Mario Mani: Der Rollstuhl ist im Sport sein Partner

Mario Mani (links) setzt zum Wurf an, sein Gegenspieler kommt zu spät. Mani trifft im torreichen zweiten Spiel seines Teams zweimal. Foto: Battmer


Von Mario Battmer

STADE. Beim 2. Rollstuhlbasketballevent für Jedermann kamen Sportler mit und ohne Behinderung sowie Nicht-Sportler zusammen. Darunter Mario Mani, der seit vergangenem Jahr beim TC Stelle Rollstuhltennis spielt. Auf Sport will er nicht verzichten.

Die Reifen quietschen und es knallt, als der Rollstuhl von Mario Mani mit dem seines Gegners zusammenprallt. Beim 2. Rollstuhlbasketballevent für Jedermann geht es hart zur Sache. Aber alles ganz sicher, so lange die Füße hinter den Bügeln bleiben und das Spiel wirkt von außen doch eher langsam. Das sah beim fünfminütigen Showspiel der Bundesligamannschaft der Rollstuhlbasketballer von Hannover United wenige Momente zuvor noch ganz anders aus.

Die Hannoveraner sind zum zweiten Mal der Einladung nach Bützfleth gefolgt und absolvieren zeitgleich ein Trainingslager in Drochtersen. Mit dabei sind auch Jan Sadler und Jan Haller, die bei der Weltmeisterschaft in Hamburg für Deutschland gespielt haben. Im internen Testspielchen zeigen die Bundesligisten den Teilnehmern, wie intensiv ein Rollstuhlbasketballspiel sein kann: schnelle Pässe, harte Blocks gegen den Rollstuhl und eine Menge Dynamik.

Davon sind die gemischten Teams, die später gegeneinander antreten, natürlich weit entfernt. „Aber das ist ja auch klar. Hier spielen auch Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen oder noch nie Basketball gespielt haben“, sagt Ulla Bunge, Abteilungsleiterin für den Integrationssport beim TuSV Bützfleth und Initiatorin des Events. „Das ist hier just for fun, Inklusion steht im Vordergrund.“

Mein Alltag ist auch dein Alltag“

Das sieht auch Mario Mani so. Der 48-Jährige war bereits bei der ersten Auflage des Basketballevents dabei. Mani sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl, bei ihm wurden im Alter von drei Jahren Glasknochen unterhalb der Knie diagnostiziert. Im Alltag erlebe er im Rollstuhl kaum Probleme „Mein Alltag ist auch dein Alltag“, so sagt Mani. Auch sportlich versucht er sich, trotz seiner Diagnose, zu betätigen. Zunächst nur im Rehasport. „Aber ich interessiere mich eigentlich für fast alle Sportarten.“ Also probierte er sich im Rollstuhltennis.

Mani spielt seit dem vergangenen September beim TC Stelle. Der 48-Jährige trainiert seitdem zweimal wöchentlich. Punktspiele gibt es laut Mani keine, dafür aber Turniere. Sechs Stück in Deutschland, schätzt er. Bei den German Open 2018 ist Mani nach weniger als einem Jahr Training an den Start gegangen. „Dort habe ich gegen die Welt-Elite gespielt“, sagt Mani stolz. Er sei natürlich chancenlos gewesen, aber darum geht es ihm nicht. Mani wolle Spielpraxis sammeln und die Grundlagen besser kennenlernen. Der größte Unterschied zum „normalen“ Tennis? „Im Rollstuhltennis heißt es fahren, fahren, fahren.“ Außer des Rollstuhls sei für ihn keine Extra-Ausrüstung nötig. Dafür ist der Sportollstuhl ohne Bremsen, mit seinen schrägen Rädern und der großen Wendigkeit etwas besonderes. „Der Rollstuhl ist mein Partner.“

Mit einem identischen Gefährt sind auch die 70 Teilnehmer der Rollstuhlbasketballveranstaltung unterwegs. Für Initiatorin Ulla Bunge ein Erfolg, nachdem im Vorjahr ähnlich viele Teilnehmer dabei waren. Bunge ist seit 2012 Abteilungsleiterin für Integrationssport und Reha, Integration gibt es schon seit fast 40 Jahren beim TuSV. Ähnliche Veranstaltungen seien zwar geplant, konkretere Angaben kann Bunge noch nicht machen. Trotzdem hat sie schon eine Idee. „Rollstuhltennis, als Freiluftevent, das wäre spannend.“ Mario Mani würde es freuen. Er wäre in seinem Element.

08.09.2018