Müllverbrennung: Professor spricht von Volksvergiftung

Professor Dr. Christian Jooß.


Von Wilfried Stief



STADE. Einen Vortrag mit Schockeffekten erlebten an die 100 Besucher des Informationsabends in Bützfleth, zu dem die Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie geladen hatte. Professor Christian Jooß nahm die Müllverbrennung aufs Korn.

Christian Jooß, bekennender Müllverbrennungsgegner, formulierte anschaulich und drastisch: „Müllverbrennung ist chronische Volksvergiftung mit verheerenden Folgen.“

Die Bützflether Bürgerinitiative (BI) steckt mitten im Kampf gegen die geplante Müllverbrennungsanlage auf Bützflether Sand, eineinhalb Kilometer vom Ortszentrum Bützfleth entfernt.

30 000 Euro muss die BI in den nächsten Wochen zusammenbekommen, um eine Klage auf den Weg und zu einem möglichen Erfolg bringen zu können. „Bislang haben wir 14 500 Euro aus der Ortschaft Bützfleth an Spenden einnehmen können“, zieht BI-Sprecher Dr. Jochen Witt Bilanz. Auch mit Nachbargemeinden ist Witt im Gespräch, aber sein Appell ist klar, denn die Klage ist noch nicht ausreichend finanziert.

Was auf die Menschen in der Umgebung einer Müllverbrennungsanlage zukommt – und das sind nicht nur die Bützflether – machte der Göttinger Professor Christian Jooß deutlich. Er erläuterte, dass bei der Verbrennung von Müll immer Ultragifte entstehen, die auch das beste Filtersystem nicht einfangen kann. Dass die geplante Anlage in Bützfleth da auch noch weit unter den modernen Standards liege und zum Beispiel nur einen Gewebefilter habe, sei ein Skandal, so Jooß.

Müll-Verbrennung – das Wort führe sowieso auf die falsche Fährte. Denn von einer Tonne Müll blieben nach der Verbrennung 400 Kilo Asche und Schlacke übrig, dazu 200 Liter Wasser, 5000 Kubikmeter giftige Gase, dazu Tausende von Chemikalien und Ultragiften. Die Rechnung des Professors: Es entsteht mehr Müll, nur in anderer Form.

Für Jooß sind Müllverbrennungsanlagen Giftschleudern, die gesetzlich verboten gehören. Doch das sei nicht durchsetzbar, da mit dem Verbrennen von Müll viel Geld verdient werden könne. „Alternativen sind da unerwünscht“, so Jooß. 101 Anlagen gebe es derzeit in Deutschland. Um sie befeuern zu können, werde auch Müll aus dem Ausland importiert. Bei der Anlage in Bützfleth, so wurde vermutet, werde auch Müll aus Südeuropa über den Seeweg hergeschifft.

Nach einem möglichen Hebel gefragt, wie die Müllverbrennungsanlage verhindert werden könne, sagte Jooß, es müsse öffentlicher Druck aufgebaut werden. Auch das Gewerbeaufsichtsamt, das für die Genehmigung solcher Anlagen zuständig ist, habe die Pflicht, die Menschen zu schützen und dafür den modernsten Standard zu verlangen. „Das ist hier nicht der Fall“, sagte Professor Jooß.

Die BI in Bützfleth erhält derzeit immer mehr Rückendeckung. Das zeigt das bis dato aufgelaufene Spendengeld, die sich wandelnde Stimmung im Ortsrat und die Solidarität der Nachbargemeinden. Auch die Stadt Stade geht gegen die Anlage auf dem Rechtsweg an. www.wgb-stade.de

19.05.2017