AOS kämpft mit Weltmarkt-Preisen

Auch ein normales Jahr kann ein gutes Jahr sein, finden die beiden AOS-Geschäftsführer Volker Richter (links) und Eberhard Guhl. Foto Strüning


BÜTZFLETH. Es gibt Jahre, da sind keine besonderen Vorkommnisse eine gute Nachricht. Die Aluminium Oxid Stade (AOS) scheint so ein Jahr erwischt zu haben.

Normales Geschäft“, also „business as usual“, umschreibt der kaufmännische Geschäftsführer Volker Richter die aktuelle Lage, die vor allem 2015 von einem starken Preisverfall bei den AOS-Produkten geprägt war.

Zum Teil bis zu 40 Prozent gingen die Erlöse in die Knie, kennzeichnet der technische Geschäftsführer Eberhard Guhl die Lage. Der Preis habe sich erholt, ohne den alten Stand wieder erreicht zu haben. AOS steuerte dagegen. Investitionen, die nicht unbedingt notwendig waren, wurden verschoben, jeder Bereichsleiter war angehalten, besonders sparsam zu wirtschaften, die Kantine wurde ausgelagert. Als Grund machen die AOS-Manager die Überproduktion in China verantwortlich, das 50 Prozent des Weltmarktes beherrscht und unkontrolliert den Ausstoß erhöht habe.

Einig sind sich die beiden Geschäftsführer mit ihrem Gesellschafter Victor Dahdaleh, dem die AOS über seinen Konzern Dadco gehört, dass die Produktion sichergestellt und das Personal möglichst unangetastet bleibt. So gibt es für die 550 Mitarbeiter die gute Nachricht, dass das Werk auf Bützflethersand direkt an der Elbe unter Volllast fährt. 1,1 Millionen Tonnen Aluminiumoxid und -hydroxid wurden 2015 hergestellt. Ein Teil davon geht direkt in die Hütten zur Aluminiumgewinnung, der andere in die Chemie-Industrie zur Weiterverarbeitung. Es findet sich später als Phosphat-Ersatz in Waschmitteln, in Glas oder Keramik wieder.

Grundstoff der Produktion ist das Mineralgemisch Bauxit, das wie rotes Geröll aussieht und das die AOS aus Guinea (Afrika) bezieht. Elf Tage sind die Schiffe mit einer Kapazität von 65 000 Tonnen unterwegs, ehe sie am Seehafen Bützfleth ihre Ladung löschen. Das dauert bis zu vier Tage. Etwa 2,5 Millionen Tonnen benötigt die AOS jährlich. Die fertigen Produkte werden per Lkw, Bahn aber vor allem mit Schiffen zu Kunden weltweit transportiert. Binnenschiffe sind dann verstärkt im Einsatz, so dass die AOS pro Jahr auf 600 Schiffsbewegungen kommt. Als Nebenprodukt fallen 700 000 Tonnen Rotschlamm an, die zur Deponie gepumpt werden.

Um den Wunsch der Kunden nach mehr getrockneter Ware zu erfüllen, wird derzeit eine neue große Filteranlage gebaut, die wie ein großer Teller aussieht. Zwei Millionen Euro fließen in dieses Projekt. Sie soll im Juni betriebsbereit sein.

Bei aller Technik sei die Belegschaft der größte Trumpf bei AOS, davon sind die Geschäftsführer überzeugt. „Das Ganze hier geht nur mit der Belegschaft“, sagt Richter mit Blick auf das verordnete Sparprogramm. Er ist erst gut vier Jahre im Betrieb und damit ein Exot. Richter: „AOSler haben eine große Beständigkeit.“ Guhl bestätigt das: „Wir haben kaum Fluktuation.“

Als 2013 das 40-jährige Bestehen der Oxid-Produktion in Bützfleth gefeiert wurde, gab es viele Mitarbeiter-Jubiläen zu begehen. Sie waren von Stunde Null an dabei. Häufig arbeiteten ganze Familien für die AOS. Dass Vater und Sohn den gleichen Arbeitgeber haben, ist hier keine Seltenheit. Das Einzugsgebiet der Belegschaft ist der eher ländliche Raum in Kehdingen und links und rechts der Oste.

18.05.2016