Mopar-Spring-Fling: Ami-Schlitten erobern die Festung Grauerort

Aufgereiht, kraftstrotzend und bunt wie ein Regenbogen: Einige Mopar in der Festung Grauerort. Fotos von Borstel


ABBENFLETH. Zum dritten Mal blubberten hochgezüchtete V8-Motoren mit locker mal 300 Pferdestärken in der Festung Grauerort. Beim Mopar-Spring-Fling haben ausschließlich Schlitten der Marken Chrysler, Dodge, Plymouth und DeSoto Zutritt, die vor 1979 vom Band liefen.

Bei der dritten Ausgabe des Mopar-Spring-Fling nahmen am Sonnabend 200 lautstarke und teils farbenprächtige US-Oldtimer Kurs auf die Festung Grauerort in Abbenfleth. Zu den Mopar (Kurzform für Motorparts, also Motorenteile) zählen Chrysler, Dodge, Plymouth und DeSoto. Die Gemeinsamkeit: Aufgrund ihrer ähnlichen Bauweise sind die meisten aller Teile modell- und markenübergreifend austauschbar. Die klare Grenzziehung erfreut die Puristen, ärgert aber so manchen Touristen. Denn: Außerhalb der historischen Gemäuer wäre noch das ein oder andere motorisierte Schmuckstück anderer Fabrikate zu bestaunen gewesen, das leider nur nicht dem Kriterienkatalog entspricht.

Beim inzwischen jährlichen Ereignis trifft sich immer im Frühjahr eine Gemeinschaft, die durchaus mit Klischees zu kokettieren weiß. Die vornehmlich biertrinkenden Männern gelen sich die Haartollen zurück. Die Frauen wissen in ihren schwarz-weißen Pünktchenkleidern ihre Reize in Szene zu setzen. Und: Eine Nähe zur sogenannten Rockabilly-Szene der 1950er Jahre ist nicht von der Hand zu weisen.

Die meisten der Teilnehmer sind Stammgäste auf den Mopar-Zusammenkünften im Großraum Hamburg. Zwischen ihnen wird gefachsimpelt und bisweilen offen kritisiert. Zum Beispiel in Sachen Restaurationszustand klaffen die Ansichten auseinander. Der Großteil favorisiert aufwendig aufpolierte Fahrzeuge, die dem Urzustand möglichst nahekommen. Eine immer größer werdende Gruppe steht dagegen auf Gebrauchsspuren an den Autos. „Scheunenfund“ wird dieser Zustand im Fachjargon genannt.

Unser großes Glück ist in diesem Jahr das beständige Wetter“, sagte der Veranstalter Marcus Hölting aus Stade, der sich über 200 Teilnehmer hauptsächlich aus dem norddeutschen Raum sowie einen neuen Besucherrekord freute. Alles in allem sei das Organisatorenteam mehr als zufrieden. Der in den vergangenen Jahren stetig wachsende Zuschauerstrom kommt nicht von ungefähr: US-Boliden vieler Hersteller erfreuen sich dieser Tage in Deutschland steigender Beliebtheit. Hölting: „Das Interesse an Oldtimern wird immer größer.“

Die Crux daran: Gleichzeitig entdecken Investoren beidseitig des Atlantiks die historischen Fahrzeuge als eine relativ sichere Geldanlage. Das erleichtere zwar den Import aus den USA, treibe jedoch gleichzeitig die Preise in die Höhe, so Hölting. So seien die vor dem Jahr 1979 produzierten Modelle aus dem Hause Chrysler für einige Enthusiasten der Szene kaum erschwingbar.

Apropos teuer: Als absoluter Publikumsliebling kristallisierte sich ein sogenannter Plymouth Roadrunner Superbird mit 7,2 Litern Hubraum und 431 PS heraus, der im Jahr 1970 für Rundkursrennen konstruiert wurde. Der quietschorangene Sportwagen mit opulentem Spoiler und einer Auflage von nur 1935 Stück steht zum Verkauf. Kostenpunkt: 189 000 Euro.

09.05.2016