Stades Seehafen sucht Anschluss

Hafenrundfahrt (von links): Oliver Grundmann, Marcus Schlichting, Thomas Friedrichs, Kai Seefried, Arnold Vaatz und Christoph Born leuchteten die Perspektiven für den Stader Industriehafen aus. Im Hintergrund liegen die „Stolt Osprey“ (Dow) und die „Rysy“ (AOS). Foto: Strüning


STADE. Im Industriehafen in Bützfleth werden Jahr für Jahr sechs Millionen Tonnen umgeschlagen, was vor allem an den Unternehmen Dow und AOS liegt. Die Stader hoffen auf ein Flüssiggas-Terminal, doch erst einmal müssen die Betriebe im Bützflether Industriegebiet anständig ans Internet angebunden werden.

Marcus Schlichting, Chef der Firma Elbclearing und Vorsitzender des Vereins Seehafen Stade, kennt das Problem aus seinem beruflichen Alltag: „Wenn es regnet, knackt es beim Telefonieren in der Leitung.“ Die sind noch aus Kupfer und liegen seit 50 Jahren in der Erde. Schlichting und Co. verzweifeln regelmäßig an der stark beschränkten Übertragungsgeschwindigkeit der veralteten Leitungen, wenn zum Beispiel online Formulare ausgefüllt werden müssen. Thomas Friedrichs, Wirtschaftsförderer der Stadt, formulierte es bildhaft: „Du sitzt am Wasser und kannst nicht surfen.“

Das muss sich ändern, da sind sich alle Akteure einig. Um diesem Wunsch Nachdruck zu verleihen, hat Stades Bundestagsabgeordneter Oliver Grundmann (CDU) seinen Kollegen Arnold Vaatz zu einem Trip an die Elbe eingeladen. Vaatz ist Fraktionsvize der CDU/CSU in Berlin und zuständig für die Themen Verkehr und Digitalisierung. An Bord des Schleppers „Bützfleth“ waren noch Landtagsabgeordneter Kai Seefried und Stadtwerke-Chef Christoph Born. Sie alle basteln an der digitalen Zukunft des Hafens.

Die Stadt bereitet derzeit zwei Anträge auf Bezuschussung fürs Land und für den Bund vor. 1,7 Kilometer lang muss das neue, leistungsstarke Glasfaserkabel sein, das den Hafen anbindet. Mit Kosten von einer Million Euro wird gerechnet. Das ist für Anbieter wie Vodafone, EweTel oder Telekom nicht wirtschaftlich, und die kleinen Unternehmen im Hafen können die Summe nicht alleine stemmen. Die öffentliche Hand springt ein.

Die Landesförderung läuft über den Efre-Topf aus EU-Mitteln. Sie finanziert Hochgeschwindigkeitsbreitbandnetze in Gewerbe- und Industriegebieten. Dabei mussten die Stader Überzeugungsarbeit leisten, dass auch ein Hafen dazugehört. Ab Mai ist das so. Dazu gesellt sich das „Sonderprogramm Gewerbegebiete“ des Bundes im Zuge des Breitbandausbaus. Eine Million Euro schüttet der Bund maximal pro Antrag aus, die Firmen sind mit jeweils 2000 Euro dabei. Parallel arbeitet auch der Landkreis Stade für seine Kommunen daran, die weißen Flecken bei der Versorgung mit schnellem Internet auszuradieren.

Pläne für den Brennstoff der Zukunft

Die Investition mutet klein an angesichts der großen Pläne, an denen die Stader Hafenwirtschaft hinter den Kulissen arbeitet. Sie will alte Pläne für einen Energiehafen neu auflegen. Nicht mehr Kohle für ein Großkraftwerk soll dort umgeschlagen werden, sondern Flüssiggas, das in der Schifffahrt unter dem Kürzel LNG bekannt ist, Liquefied Natural Gas. Es handelt sich um Erdgas, das bei Temperaturen von gut minus 160 Grad verflüssigt wird und dessen Volumen dadurch stark reduziert wird. Es gilt als der Brennstoff der Zukunft in der Schifffahrt. Schon heute stöhnen Hafenstädte – auch Hamburg – über Ruß und Schwefel, das die großen Pötte aus dem Schornstein blasen. Sie fahren noch mit Schweröl und verpesten damit die Umwelt. Das wird, so die Einschätzung der Experten, nicht mehr lange gutgehen.

In Zukunft würden die Schiffe also LPG bunkern, während sie im Hamburger Hafen ihre Ladung löschen. Das Gas, so die Idee, kommt per Schiff aus Stade zu ihnen. Stades Vorteil: Pläne für die entsprechende Hafenanlage sind vorhanden, müssten nur aufgefrischt werden. Der ganz große Vorteil: Durch die unmittelbare Nähe zur Dow wäre der Anleger quasi bereits ans Gasnetz angeschlossen. Konkurrent Brunsbüttel, der sich bereits als LPG-Zentrale rühmt, sei 100 Kilometer vom Gasnetz entfernt.

Der Kampf ums LPG-Terminal hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund. Allein um die Hafenanlagen zu schaffen, wird mit Baukosten von 80 Millionen Euro gerechnet. Insgesamt würden mindestens 400 Millionen Euro fließen, für eine große Lösung kursiert sogar die Summe von einer Milliarde Euro. Für den Stader Hafen wäre das ein Quantensprung. Entsprechend drängen die Stader den Hafenbetreiber N-Ports, eine Tochter des Landes Niedersachsen, die alten Pläne neu aufzulegen.

17.03.2017