CDU-Fraktion pocht auf Hafenausbau-Planung

Die Windenergie verleiht dem Hafen Flügel: Der CDU-Arbeitskreis Häfen und Schifffahrt überzeugte sich in Stade davon. Foto Strüning


Von Lars Strüning

STADE. Der Seehafen in Bützfleth stößt an seine Kapazitätsgrenzen. Das ist an sich eine gute Nachricht. Doch Wirtschaft und Politik wollen mehr, sie drängen auf den lange geplanten Ausbau der Anlagen direkt an der Elbe in Bützfleth.

Zumindest sollten die Planungsunterlagen dafür fertig zusammengestellt werden. Diese Forderung, aber auch Kritik an N-Ports, die als Tochter des Landes Niedersachsen unter anderem den Stader Hafen betreibt, wurden laut während eines Besuchs des CDU-Arbeitskreises Häfen und Schifffahrt aus dem Landtag.

Stade hat eine Riesenchance, eine große Perspektive, nur wir müssen mal langsam anfangen“, sagt der hiesige CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried aus Drochtersen-Assel. Seit 2012 sei N-Ports mit den Ausbauplänen nicht vorangekommen. Die waren ohnehin schon von 40 auf 24 Hektar gestutzt worden. Seefrieds Vermutung: „Da fehlt der Ehrgeiz.“ Andere Projekte wie die Offshore-Basis in Cuxhaven oder der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven hätten Priorität genossen, jetzt sei Stade an der Reihe.

Seit Inbetriebnahme des Industriehafens lebt der Umschlag dort von der Dow und der AOS, die sowohl ihre Grundstoffe als auch ihre Produkte löschen und laden. Gut sechs Millionen Tonnen kommen jährlich zusammen.

2012 hat sich die Firma Buss aus dem Hamburger Hafen in Bützfleth angesiedelt und schlägt hier Massen- und schweres Stückgut um. Buss-Prokurist Peter Geest sieht seine Firma auf dem 3,5 Hektar großen Gelände an der Kapazitätsgrenze. „Wenn wir mehr machen wollten, muss erst der Hafen ausgebaut werden.“ Buss handelt mit Splitt und Düngemittel, lagert aber auch den ungeliebten Müll aus Irland zwischen, der per Binnenschiff weiter zur Verbrennung nach Magdeburg geschickt wird. Die 900-Kilo-Ballen seien foliert und verschlossen, sagt er, und würden im „ship-to-ship“-Verfahren gelöscht, gelagert und geladen. Den größten Raum nimmt derzeit die Versorgung der Windenergiebranche ein. 66 Meter lange Flügel werden von hier aus verschifft. Produziert werden sie nebenan bei Areva auf Bützflethersand. Gleiches gilt für die bis zu 100 Tonnen schweren Gussteile von Global Castings, die als Naben oder Rotorengehäuse Verwendung finden. Zuletzt wurde selbst das Roheisen hier gelöscht. Es brummt also im Stader Seehafen.

Die CDU überzeugte sich davon während eines ganztägigen Besuchs. Ihre Forderung ist klar: Das Planfeststellungsverfahren für den Hafenausbau muss wieder angeschoben werden. Eine entsprechende Anfrage an die Landesregierung soll folgen.

Unabdingbar für die Zukunft des Hafens seien der Anschluss an das Autobahnnetz über den fünften Bauabschnitt der A 26 zwischen Stade und Drochtersen, die A 20 mit Elbquerung und das Industriegleis mit direktem Anschluss im Hafen. Die Stadt Stade, die die Projektleitung dafür übernommen hat, werde vom Land in dieser Aufgabe allein gelassen, so Seefried. Ab Grenze zum Hafengebiet ist N-Ports und damit das Land zuständig. Wie sagte es Peter Geest treffend: „Ein Hafen ohne Gleis ist eigentlich kein richtiger Hafen.“

01.06.2017