Grauerort: Ein Hilferuf aus der Festung

Aus der Luft betrachtet: Bei der Festung Grauerort handelt es sich um eine „Neu reußische Fortifikation“. Der sechseckige Grundriss, ein Hexagon, wird von Erdwällen gebildet, was am Bewuchs mit Bäumen zu erkennen ist. Rechts vor dem Graben liegt ein Wachgebäude. Foto: Martin Elsen


Von Wilfried Stief

ABBENFLETH. Die Festung Grauerort hat sich gemausert. Innerhalb von 20 Jahren wurde aus einem zugewucherten hässlichen Klotz eine Anlage, die sich sehen lassen kann. Mitverantwortlich dafür die vielen Ehrenamtlichen. Doch nun sind es nur noch wenige, die anpacken. Dabei gibt es neue Ziele. 

Kunsthandwerker und Oldtimer-Liebhaber steuern die Festung Grauerort in Abbenfleth am Elbdeich ebenso an wie Konzertbesucher und Geo-Cacher – die Festungsanlage gibt für viele kulturelle Veranstaltungen eine famose Kulisse ab. Und selbstredend auch für Verliebte, die sich in dem über 140 Jahre alten preußischen Bauwerk das Ja-Wort geben und dann in den urigen Gewölberäumen feiern.

Der Vorsitzende des Vereins Festung Grauerort sagt unumwunden, wo der Schuh derzeit am meisten drückt. „Altersbedingt scheiden unsere ehrenamtlichen Helfer aus und sind es in den letzten Jahren schon“, bedauert Ott, der selbst 76 Jahre alt ist und auch über sich sagt, dass er nicht wisse, wie lange er noch in Verein und Festung aktiv sein könne. Früher zogen über 30 Aktive an einem Strang, jetzt sind nur ein Drittel davon dabei. Daher, so Ott, habe der Verein die Grundstückspflege mittlerweile an einen Unternehmer vergeben müssen.

Wollen der im Lauf der Jahre verhunzten Fassade ein schönes Antlitz geben: Uwe Schmidt und Hans-Hermann Ott. Foto Stief

Hans-Hermann Ott wünscht sich für seinen Verein zwar „Manpower“ – also Menschen, die was tun wollen – aber es müssen keine Arbeitspferde sein. „Wer einmal im Monat Dienst in der Caféteria mitmacht, ist willkommen“, sagt Ott. Schließlich soll die Arbeit, die aufgewendet werden muss, um das Leben in der Festung aufrecht zu erhalten, auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Das Engagement solle Spaß machen und fit halten.

Der Verein Festung Grauer Ort hat über 130 Mitglieder. Doch die seien weit verstreut, sagt Ott. Um die imposante Anlage zu erhalten, seien Menschen aus Hamburg, Münster und Nordrhein-Westfalen Mitglied geworden. Für alltägliche Arbeiten stünden sie nicht zur Verfügung. Daher werde vor Ort nach Helfern gesucht.

Das neue Leben in der Festung lässt sich in mehrere Phasen einteilen. Zunächst ließ der über die Grenzen Kehdingens hinaus bekannte Unternehmer Helmut Wist das ungepflegte und heruntergekommene Festungsgelände urbar machen. Dann begannen die nächsten Schritte in der Sanierung. Dazu, so Ott, seien 2000 Tonnen Beton aus der Festung gekloppt worden. Denn die Festung, aus der übrigens nie ein Schuss abgegeben wurde, erlebte viele Umnutzungen und jede ging mit Umbaumaßnahmen einher, die sich heute als Bausünden darstellen. So wurde eine ausgefeilte Belüftungstechnik mit Beton zunichte gemacht, was heute noch für feuchte Wände sorgt.

Die Festung steuert auf ihr 25-jähriges Dienstjubiläum als Veranstaltungsort hin. Bis dahin soll noch Einiges passieren. Bauingenieur Uwe Schmidt ist derzeit dabei, Antragsunterlagen zusammen zu stellen, mit denen der Verein auf die Jagd nach Fördertöpfen gehen kann. Eine akribische Arbeit, die gemacht werden muss, um auf den verschiedenen Förderebenen bis hin zur Europäischen Union eine Chance zu haben. Das Ziel ist dabei klar umrissen: Die Substanz soll nachhaltig saniert werden und lange erhalten bleiben. Und zweitens. Dabei sollen so interessante Räume wie der Kaisersaal, der bis zu 188 Gäste beherbergen darf, gründlich aufgehübscht werden. Zum Hintergrund. Schon jetzt gibt es in Grauer Ort viele Hochzeiten und Geburtstagsfeiern. Da aber, so Ott, gebe es noch Luft nach oben. Und die müsse gefüllt werden.

Hans-Hermann Ott ist telefonisch unter 0 41 46/59 40 und 0 151/59 47 98 11 zu erreichen. www.grauerort.com

 

Kleine Geschichte der Festung Grauer Ort

26.06.2017