Sönke Hartlef soll Stades neuer Bürgermeister werden

Ovationen für den Kandidaten: Sönke Hartlef ist einstimmig gewählt. Es applaudieren (von links) Kai Seefried, Oliver Grundmann und die CDU-Fraktionsvorsitzende im Stader Rat, Kristina Kilian-Klinge. Foto Strüning

Von Lars Strüning

STADE. Die Stader CDU hat am Montagabend einstimmig Sönke Hartlef zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Stadt gewählt. Hartlef, der die SPD-Bürgermeisterin Silvia Nieber aus dem Amt drängen will, zeigte sich in seiner Bewerbungsrede ungewohnt angriffslustig.

Ja sagte Hartlef zu Beginn seines Auftritts vor 100 Parteifreunden in der Stader Seminarturnhalle: „Ja, ich will Bürgermeister meiner wunderbaren Heimatstadt Stade werden.“ Der CDU-Kandidat gab sich überzeugt: „Stade kann mehr“, sagte er mit Blick auf die amtierende Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD), deren schärfster Konkurrent er jetzt ist. Die Wahl soll am 26. Mai 2019 stattfinden und die Konstellation ist pikant: Hartlef ist auch der 1. Stellvertreter der Amtsinhaberin. Beide müssen sich regelmäßig über Termine abstimmen.

Hartlef, der Mann der leisen Töne, der nach eigenem Bekunden die Diplomatie dem krawalligen Auftritt vorzieht, deutete an, dass er auch anders kann. Zwischenapplaus war ihm sicher. Er hielt Nieber die vom TAGEBLATT attestierte Ratlosigkeit der Stadt in Sachen Kinderbetreuung vor. Die CDU habe vor Jahren den Neubau einer Kita in Schölisch gefordert. Nieber und die SPD hätten das verhindert. Anstatt sich mit dem Kreis über die formale Erfassung der Kita-Plätze zu streiten, hätten Fakten geschaffen werden können.

Das Thema Wirtschaft sei einst Chefsache im Rathaus gewesen, unter Nieber sei das nicht mehr so. Hartlef sieht sich als hauptamtlicher Bürgermeister auch als Wirtschaftsförderer Nummer eins: „Dazu bin ich bereit.“ Er vermisst den seit Jahren geforderten Verkehrsplaner in der Verwaltung, der sich in einem gesamtstädtischen Konzept des Fahrradverkehrs ebenso annimmt wie der Problemzonen in den Einfallstraßen. Hartlef nannte die Kreuzung B 73/Thuner Straße oder die Bremervörder Straße, wo sich der Verkehr regelmäßig staut.

Hartlef will Strabs abschaffen

Klare Kante bezog der CDU-Kandidat bei der umstrittenen Straßenausbaubeitragssatzung („Strabs“). Sie sei unausgewogen, unsozial und damit ungerecht. Hartlef: „Wir werden mit dieser Satzung dauerhaft Unfrieden in der Stadt haben.“ Er werde als Bürgermeister alles dafür tun, dass die Strabs in Stade keine Anwendung mehr findet. Mit dem klaren Bekenntnis gräbt er nicht nur dem Strabs-Gegner und Bürgermeister-Kandidaten der Piratenpartei, Richard Klaus, das Wasser ab, sondern setzt sich bewusst von Nieber ab, die bisher die Satzung verteidigt hatte.

Indirekt warf Hartlef der Bürgermeisterin vor, das Gefühl für die Menschen in der Stadt verloren zu haben und verwies auf die Proteste der Einwohner in Schölisch wegen der „Strabs“ und in Campe wegen der geplanten Bebauung der Camper Höhe.

Im Gegenzug zog er eine positive Bilanz seines eigenen Schaffens in Bützfleth. Die Ortskernsanierung, der Sporthallenausbau, die Seniorenwohnanlage oder die durchgängige Straßenbeleuchtung gehörten ebenso dazu wie die Neuregelung der Finanzen für die vier Stader Ortschaften auf seinen Vorschlag hin. Auch der Kunstrasenplatz für den TuSV und das neue Feuerwehrgerätehaus buchte Hartlef auf seiner Habenseite ab. Nicht zu vergessen sein persönlicher Einsatz nebst Frau Elke und vielen Ehrenamtlichen bei der Betreuung und Integration von 140 Flüchtlingen in Bützfleth.

Vermeintliche Achillesferse

Der Kandidat selbst sprach neben vielen anderen Themen wie Innenstadt, Ehrenamt, Wohnen oder Familienfreundlichkeit auch seine vermeintliche Achillesferse an: die fehlende Verwaltungserfahrung. Während der acht Jahre als Ortsbürgermeister habe er bei seinen regelmäßigen Kontakten ins Rathaus durchaus die Stärken und Schwächen der Verwaltung kennenlernen dürfen. Als Disponent sei er es zudem gewohnt, mit optimaler Planung von Personal, Betriebsmitteln und Dienstleistungen die Erwartungen der Kunden und die Ziele seines Unternehmens unter einen Hut zu bringen. Führungserfahrung habe er auch als TuSV-Vorsitzender und als Ortsbürgermeister gesammelt. Dabei habe er gelernt, mit den zur Verfügung stehenden Finanzen auszukommen.

Mein Herz schlägt für Stade“, sagte Hartlef unter großem Beifall. Die CDU weiß er dabei hinter sich. Alle wahlberechtigten 61 Parteimitglieder stimmten für ihn. Ortsvereinsvorsitzender Oliver Grundmann nahm es zufrieden zur Kenntnis: „Das ist ein starkes Signal der Geschlossenheit, damit macht es Spaß, in den Wahlkampf zu ziehen.“ Versammlungsleiter Kai Seefried aus Drochtersen, Generalsekretär der CDU Niedersachsen, ergänzte: „Das war eine extrem kluge Entscheidung der CDU Stade.“

Zur Person

Sönke Hartlef kommt aus Bützfleth, ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Er ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und arbeitet als Disponent eines Buxtehuder Baustoff-Unternehmens. Er war lange Jahre im Vorstand und Vorsitzender des TuSV Bützfleth. Im Ortsrat sitzt er seit 2006, seit 2010 ist er Ortsbürgermeister. Seit 2011 ist Hartlef Ratsmitglied in Stade, seit 2016 ehrenamtlicher Stellvertreter der Bürgermeisterin.

12.06.2018