A 26 zwischen Stade und Drochtersen: Er hätte eine Idee

Blick auf Flächen bei Bützflethermoor, die sehr tief liegen. Peter Hartlef zweifelt daran, dass sie als Baugrund für eine Autobahn taugen und sorgt sich um die Entwässerung. Foto: Klempow


Von Grit Klempow

BÜTZFLETH. Seit mehr als sieben Jahren ist es still um den Abschnitt der A 26 zwischen Stade und Drochtersen. Jetzt kommt Bewegung in das Verfahren. Anlass für Peter Hartlef aus Bützflethermoor, eine Frage zu stellen, auf die er noch keine Antwort bekommen hat.

Wäre eine Trasse westlich der Rotschlamm deponie nicht besser? Nicht unbedingt, sagen die Planer. Von der Behörde geplant ist die Autobahn zwischen Stade und Drochtersen auf einer Trasse, die parallel zu den Moororten und Bützfleth verläuft und an den neuen Elbtunnel bei Drochtersen angebunden ist, der im Zuge der A 20 gebaut werden soll. Peter Hartlef, Vorsitzender des Schleusenverbandes Bützfleth, ist ein Mann der Praxis und hat sich seine eigenen Gedanken gemacht. Nicht erst jetzt, er hatte bereits im Zuge des Raumordnungsverfahrens eine alternative Trasse vorgeschlagen. Er hat bei seiner Trassenvariante die Südkehdinger Bürger im Blick. Sein Vorschlag: Von Stade aus solle die A 26 westlich an der Rotschlammdeponie von AOS und über das Kehdinger Moor geführt werden, nordöstlich von Groß Sterneberg verlaufen und könnte dann an die A-20-Trasse angeschlossen werden. Er nennt es die RDU-Variante – „Rotschlammdeponie-Umgehung“.

Bützflether hätten Nachteile

Die Bützflether sind bei Ostwind dem Lärm aus dem Industriegebiet ausgesetzt. Würde die Autobahn wie bisher geplant gebaut, kämen bei Nordwestwind der Lärm und die Abgase der Autobahn hinzu. Hartlef sieht folgende Vorteile bei seinem Vorschlag: Die Trasse verlaufe durch einen überwiegend menschenleeren Raum, sei etwa zwei Kilometer kürzer und: „Mit dieser Variante gehen wir wesentlich dichter an den Sandkern und an die Geest heran.“

Tragfähigen Boden gibt es nach seiner Einschätzung in sechs bis acht Metern Tiefe. Die von der Straßenbaubehörde geplante Linie verlaufe im Gegensatz dazu dort, wo das Gelände am niedrigsten ist. Festen Boden gebe es dort erst in 20 Metern Tiefe. „Das ist enorm“, sagt Hartlef. Er bezweifelt, dass es Sinn macht, auf diesem Boden Sandkerne wie bei anderen Autobahnabschnitten aufzufahren: „Dieser Boden hat einen höheren Darf- und Mooranteil, der einfach nicht tragfähig ist. Den kann man im Prinzip nicht verdichten.“ Sein eigenes Haus in Bützflethermoor hat er auf Bohrpfähle gebaut, die 21 Meter tief im Boden sitzen.

In dieser Karte hat die Straßenbaubehörde den Vorschlag von Peter Hartlef, Vorsitzender des Schleusenverbandes Bützfleth, aufgegriffen. Er plädiert dafür, die geplante Trasse der A 26 (obere rote Linie) zu verlegen und südlich um die Rotschlammdeponie (untere rote Linie) zu führen. (Für Vollbild auf die Karte klicken)

Was für den Landwirt Hartlef außerdem problematisch ist: Die Entwässerungsgräben entlang der Flurstücke verlaufen von Ost nach West – die sogenannte Handtuchlage. „Aber die Autobahn läuft quer hindurch, die gesamte Entwässerung wird zerschnitten.“ Er selbst hat an Konzepten für die Entwässerung mitgearbeitet. Aber ist er nicht überzeugt, dass das System auch nach dem Autobahnbau funktioniert. „Das hier ist eine Struktur, die über Hunderte von Jahren gewachsen ist, mit Grüppen, Gräben und Vorflutern in offener Bauweise.“

Die Kosten, die Entwässerung, die Emissionen für die Bützflether, der Verbrauch von landwirtschaftlichen Flächen – für Hartlef spricht vieles gegen die Planungstrasse der Behörden. Aber er legt Wert darauf, nicht generell gegen den Bau der Autobahn zu sein. Nur hätte er gerne eine Antwort auf seinen Vorschlag, den er schon vor Jahren gemacht hat.

Die A 26 Richtung Hamburg hatte einfach höhere Priorität“

In der Tat habe es auf die rund 400 Einwendungen im Zuge des Planfeststellungsverfahrens bisher keine Erwiderung gegeben, sagt Sebastian Mannl, der seit September letzten Jahres Leiter der A 20/A 26-Projektgruppe bei der Niedersächsischen Straßenbaubehörde ist. Das Planfeststellungsverfahren für den Autobahnabschnitt zwischen Stade und Drochtersen ist bisher nicht abschließend bearbeitet. „Die A 26 Richtung Hamburg hatte einfach höhere Priorität“, sagt Mannl. Weil die Stadt Stade aber die Verlegung des Industriegleises angehen und das Gleis parallel zur Autobahn verlegen will, wird nun in zwei Teilabschnitten 5a und 5b geplant. „Im Laufe des Jahres gibt es ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren“, sagt Mannl.

Der erneute Vorstoß von Hartlef ist bei der Behörde eingegangen. Die Planer haben einen prüfenden Blick auf die Variante geworfen. Kopfzerbrechen machen ihnen aber nicht nur das Kehdinger Moor als Baugrund, sondern auch zwei FFH-Gebiete. Sowohl das Wasserkruger Moor als auch Willes Heide sind europäische Naturschutzgebiete und könnten vom Verlauf der Deponie-Umgehung tangiert werden. Zudem müsse der Verkehrsfluss großräumig als Nordwestumfahrung Hamburgs betrachtet werden, so Mannl. Dazu gehöre die Weiterführung des Verkehrs mit Blick auf eine neu zu bauende Bundesstraße von Drochtersen Richtung Cadenberge (der sogenannte Ferlemann-Bogen).

Bei einem Gesprächstermin am heutigen Mittwoch wollen sich Mannl und seine Kollegen mit Peter Hartlef detailliert austauschen.

07.03.2018