Der beste Knipser spielt in Bützfleth

Süleyman Aksoy weiß, wo das gegnerische Tor steht und will mit Bützfleth aufsteigen. Foto Berlin


BÜTZFLETH. Süleyman Aksoy ist ein Phänomen. Der Stürmer des TuSV Bützfleth II bewegt sich kaum. Er ist nicht einmal sonderlich schnell. Aber der Mann weiß, wo das Tor steht. Bisher schoss er seine Mannschaft fast im Alleingang an die Tabellenspitze.

Am Sonntag erzielte er in der 3. Fußball-Kreisklasse gegen den SuSV Heinbockel vier Treffer beim 5:0-Heimsieg. Sechs Tore beim 9:1 gegen den SV Ottensen II, acht auswärts beim 9:2-Erfolg bei der zweiten vom VfL Horneburg. Diese Treffer und die aus den ersten beiden Saisonspielen summieren sich auf insgesamt 23. Fünf Vorlagen gab der 28-Jährige auch noch. Aksoy war an 28 von bislang 29 Saisontoren seines Clubs beteiligt. Der Mittelstürmer schießt Bützfleth fast im Alleingang in die 2. Kreisklasse. Da will der TuSV hin.

Auf dem Sportplatz in Bützfleth läuft die zwölfte Minute der Partie des TuSV gegen Heinbockel. Süleyman Aksoy steht zentral im Sechzehner und sieht, wie sein kongenialer und pfeilschneller Rechtsaußen Ali Demirelli die Gegner einfach stehenlässt. Aksoy hebt die Hand und deutet Demirelli an, wo er den Ball hinhaben will. Der Pass kommt, der Rest ist Formsache. Aksoy stellt seinen Körper zwischen Ball und Gegner und überwindet mit einem abgeklärten Schuss Heinbockels Aushilfstorwart Jens Borchers-Sass zur frühen 1:0-Führung. Borchers-Sass ist gelernter Verteidiger. SuSV-Trainer Maik Bammann wollte ihn eigentlich Aksoy auf die Füße stellen. Aber in Ermangelung der Stammkräfte für das Tor, muss Borchers-Sass zwischen die Pfosten. Aksoy hat damit fast freie Bahn.

Den Torriecher hatte ich immer schon“, sagt Aksoy. Seit er sechs Jahre alt ist, spielt der Bützflether Fußball. Seit er sechs ist, ist er ein Torjäger. Der Mann passt auch in die erste Bützflether Mannschaft in die Kreisliga, hilft dort aber nur sporadisch aus, weil er bei der Arbeit stark eingebunden ist. Wegen der Weiterbildung zum Fluggerätmechaniker besucht Aksoy selbst das Training nicht regelmäßig.

Aksoy sprüht nicht gerade vor Lauffreude. Sein Einsatzgebiet erstreckt sich fünf Meter links und fünf Meter rechts einer imaginären Linie zwischen dem Elfmeterpunkt und dem Mittelkreis. Dort lauert Aksoy auf die Bälle. Manchmal steht er minutenlang da und stemmt die Hände in die Hüfte. Meistens bedienen ihn die kreativen Demirelli oder Naki Dilli mit gefühlvollen Hebern hinter die Abwehrkette. Aksoy setzt sich mit ein, zwei Schritten von seinem Gegenspieler ab und vollendet in der Regel mit links oder rechts flach in die jeweils lange Ecke. So ähnlich fällt am Sonntag das 3:0 kurz vor der Halbzeit. Es läuft für Bützfleth.

Dennoch gibt es in der Pause von Trainer Osman Ersoy mahnende Worte. Seine Spieler „sabbeln“ ihm zu viel. Immer wieder liefern sie sich in der ersten Halbzeit Wortgefechte mit den Gästen aus Heinbockel und mit dem jungen Schiedsrichter, der sich teilweise hitzigen Debatten und Duellen stellen muss. Die ein oder andere Entscheidung geht in die Hose, aber der Unparteiische ist wirklich nicht zu beneiden. Nach der Pause gehen die Scharmützel weiter. Es wird geschubst und manchmal nachgetreten. Demirelli fliegt mit Rot vom Platz. Aber das ist nur eine Randnotiz. „Das geht ja zu wie auf einem türkischen Basar. Versucht ihr hier, Wassermelonen zu verkaufen?“, fragt Osman Ersoy in der Kabine seine Jungs und entlässt sie nach der Verschnaufpause in den zweiten Durchgang.

Mund halten, Ball laufen lassen!“

Die Marschroute: „Mund halten, Ball laufen lassen!“ Und weil sich Bützfleth nach dem Wechsel zunächst auf das Fußballspielen konzentriert, klappt das prima. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff macht Aksoy jeden Anflug einer möglichen Heinbockeler Aufholjagd mit seinem Tor zum 4:0 nach Vorlage von Ramazan Kapci zunichte. Osman Ersoy gibt zu, dass das Spiel seiner Mannschaft rein auf Süleyman Aksoy abgestimmt ist. „Die Jungs suchen immer ihn, weil er die Dinger sicher reinmacht“, sagt der Coach. Aksoy schieße so, dass der Torwart keine Chance habe.

Aksoy gilt dabei nicht als Kind von Traurigkeit. Er kann auch theatralisch und hat Glück, dass ihn der Schiri wegen einer Schwalbe nicht verwarnt. Bei einer Rudelbildung steht der Mittelstürmer nach einer Stunde mittendrin und schiebt die Spieler mit ausgestreckten Armen auseinander. Ein paar Minuten später rammt Aksoy einen Gegner einfach um, bekommt den Freistoß gegen sich und ballert das Spielgerät fast bis ins benachbarte Wohngebiet. Nach einem Frustfoul nimmt ihn Ersoy erstmal runter. Zehn Minuten verschnauft der Torjäger, ehe er zurückkehrt auf den Platz.

Die haben schon eine Bombentruppe“, sagt Maik Bammann und zollt den Bützflethern Respekt. Der Heinbockeler Trainer stellt seine Taktik in der zweiten Halbzeit um und lässt mit zwei Viererketten spielen. Das System habe der SuSV gerade erst eingeführt. Bammann sieht, dass die Spielweise Früchte trägt. Seine Mannschaft kommt gegen Bützfleth durchaus zu Möglichkeiten und markiert die Offensiven der Gastgeber nach der Pause besser.

Süleyman Aksoy schlägt eiskalt zu

Aber in dieser Saison schreibt eben Süleyman Aksoy die besten Geschichten. Der Stürmer, der den Unterschied macht. 20 Minuten lang ist von dem Mann nichts zu sehen. Dann schlägt er wieder eiskalt zu. Aksoy setzt in der 89. Minute den Schlusspunkt zum 5:0, erinnert sich, dass es auf dem Platz gerade in der zweiten Halbzeit nicht besonders freundlich zuging, verleiht seinem Torjubel eine Prise Genugtuung und zeigt deutlich, dass er der Chef und unantastbar ist.

20.09.2017