblich habe Merkel zugesagt, dass Deutschland LNG aus den USA importieren wolle.

Die Amerikaner kündigten an, dass die Gas-Produktion in den USA in den nächsten Jahren massiv steigen und der Rohstoff damit auch preisgünstiger werde. Um LNG in Europa zu forcieren, wollen die USA die neue Ostsee-Gasröhre „Nord Stream 2“ zwischen Russland und Deutschland verhindern. Vorbereitungen von Sanktionen gegen die Pipeline seien in Vorbereitung.

Umweltfreundliche Alternative zum Schweröl

Das verflüssigte Erdgas LNG (Liquefied Natural Gas) gilt in der Schifffahrt als der Kraftstoff der Zukunft und als umweltfreundliche Alternative zum Schweröl, das dafür sorgt, dass die großen Fracht- und Kreuzfahrtschiffe als große Dreckschleudern gelten. Noch allerdings werden nur wenige Schiffe (Ausnahme AIDAnova) mit LNG-Gas betrieben, was in Europa vor allem daran liegt, dass es kaum große Terminals gibt. Drei norddeutsche Standorte ringen um die Großinvestition: Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade. Bisher galt Brunsbüttel als Favorit, ein Förderantrag beim Bundesverkehrsministerium liegt vor. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der Schiffe mit modernen Gas-Motoren, sondern generell um die Versorgungssicherheit mit Gas in Deutschland – unabhängig von Russland.

Auch Wilhelmshaven schien gut im Rennen zu sein, weil die niedersächsische Landesregierung diesen Standort lange favorisierte. Doch in Wilhelmshaven gibt es bisher keinen Investor – im Gegensatz zu Stade, wo die neu gegründete LNG Stade das Terminal im Seehafen bauen will – das war die Nachricht vor acht Wochen. Jetzt hat sich die Großwetterlage offenbar gedreht.

Standort Bützfleth bei den Amerikanern hoch im Kurs

Nach den Gesprächen Ende vergangener Woche in Berlin hat der Vize-Energieminister Dan Brouillette aus den USA Stade favorisiert. Das jedenfalls sagt Oliver Grundmann, der als CDU-Bundestagsabgeordneter aus Stade in die Gespräche eingebunden war. „Die Vize-Energieminister kann sich das Dow-Gelände als LNG-Importterminal gut vorstellen“, sagt Grundmann. Ein Standort auf dem Gelände eines amerikanischen Konzerns stehe bei den Amerikanern hoch im Kurs. „Nach objektiven Maßstäben ist Stade in der Favoritenrolle“, sagt Grundmann.

Nach internen Berechnungen, die dem TAGEBLATT vorliegen, könnte die notwendige Gashochdruckleitung Brunsbüttel ins Hintertreffen bringen, denn diese Pipeline unter der Elbe soll zwischen 70 und 100 Millionen Euro kosten und wäre auf keinen Fall in der neuen Zeitrechnung der Amerikaner zu verwirklichen.

In Stade wäre die entsprechende Leitungskapazität bereits auf dem Dow-Gelände vorhanden. In einer internen Studie, die bei den Gesprächen in Berlin kursierte heißt es: „…ergibt sich bei dem Bau eines LNG-Terminals in Stade ein Investitionsvorteil von 145 bis 200 Millionen Euro gegenüber dem Bau eines Terminals in Brunsbüttel.“ „Stade bietet schon heute viele notwendige Eigenschaften, die an anderen Standorten erst mühevoll geschaffen werden müssen. So ist beispielsweise der Anschluss an das überregionale Gasnetz bereits vorhanden“, sagt deshalb Thomas Windgassen, Präsident der IHK Stade.

Deutsche Politiker für Brunsbüttel

Allerdings haben auch die Schleswig-Holsteiner in den vergangenen Wochen ihre Lobby aktiviert: Bei einem Treffen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) habe der Wirtschaftsminister aus Berlin den Standort Brunsbüttel favorisiert.

Für den Standort Stade könnte eine Bunkerstation im Seehafen ein erster Schritt sein, weil eine Betankung per Lkw aus Rotterdam schon kurzfristig eine Lösung sei. Oliver Grundmann und der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU) aus Cuxhaven, hatten nach ihrem Besuch der Weltleitmesse „#SMM“ in Hamburg eine Bunkerstation zur Betankung von Schiffen in Stade für möglich erachtet: Beide hoffen auf das Know-how und die Umsetzungsstärke der Dow am Standort Stade. „Dafür ist Stade hervorragend geeignet, so etwas wäre ein starkes Signal für die Metropolregion“, sagen beide.

Entscheidung liegt bei den Investoren

Die Entscheidung, wo und wann das umworbene große LNG-Terminal realisiert wird, ist letztlich eine Entscheidung der Investoren. Ein Finanzinvestor aus Australien hat massives Interesse an so einem Mega-Objekt in Europa bekundet.

Dass verflüssigtes Erdgas als Kraftstoff der Zukunft im Aufwind ist, zeigt sich dieser Tage auch in Hamburg, wo der Mineralölkonzern Shell am Georgswerder Bogen eine erste LNG-Tankstelle für Lkw eröffnen wird. In den Niederlanden betreibt Shell bereits sechs Tankstellen, weitere sollen möglichst noch in diesem Jahr folgen. LNG-Kraftstoff sei eine kostengünstige, wettbewerbsfähige Lösung für Lkw im Schwerlastverkehr, um die Emissionen zu reduzieren und die Betriebskosten zu senken, vermeldet das Unternehmen.

18.09.2018