Friedhelm Stelzer: Seine Liebe zur Orgelmusik

Organist Friedhelm Stelzer zeigt, welche Töne er mit der Orgel erzeugen kann. Foto: Wilkening


Von Merle Wilkening



BÜTZFLETH. Seine Finger gleiten über die Tasten, seine Füße springen auf den Pedalen. Wenn er spielt, ist er konzentriert: Friedhelm Stelzer ist seit mehr als 50 Jahren Organist und weiß genau, wie er der Orgel die richtigen Töne entlockt.

Im Landkreis gebe es nur wenige Menschen, die das Instrument richtig beherrschen, sagt er – Friedhelm Stelzer gehört dazu. Jahrzehntelang spielte er jeden Sonntag die Barockorgel in der St. Nicolai Kirche in Bützfleth. In seinem Leben spielte er in mehr als 25 Kapellen bei Beerdigungen und Hochzeiten. Jetzt wurde er von der Kirchengemeinde in den Ruhestand verabschiedet.

Seine Leidenschaft zur Orgelmusik entdeckte der heute 79-Jährige in der Kindheit. Aufgewachsen in Schlesien wohnte er im Schatten einer Kirche und hörte den Klang der Orgel fast täglich. Nachdem er als Flüchtlingskind nach Deutschland kam, begann er kurz nach seiner Konfirmation mit Orgelunterricht.

Die Orgel ist kein einfaches Instrument

Man braucht sehr lange, bis man das Orgelspielen beherrscht“, sagt Stelzer. Die Orgel sei kein einfaches Instrument. Die Pedale erzeugen die tiefsten Töne, gleichzeitig müssen die richtigen Tasten angeschlagen werden. Mit den Registern können verschiedene Töne eingestellt werden. „Die Orgel ist gleichzeitig ein Blasinstrument und ein Tasteninstrument“, sagt Stelzer.

Der ehemalige Mathe- und Physiklehrer kennt die Orgel mit ihren mehr als 1000 Pfeifen genau. Er wurde in der Kirche konfirmiert, hat dort geheiratet, und seine Kinder wurden dort getauft. 1986 wurde die Orgel dem Original nachgebildet, das der Gemeinde bis 1901 gedient hatte. Heute sei die Orgel eine Million Euro wert, schätzt der Organist.

Früher spielte Stelzer Orgelkonzerte, seine Frau half beim Ziehen der Register. Die Orgelmusik habe sich verändert, es gebe neue Lieder mit anderen Harmonien. „Mir liegen die traditionellen Stücke eher“, sagt Stelzer. Mit fast 80 Jahren zieht sich der Organist zurück.

Es sei schwer, einen Nachfolger zu finden. Jeden Sonntag zur Arbeit verpflichtet zu sein, müsse man wollen. Er wollte – wegen der Musik und aus Liebe zum Klang der Orgel.

01.06.2018