70 Arbeiter verlieren ihren Job

Ein 66 Meter langes Rotorenblatt liegt am Bützflether Hafen bereit zur Verschiffung – dieses Bild gehört wohl der Vergangenheit an. Foto: Strüning


STADE. Das ist ein Schlag ins Kontor: Areva stellt in Stade die Produktion von Windmühlenflügeln ein. 70 Mitarbeiter werden entlassen. Das bestätigte eine Firmensprecherin dem TAGEBLATT. Damit ist die wechselvolle Geschichte der Industriehallen auf Bützflethersand um ein Kapitel reicher.

Noch im Sommer gehörte die Verschiffung der 66 Meter langen Rotorblätter zum gewohnten Bild im Bützflether Hafen. Die Flügel waren bestimmt für den großen „Wikinger“-Windpark in der Ostsee nordöstlich von Rügen. 180 Flügel wurden mit dem Stückgutfrachter „HR Constitution“ an den Zielort gebracht. Damit ist es jetzt vorbei. „Uns fehlen die Nachfolgeaufträge“, sagt eine Areva-Sprecherin.

Die Produktion wurde eingestellt, ob auch der Standort geschlossen wird, vermochte sie nicht zu sagen. Hintergrund: Der französische Konzern Areva arbeitet mit der spanischen Firma Gamesa in Sachen Windkraft zusammen. Jetzt hat sich Siemens bei Gamesa eingekauft. Der neue Verbund wird wohl in Zukunft auf den Standort Stade-Bützfleth verzichten.

Wirklich schade“

Das ist wirklich schade“, sagt dazu Marcus Schlichting, Vorsitzender des Vereins Seehafen Stade. Er denkt an die großen Flächen und Hallen, die jetzt im Industriegebiet brachliegen könnten, und an den Umschlag den Areva mit den Windflügeln im Hafen über das Buss-Terminal generiert hatte.

Betroffen von dem Produktionsstopp sind 70 Mitarbeiter. Ihnen seien Kompensationsmaßnahmen oder der Eintritt in eine Transfergesellschaft angeboten worden. Also entweder es gibt Geld oder die Möglichkeit, sich in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur weiterzubilden und auf Jobsuche zu gehen. Den Arbeitern sollen Jobs an anderen Standorten angeboten werden.

Zur Geschichte: Die N.prior energy GmbH hatte 2006 das Gelände des Aluminium-Werks in Stade von NorskHydro übernommen und im Anschluss daran am Standort neben der Bioethanolanlage und dem Ersatzbrennstoff-Kraftwerk mit einer Rotorenblattproduktion und einer Gießerei zwei weitere Betriebe aufgebaut. Die Flügel-Produktion wurde bereits 2009 an den französischen Konzern Areva verkauft. Der Betrieb florierte – bis 2014, als es den ersten Einschnitt gab. Von 186 Arbeitsplätzen von Areva Blades in Stade blieben gerade einmal 44 übrig. 100 Leiharbeiter mussten gehen und zudem noch 42 Festangestellte.

Auch Leiharbeiter betroffen

Leiharbeiter von Personaldienstleistern sollen auch diesmal betroffen sein. Über die genaue Anzahl gab Areva keine Auskünfte. Es soll sich aber noch einmal mindestens um die gleiche Anzahl wie die Festangestellten und vor allem um Kräfte aus Ost- und Südosteuropa gehandelt haben, die zum Mindestlohn angeheuert worden waren und unter anderem in den ehemaligen Landhotels in Kehdingen untergebracht worden sein sollen.

Der Zeitpunkt sei noch zu früh, um konkret sagen zu können, wie viele Mitarbeiter in welcher Form betroffen sind, sagt Dagmar Froehlich, Chefin der Arbeitsagentur Stade, auf Nachfrage. Sie spricht von einer Produktionsverlagerung. Die Agentur sei in die Überlegungen des Mutterkonzerns eingebunden gewesen. Frauen und Männer, die arbeitslos werden, fordert sie auf, sich schnell als arbeitssuchend bei der Agentur zu melden. Dem Unternehmen wird angeboten, dass direkt vor Ort abzuwickeln, damit nicht jeder einzelne Betroffene zur Agentur gehen muss.

25.10.2017