Havarie der Bow Guardian wirkt in Bützfleth nach

Die Bow Guardian ließ im Oktober auf der Reede vor Grauerort Gas ab. Foto: Beneke


STADE. Diese Reparatur ging mächtig schief: Als der Kapitän der Bow Guardian am Abend des 19. Oktober 2017 eine Öl-Leckage am Pumpensystem beheben lassen wollte, löste er auf der Elbe einen Großalarm aus.

Er hatte sein Schiff vom Dow-Anleger zur Reede vor Grauerort verholt. Ein Dichtungsventil sollte ausgetauscht werden, dabei stellte sich heraus, dass die Schrauben am Hauptventil – aus welchen Gründen auch immer – sich gelöst hatten. Um dieses Ventil wiederum auszutauschen, musste Druck von der Gasleitung genommen werden. Kontrolliert. So entwichen 60 Kilogramm Propylen der 900 Tonnen umfassenden Ladung und lösten eine Rettungskette aus, die auch dazu führte, dass ein Teil von Stade-Abbenfleth evakuiert werden musste.

Das alles ist jetzt gut vier Monate her. Die Menschen in und um Bützfleth beschäftigt das Thema immer noch. Sie wollen wissen, was genau passiert ist und wie gefährlich der Schiffsverkehr auf der Elbe ist. Während der Ortsratssitzung am Mittwochabend nahmen dazu diverse Experten Stellung.

Frank Richters vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg sagte, spektakuläre Havarien wie die der „Indian Ocean“ auf Höhe des Lühe-Anlegers seien sehr selten, Grundberührungen wie vor kurzem am Mühlenberger Loch gebe es zwei oder drei Mal pro Jahr. Die Verkehrszentralen in Cuxhaven und Brunsbüttel mit jeweils drei Nautikern hätten den Schiffsverkehr rund um die Uhr im Blick. Bei einem Vorfall würde zum Beispiel die Rettungsleitstelle in Wiepenkathen alarmiert, die dann Feuerwehr, THW oder DLRG losschickt. Im Bild ist auch das maritime Lagezentrum in Cuxhaven.

Kapitän wollte Wartezeit für Reparatur nutzen

Richters Eindruck an diesem Abend: Der Vorfall war handelbar, das Personal auf der Bow Guardian blieb ruhig, machte den Eindruck, die Leckage ohne fremde Hilfe in den Griff zu bekommen. Das Schiff hatte Propylen an die Dow geliefert im Bützflether Hafen, es musste aber den Liegeplatz freimachen, weil ein weiteres Schiff mit wichtiger Ladung erwartet wurde. Das erklärte der Dow-Sicherheitsbeauftragte Rolf Nettersheim. Deswegen sei die Bow Guardian vor Anker gegangen auf der Reede Grauerort. Der Kapitän wollte die Wartezeit für die Reparatur nutzen.

Dass der Gastanker mit einem Problem überhaupt die Dow angefahren habe und dass dort Reparaturen vorgenommen werden, missfiel den Ortsratsmitgliedern in Bützfleth. Stades Dow-Chef Dieter Schnepel sagte, dass sie entsprechende Fragen der Reederei aus Singapur gestellt hätten – damit sich ein derartiges Verhalten nicht wiederholt. Für die Dow ende das hochgehandelte Thema Sicherheit nicht am Werkszaun. Das Unternehmen sei auf den Transport von Rohstoffen und Produkten auf der Elbe angewiesen und sehr daran interessiert, dass diese Transporte sicher seien. Das Schiff sei seit dem Vorfall noch nicht wieder für die Dow im Einsatz gewesen.

Bei der Leckage, so Rolf Nettersheim, seien die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit getroffen worden. Am Land, wo vorsichtshalber evakuiert worden war, sei die Propylen-Wolke nicht angekommen.

Markus Schlichting von der Firma Elbclearing, die den Feuerlöschschlepper „Bützfleth“ bereedert, stimmte dem zu: „Es ist alles richtig gemacht und sehr professionell abgearbeitet worden, wir standen nicht vor einer Katastrophe.“ Die Evakuierung sei ein Gebot der Vorsicht gewesen. Seit 1978 ist die Bützfleth im Einsatz, noch nie sei es seitdem passiert, dass Ladung ausgetreten ist. Der Schlepper lag einsatzbereit im Hafen, musste aber nicht eingreifen, obwohl er in eine explosive Atmosphäre eintauchen könnte.

Frank Richters verteidigte die Reede Grauerort als Ankerplatz gerade auch für Gefahrgutschiffe. Der Ort sei aus nautischen Gründen ausgesucht worden. Schiffe würden hier sicher liegen und nicht vertreiben. Der Ankergrund sei gut, zum Beispiel im Gegensatz zur Freiburg-Reede, die Elbe breit genug, also das Hauptfahrwasser auf sicherem Abstand. Land und Deich böten Windschutz. Wegen der Liegeplätze am Bützflether Hafen dürften Schiffe nur in gedrosseltem Tempo die Stelle passieren. Im Falle eines Notfalls hätten Retter und Experten kurze Wege. Das erhöhe die Sicherheit.

02.03.2018