Ein Leben für die Feuerwehr


BÜTZFLETH. Theodor Dankert (89) sitzt im Sessel am Wohnzimmertisch. Seine Kinder, Enkel und Urenkel nehmen auf den Stühlen neben ihm Platz. Wenn er spricht, erfüllt Stille den Raum. Alle hören gebannt zu. Mit kraftvoller Stimme erzählt der ehemalige Orts- und Kreisbrandmeister von der freiwilligen Feuerwehr in der Ortschaft Bützfleth. Seit 75 Jahren gehört er der Organisation an und hat ihr diverse Chroniken gewidmet. Besonders freut ihn, dass seine Nachfahren ebenfalls bei den Brandschützern aktiv sind.

April 1942 erinnert sich Theodor Dankert noch genau. Er hat seinen ersten Arbeitstag in einer Kraftfahrzeugwerkstatt in Stade. Nach dem Dienst spricht ihn der kommissarische Bützflether Gemeindebrandmeister an. Damals ist die heutige Ortschaft noch eine eigenständige Kommune. Die Bitte ist eher eine Aufforderung: „Ich brauche einen großen Jungen, der freihändig Fahrrad fahren kann.“ Mit anderen jungen Männern heuert Theodor Dankert kurzerhand als Nachtwache an. Er patrouilliert mit dem Fahrrad durchs Dorf und kontrolliert, ob alle Häuser verdunkelt sind. Vor der Brust hält er eine Handsirene. Nur wenige Stunden Schlaf bleiben ihm in dieser Zeit, denn seinem Hauptberuf kommt er tagsüber weiterhin nach.

Als die Bützflether Feuerwehr 1943 eine Einheitstragkraftspritze erhält, übernimmt Theodor Dankert die Aufgabe des Maschinisten und kümmert sich um das Gerät. Mit gerade einmal 15 Jahren besucht er die entsprechenden Lehrgänge an der Brandschutzakademie in Celle. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges findet die Feuerwehr kaum Freiwillige. Die Männer wollen nicht wieder in Uniformen auftreten. Deshalb gründet er mit jungen Männern im Alter von 18 bis 21 Jahren in Bützfleth, Götzdorf und Bützflethermoor Nachwuchsgruppen. Zwei Mal in der Woche kommen die Mitglieder zum Übungsdienst zusammen. „Da war richtig Dampf hinter“, sagt Theodor Dankert, der erst als Gruppen- und später als Zugführer die Verantwortung für die Truppe trägt. Schnell macht sie sich bei Wettkämpfen einen Namen.

Ähnlich rasant verläuft die Feuerwehr-Karriere des Theodor Dankert: 1959 wird er Unterkreisbrandmeister, 1960 Gemeindebrandmeister. 1967 übernimmt er den Posten des Kreisbereitschaftsführers, wird kurz darauf stellvertretender Kreisbrandmeister und stellvertretender Stadtbrandmeister. Von 1973 bis 1978 führt er die Geschäfte des Kreisfeuerwehrverbands, ehe er von 1978 bis 1990 den Posten des Kreisbrandmeisters innehat und damit auch den Vorsitz des Kreisfeuerwehrverbandes. Er vertritt parallel dazu die Feuerwehren des Regierungsbezirks Stade im Technikausschuss des Landesfeuerwehrverbandes. 1990 scheidet er aus dem aktiven Dienst aus, wird Ehrenkreisbrandmeister, Ehrenstadtbrandmeister und Ehrenvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. „Ich hatte teilweise vier oder fünf Funktionen und ich habe nie Geld dafür bekommen“, sagt Theodor Dankert und es klingt, als wisse er heute selbst nicht mehr so genau, wie er die Aufgaben erfüllen konnte. „Ich habe den Willen zu helfen – und meine Ehefrau Ruth übernahm die Verantwortung zu Hause und zog die Kinder groß. Ich bin ihr sehr dankbar – ohne sie hätte ich meinen Weg nicht gehen können“, schiebt er hinterher.

