Obstmarschenweg: Anwohner und Politiker sind sauer

Während die Landesstraße 111, besser bekannt als Obstmarschenweg , gesperrt ist, nutzen einige Autofahrer die umliegenden Anwohnerstraßen als Schleichwege. Das sorgt für Ärger im Dorf. Foto Beneke


Von Daniel Beneke


STADE. Die etappenweise Sanierung der Landesstraße 111 in Bützfleth sorgt für Unmut in der Dorfbevölkerung. Viele Bürger beschweren sich über den zunehmenden Verkehr entlang der Wohnstraßen, die als Ausweichstrecken genutzt werden.

Das machte die Diskussion während einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt mit dem Ortsrat deutlich. Dabei schlugen die Mandatsträger einen harten Ton gegenüber der Verwaltung an.

Täglich rollen bis zu 12 000 Fahrzeuge durch die Ortschaft Bützfleth. In zwei Abschnitten wird die Landesstraße 111 (Obstmarschenweg) erneuert. Die Straße wird auf eine Breite von 6,50 Meter verkleinert, damit rechts und links Platz ist für neue, 2,50 Meter breite Fuß- und Radwege. Kreisverkehre sollen die Hauptkreuzungen entlasten, Parkbuchten werden zugunsten der Ortskerngestaltung verlegt. Im Untergrund werden Regen- und Schmutzwasserkanäle erneuert. Die Abwasserentsorgung hat dafür 2,8 Millionen Euro veranschlagt. Vergangenes Jahr waren die Arbeiten im Norden des Dorfes gestartet, im März wird nach den Worten von Stadtbaurat Lars Kolk der südliche Teil in Angriff genommen. Ziel ist es, bis zum Jahresende fertig zu werden. Insgesamt fünf Millionen Euro sind für das Projekt vorgesehen.

Elsternstraße führt zu Kontroversen

Während sich Anwohner und Politiker zufrieden über den Verlauf und die bisherigen Ergebnisse des Baus äußerten, führte die Situation an der zum Schleichweg gewordenen Elsternstraße zu Kontroversen. Wie weit die Eindrücke der Bürger und die Angaben der Verwaltung auseinandergehen, monierten Sozialdemokrat Thomas Waskow und Freidemokrat Wolfgang Ehlers. Die Elsternstraße werde besonders im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr ungewohnt stark frequentiert, erklärten sie.

Es kam, wie es die Bewohner vorhergesagt hatten“, pflichtete ihm Christdemokrat Hartmut Borchers bei. Den voriges Jahr im Ortsrat diskutierten Vorschlag, die Elsternstraße nur für den Anliegerverkehr freizugeben, habe die Verwaltung abgelehnt, kritisiert er. Eine Option sei nun, eine Sackgasse einzurichten. Für diesen Fall müssten aber Hindernisse gewählt werden, „die nicht zu überwinden sind – sonst bringt das alles nichts“, merkte Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU) an.

Waskow ging noch weiter: Im Namen der SPD-Fraktion im Ortsrat forderte er die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereiches. Dann wäre Schrittgeschwindigkeit (fünf bis sieben Stundenkilometer) vorgeschrieben. Schweller sollten in die Fahrbahn gelassen und Blumenkübel gesetzt werden. Das führe dazu, dass die Elsternstraße als Umweg nicht mehr attraktiv sei. Ob eine Sackgassenregelung rechtlich machbar ist, wollte Kolk während der Sitzung nicht beantworten. Einer verkehrsberuhigten Zone stehe er ebenfalls „sehr kritisch“ gegenüber. Ob die Geschwindigkeitsbegrenzung dort eingehalten werde, sei fraglich.

"Die Verwaltung nimmt das Problem nicht ernst"

Auch die als Einbahnstraße ausgewiesene Zufahrt eines Parkplatzes werde während der Rotphasen der Baustellenampel widerrechtlich als Abkürzung genutzt – mitunter sogar entgegen der Fahrtrichtung, klagten Waskow und Ehlers. In der Verwaltungsvorlage hieß es allerdings, bei Ortsbegehungen seien keine Verstöße aufgefallen. Ohnehin laufe gerade eine Verkehrszählung, deren Ergebnisse in der kommenden Woche mit Vertretern der Polizei beraten werden sollen, berichtete Kolk. Diese Information, die den Unterlagen nicht zu entnehmen war, brachte die Politiker auf die Palme: Die Sitzung sei unlogisch terminiert, ohne die aktuellen Daten sei eine Diskussion sinnlos. „Die Verwaltung nimmt das Problem nicht ernst“, kritisierte Ehlers. „Das stört mich massiv. So können wir nicht zusammenarbeiten.“

Außerdem sei die Baustellenampel zum Zeitpunkt der Messung nicht durchgehend eingeschaltet, die L 111 also passierbar. Das stelle die Aussagekraft der Zahlen infrage. Der Protest der Anwohner werde „ad absurdum geführt“, sagte Christdemokratin Kristiana Kilian-Klinge. Sie wünschte sich ein transparenteres Vorgehen. Kolk wies die Vorwürfe zurück: „Das ist mitnichten eine Willkür der Verwaltung.“ Die gemeinsame Sitzung von Fachausschuss und Ortsrat sei bewusst vor das Treffen des Verwaltungsausschusses am Montag gelegt worden, weil das Gremium über die Ausschreibungen für den zweiten Bauabschnitt des Obstmarschenweges entscheiden soll.

Am Ende stimmten der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt sowie der Ortsrat den Plänen für den zweiten Bauabschnitt einstimmig zu, forderten aber ebenso geschlossen, die Elsternstraße für die Dauer der Arbeiten in eine Sackgasse umzuwandeln. Sollte dies rechtlich nicht möglich sein, wird die Verwaltung beauftragt, die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone zu prüfen.

21.01.2017