Schulleiter Kurt von Schassen geht in Ruhestand

Als er Schulleiter wurde, bekam Kurt von Schassen einen Kaktus vom Kollegium geschenkt – als Sitzkissen für unliebsame Gäste. Foto Wilkening


BÜTZFLETH. Vier Jahrzehnte unterrichtete Kurt von Schassen an der Grundschule Bützfleth. Letzte Woche hatte er seine Abschiedsfeier. Aber die Ära ist noch nicht ganz vorbei – denn die Nachfolge ist unklar.

Eigentlich wollte er nie Schulleiter werden. Seit 1978 ist er Lehrer in Bützfleth, seit 1991 Konrektor der Schule, die damals noch Grund- und Hauptschule mit Orientierungsstufe war. „Mein Vorgänger hat mich dann aber doch weichgeklopft“, sagt von Schassen. Gebauchpinselt vom einstimmigen Votum des Kollegiums nahm er den Posten als Schulleiter an.

Sein Antritt fiel direkt in die Phase des Umbaus und des Abrisses. 2010 befand sich die Bützflether Schule im Umbruch, nur die Grundschule blieb, die Hauptschule wurde aufgelöst. Sanierungsmaßnahmen waren nötig und die Hälfte der alten Schule wurde abgerissen und neugebaut. So kam es, dass Kurt von Schassen anfangs nicht nur organisatorisch anpackte, sondern als einziger Mann im Kollegium auch bei körperlichen Arbeiten einsprang.

Im Kollegium war von Schassen für schnelle Entscheidungen bekannt. Sein Ziel, eine Ganztagsschule einzuführen, setzte er in die Tat um. Seit 2012 werden die Kinder ganztags betreut, mit Hilfe von ortsansässigen Vereinen und Institutionen. Die Vernetzung und Zusammenarbeit der Schule im Ort sei ihm immer wichtig gewesen, sagt der gebürtige Bützflether.

Die Nachfolge ist noch nicht geklärt

Kurt von Schassen verabschiedet sich schleichend in den Ruhestand. Es ist ein sanfter Ausstieg, ein Nachfolger steht noch nicht fest. Zwei Bewerber befinden sich im Auswahlverfahren. Mit einem „Minivertrag“ bleibt von Schassen vorerst an der Schule, im längsten Fall bis Februar. Im Hintergrund wird er die organisatorischen Aufgaben erledigen. Eine gute Lösung für ihn: „Endlich habe ich Zeit für Verwaltung, sonst war immer Multitasking angesagt.“

Bis dahin steht noch eine letzte Amtshandlung an. Zum Abschied schenkte das Kollegium ihm ein eigenes Straßenschild. Die „Kurt-von-Schassen-Allee“ führt von nun an in die Schule. Den Weg pflasterte der Schulleiter in den Herbstferien selbst, mit dem Hausmeister und zwei Eltern. Bisher säumt die Allee nur ein einziger Baum. „Das soll sich ändern“, so von Schassen. In den Ferien will er Bäume pflanzen.

Kurt von Schassen ist dankbar für „eine unwahrscheinlich tolle Atmosphäre im Kollegium“ und bereut es nicht, sich für den Schulleiterposten überreden lassen zu haben. Aber jetzt freut er sich auch auf den Ruhestand. Dann möchte er sich mehr um seine Enkelkinder kümmern. „Meinen Opapflichten nachkommen“, sagt er. Ansonsten hat er bewusst nicht viel geplant, lässt die Zeit auf sich zukommen. Ein ehrenamtliches Engagement im Ort kann er sich gut vorstellen.

In seiner Zeit als Schulleiter hat Kurt von Schassen den großen Kaktus gut gepflegt. Wenn er die Schule endgültig verlässt, will er den Kaktus an seinen Nachfolger übergeben – als Glücksbringer.

29.06.2018