Waffenstillstand am Bützflether Schützenfest

Vertraut: Bürgermeisterin Silvia Nieber und ihr Stellvertreter wie Herausforderer Sönke Hartlef.


Von Lars Strüning

BÜTZFLETH. Ach, wie schade, wird sich mancher während des Schützenfrühstücks in Bützfleth gedacht haben: „Wir haben Waffenstillstand“, sagte Bürgermeister-Herausforderer Sönke Hartlef (CDU) und schonte trotz Heimvorteils Amtsinhaberin Silvia Nieber (SPD).

Lustig war es am Sonnabendvormittag trotzdem, auch ohne Wahlkampf. In Bützfleth bedeutet Schützenfest noch Dorffest. Der halbe Ort scheint auf den Beinen während der diversen Veranstaltungen. Freitagabend war das Festzelt proppevoll. Kein Wunder: Roland Kaiser und Maite Kelly traten auf mit dem etwas abgeänderten Song: „Warum hast Du nicht Ja gesagt“. Die Schützen schlüpften noch in andere Rollen, sangen statt „Moskau, Moskau“ lieber „Peter, Peter“ und damit ein hohes Lied auf den scheidenden Schützenkönig Peter Grothmann – unter anderem mit der Zeile „...Bützfleth ist ein schöner Ort...“.

Wenn einer das Königsjahr genossen hat, dann er“, sagte Ehrenmitglied und Ex-Ortsbürgermeister Wolfgang Rust beim Frühstück. „Das war der Schützenkönig schlechthin.“

Musik, Würstchen mit Kartoffelsalat, Getränke und viele, nicht unbedingt bierernste, aber auch noch nicht bierselige Reden – das ist das Rezept am Sonnabendmittag. Klar, dass der Pokalkracher der SV Drochtersen/Assel gegen die Bayern auch in Bützfleth ein großes Thema war – allein schon, weil Präsident Dieter Köhler seine Truppe deswegen für drei Stunden im Stich lassen musste. Er ist Bayern-Fan und wollte sich diesen Höhepunkt in der Nachbarschaft nicht entgehen lassen.

Ortsbürgermeister Sönke Hartlef, der sich anschickt, der richtige Bürgermeister von Stade zu werden, nahm darauf in seiner launigen Rede Bezug: „Ich weiß nicht, ob Dich das beruhigt, aber ich passe so lange hier denn auf.“ Für Hartlef sei Schützenfest immer auch ein Selbstversuch, wenn er drei Tage lang nur von Bier und Bratwurst lebt. Amtsinhaberin Silvia Nieber saß ihm am Biertisch direkt gegenüber. Sie parlierten fröhlich und ungezwungen, als die Kehdinger Blasmusikanten „Ring of fire“ intonierten.

Beide waren sich einig, Wahlkampf gehört nicht ins Festzelt und fair wollten sie auch miteinander umgehen. So kam Silvia Nieber diesmal auch daran vorbei, Perücke und Ballonseidenanzug tragen zu müssen wie 2017. Vor Kurzem bei einer Goldenen Hochzeit seien sie sogar als ein Ehepaar durchgegangen. Ein Versehen.

Nieber lenkte den Blick auf die neue Durchgangsstraße mit den zwei Kreiseln, Landrat-Vertreter Hans-Jürgen Detje auf die Industrie, von der Bützfleth, die Stadt Stade und der gesamte Landkreis profitiere. Bezirksschützenpräsident Jan Steffens erinnerte die Bützflether an ihre besondere Lage: Zur Stadt Stade gehörend, aber noch ein Herz für Kehdingen pflegend. Und er gestand: Wegen des Schützenfrühstücks gab es bei ihm morgens nur ein Duplo…

20.08.2018