Gasalarm auf der Elbe mit glimpflichem Ausgang

Gespenstische Szenerie in der Nacht zu Freitag: Der LPG-Tanker Bow Guardian auf der Elbe bei Abbenfleth. Foto: Beneke


LANDKREIS. Der Schaden ist gering, die Aufregung war groß: Vier Stunden lang herrschte Großalarm in der Nacht zu Freitag an und auf der Elbe bei Bützfleth. Aus einem auf der Reede liegenden Tankschiff in der Nähe zum Dow-Hafen in Bützfleth strömte das leicht entzündliche Gas Propylen aus.

Von Wolfgang Stephan, Björn Vasel und Daniel Beneke

150 Menschen in Abbenfleth mussten in der Nacht ihre Häuser verlassen. Verletzte gab es nicht. Um 21.19 Uhr wurde der erste Alarm ausgelöst. Die Besatzung eines Bunkerschiffes hatte bemerkt, dass sich über dem Tanker „Bow Guardian“ eine Gaswolke gebildet hatte. Die Feuerwehr Bützfleth löste Großalarm aus. Feuerwehren, ihre Schiffsbrandbekämpfungseinheiten und der Rettungsdienst wurden alarmiert.

Die Besatzung des Feuerlöschschleppers „Bützfleth“ machte sich einsatzbereit, blieb aber im Hafen. Über Rundfunkdurchsagen baten Feuerwehr und Polizei von 23.57 Uhr an die Anwohner in Barnkrug, Assel, Abbenfleth und Kreuel, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Sicherheitshalber wurden die Häuser in Deichnähe evakuiert (siehe Lokales). Um kurz nach zwei Uhr war der Spuk vorbei, die Leckage wurde geschlossen, die Gaswolke hatte sich verzogen.

Gas durch undichte Pumpe freigesetzt

Nach Angaben von Feuerwehr und Dow wurde das Gas durch eine undichte Pumpe freigesetzt. Das im Tankschiff transportierte und entwichene Propylen ist ein farbloses, leicht entzündliches Gas, das weltweit in großen Mengen aus Leichtbenzin oder Erdgas hergestellt wird. Propylen ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie. Es dient unter anderem der Herstellung von Kunststoffen und chemischen Zwischenprodukten, aus denen in der weiteren Verarbeitung Matratzen, Isoliermaterial oder Turnschuhsohlen hergestellt werden können.

Propylen ist wenig giftig, biologisch abbaubar und bleibt nicht dauerhaft in der Umwelt erhalten. Weil die Gaswolke schwerer als Luft war, trieb sie nahe der Wasseroberfläche und verflüchtigte sich in der Nacht.

Noch in der Nacht und auch gestern Morgen waren sich die Verantwortlichen in der Einschätzung der Lage einig: Messungen hätten keine Gefahr am Stader und Bützflether Elbufer ergeben. Messgeräte und Infrarotmessungen konnten den Stoff nicht nachweisen.

99,9 Prozent der Fälle sind undramatisch

Die Situation habe ihn „nicht in Panik versetzt“, betonte der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Hamburg, Detlef Wittmüß. Die Bundeswasserstraße Elbe sei ein „sicheres“ Revier. Der Schiffsverkehr auf der Elbe sei – entgegen anderslautender Meldungen in der Nacht – weitergelaufen. Die Verkehrszentrale in Brunsbüttel sei in ständigem Kontakt mit Havariekommando und Einsatzkräften vor Ort gewesen. Marcus Schlichting, unter anderem Vorsitzender des Vereins Seehafen Stade und Chef des Löschschleppers „Bützfleth“: „In 99,9 Prozent der Fälle verläuft so ein Vorfall undramatisch, wenngleich es immer auch ein Restrisiko gibt.“

Detlef Wittmüß und Simone Starke vom Havariekommando in Cuxhaven sehen die Behörden für den Ernstfall gerüstet. Einmal durch den Feuerlöschschlepper „Bützfleth“, der so ausgerüstet ist, dass er auch in die Gaswolke hätte fahren können, und durch die Einsatzkräfte der Mehrzweckschiffe „Mellum“ und „Neuwerk“ sowie des privaten Hochsee-Bergungsschleppers „Nordic“. Die Notschlepper mit ihren Löschkanonen sind in der Deutschen Bucht stationiert und mit gasdichten Aufbauten versehen. Die Crux bei einer Katastrophe gestern Nacht: Die „Mellum“, hätte vier Stunden bis Abbenfleth gebraucht, die auf Helgoland stationierte „Neuwerk“ ist in der Werft.

21.10.2017