In Bützfleth formiert sich der Protest

Bürger und Mitglieder der Bürgerinitiative für eine verträgliche Industrie hängt in Bützfleth Banner auf, mit denen sie Mitbürger zum Kampf gegen die Müllverbrennungsanlage aufruft. Foto: Stief


Von Lars Strüning


STADE. Die Bützflether Bürgerinitiative verstärkt ihren Widerstand gegen die geplante Müllverbrennungsanlage. Sie hat Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Jetzt werden im Ort Karten verteilt und Banner aufgehängt, um die Bevölkerung wach zu rütteln.

Zur Erinnerung: Eine Erbengemeinschaft will den angefangenen Bau einer Ersatzbrennstoffanlage im Industriegebiet an der Elbe vollenden. Pro Jahr sollen hier nach Fertigstellung mehr als 200 000 Tonnen Müll verbrannt und so Strom erzeugt werden, der ausschließlich ins öffentliche Netz eingespeist werden soll. Gegen dieses Vorhaben wehrt sich die Stadt planungsrechtlich. Sie hatte einst nur zugestimmt, so argumentiert sie heute, weil die Verbrennung als Kraft-Wärme-Kopplung in Verbindung mit einer Bioethanol-Anlage geplant war, also 50 Prozent der erzeugten Energie auch im Industriegebiet verbraucht werden sollte. Die Bioethanol-Anlage wurde nie gebaut. Die Pläne lagen auf Eis und werden jetzt reaktiviert.

Stadt und die Bürgerinitiative (BI) aus Bützfleth sagen, dass es sich um eine völlig neue Anlage handele, die einer neuen Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden müsste. Das Gewerbeaufsichtsamt wischte die Bedenken der Stadt vom Tisch und gab den Investoren grünes Licht. Dagegen legten wiederum Stadt und BI Widerspruch ein, über die noch nicht entschieden wurden. Sollten sie abgewiesen werden, müsste geklagt werden, das könnte ein kostspieliges Unterfangen werden.

Die Stadt müsste sich einen entsprechenden Beschluss vom Rat holen, die BI sammelt bereits Spendengelder mit Hilfe des BUND. „Unterstützt den Kampf gegen die MVA und sinnlose Umweltverschmutzung,“ heißt es auf der Internet-Seite der Initiative. Die Müllverbrennungsanlage lasse sich nur noch juristisch verhindern.

BI-Sprecher Dr. Jochen Witt ist froh, dass sich fünf betroffene Privatpersonen aus dem direkten Umfeld des Industriegebiets für den Klageweg entschieden haben, darunter sind Obstbauern und auch die Vermarkter-Organisation Elbe Obst. Sie alle sorgen sich um gesundheitliche Belastungen durch die Schadstoffe, die aus dem 100 Meter hohen Schornstein der MVA in die Umwelt geblasen werden könnten. Lunge und Darm würden belastet. Auf dem Gras der Weiden würden die Schadstoffe landen, die vom Vieh aufgenommen werden würden. Auf den Schalen der Äpfel reicherten sich die Schadstoffe an. Der Tourismus würde leiden. Die Immobilien würden an Wert verlieren.

Bützfleth habe es durch die Industrie mit erheblichen Vorbelastungen zu tun, die von der Behörde nicht berücksichtigt worden seien. Die BI spricht von einer Schadstoffschleuder, die 800 Meter vom Ortskern mit Schule und Kita entfernt steht. Im Vergleich zur ursprünglich geplanten Anlage, hätten die Investoren abgespeckt, lautet ein Vorwurf von Jochen Witt. Es handele sich jetzt, um „eine deutlich schlichtere Technik“. So sollten einst zwei Gewebefilter eingebaut werden, jetzt ist nur noch einer geplant. Witt verweist auf die Technik in der MVA am Rugenberger Damm am Hamburger Köhlbrand, wo der Hausmüll aus dem Landkreis Stade derzeit thermisch verwertet wird. Dort sei die Prozedur deutlich aufwendiger. Witts Vermutung: „Bei der Bützflether MVA geht es nur darum, Geld zu machen auf Kosten unserer Gesundheit.“

Um den Protest gegen die Pläne auf eine breite Basis zu stellen, geht die BI jetzt in die Offensive. Im Ort wurden Banner aufgehängt, an die Bevölkerung werden Karten verteilt. „Wir wollen aufklären“, denn noch zeigten sich viele uninformiert. Außerdem werden Spender gesucht. Auf 30 000 Euro schätzt Witt die Summe, die die BI für eine Klage benötigt. Das ist sportlich. Witt verweist auf seine kleine, aber aktive Gruppe: „Wir schaffen das.“

05.04.2017