Dass die Feuerwehr sein Leben prägt, wird deutlich, wenn er von seiner aktiven Zeit erzählt. Die Sturmfluten 1962 und 1976 zählen zu den spannendsten und zugleich schwierigsten Einsätzen, die er managt. Auch bei der Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide 1975 ist er an vorderster Front dabei. Fahrzeugbeschaffungen, Sprechfunktechnik – Theodor Dankert kämpft dafür, dass die Retter auf eine zeitgemäße Ausstattung bauen können. Ein pragmatischer Weg ist ihm wichtiger als bürokratische Vorgaben: „Der Landesbranddirektor hat geschimpft: „Ihr macht, was ihr wollt!“ Aber wir sind immer gut damit gefahren, dass wir uns so ausrüsten, wie wir es für nötig halten.“ Als „Stader Norm“ gilt dieser Ansatz bis heute.

Das Gemeinwesen liegt Theodor Dankert seit jeher am Herzen. Ob Männergesangverein, Turn- und Sportverein, Bürgerverein, Schützenverein oder Rotkreuz-Ortsverein: er bringt sich ein, lebt Kameradschaft vor. Zwischenzeitlich sitzt der Bützflether für die SPD im Ortsrat, engagiert sich als Schöffe und Sargträger. 2001 bekommt er für seine vielfältigen Aktivitäten das Bundesverdienstkreuz verliehen. Der Tod seines Vaters 1960 führt dazu, dass er die Schneiderei fortführt, dann arbeitet er als Schlauchpfleger in der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises und später als Kfz- und Betriebsschlosser. Was bei so viel Engagement manchmal zu kurz kommt, ist die Familie: „Ich habe allerhand bewegt. Von der Handdruckspritze bis zum Tanklöschfahrzeug. Aber ich war wenig zu Hause“, gesteht er.

Die Leidenschaft für die Feuerwehr hat Theodor Dankert seinen Kindern früh mit auf den Weg gegeben. „Zehn Leute aus meiner Sippschaft sind bei der Feuerwehr – darauf bin ich wirklich stolz“, sagt er. „Ich weiß, dass ich schon mit fünf auf einem Feuerwehrfahrzeug saß“, berichtet Sohn Rainer. Bereits im Alter von 15 Jahren absolviert er die Grundausbildung. Heute gehört er der Feuerwehr Hagen an, war zwischenzeitlich ABC-Beauftragter der Kreisfeuerwehr. Enkel Florian ist 1993 Gründungsmitglied der Jugendfeuerwehr und ist seit 2014 stellvertretender Ortsbrandmeister der Feuerwehr Hagen. Enkel Jonas ist Jugendfeuerwehrwart in Hagen.

Längst steht die nächste Generation in den Startlöchern: Celina (10) ist Mitglied der Jugendfeuerwehr Stade, Fenja (13) und Beeke (17) mischen bei der Jugendfeuerwehr in Glüsingen (Landkreis Harburg) mit.

Sein neues Buch widmet er der Bützflether Ortsfeuerwehr

BÜTZFLETH. Jüngst hat Theodor Dankert das Buch „Feuerwehr im Wandel der Zeiten“ herausgebracht, das sich der Geschichte der Feuerwehr Bützfleth und dem Brandschutz an der Niederelbe widmet.

Theodor Dankert nimmt seine Leser mit auf eine lehrreiche Reise durch die Welt der Brandschützer: Er erklärt, dass es sich bei dem Schutzheiligen Florian, der noch heute als Beschützer der Feuerwehrleute gilt, um einen römischen Legionärsführer und Befehlshaber der Feuerwehr-Kohorte handelt, der mit dem Christentum sympathisierte und deshalb im Rahmen der Christenverfolgung von Kaiser Diokletian im Jahr 304 nach Christus umgebracht wurde. Die katholische Kirche sprach ihn als Märtyrer heilig. Seine erste Handspritze ähnelte einem Dudelsack: „Es war ein Wassersack, den man sich unter den Arm klemmte, um durch Druck das Wasser herauszupressen“, schreibt Dankert.

Von der Einführung der Feuerwehr in London Anfang des 13. Jahrhunderts über die Produktion gummierter Hanfschläuche in Hannover um 1850 bis zur Entwicklung der Dampfspritze um 1900 reicht der Überblick. Er zeigt Gründungsstatuten der Bützflether Wehr vom 14. Dezember 1877, Mitgliedsurkunden und Beförderungszeugnisse als Faksimile; dazu Protokolle und Fotos spektakulärer Einsätze.

Das Buch „Feuerwehr im Wandel der Zeiten“ ist in der Bützflether Sparkassenfiliale sowie bei der Feuerwehr Bützfleth zum Preis von sieben Euro erhältlich.

27.04.2017