Peter Schneidereit ist ein Mann wie eine Festung

Peter Schneidereit (69), seit Februar offiziell im Ruhestand, ist aus dem dörflichen Miteinander in Bützfleth kaum wegzudenken. Foto von Borstel


Der Bützflether ist gelernter Maurer, Banker und Jurist. Sein reetdachgedecktes Haus am Abbenflether Elbdeich sieht aus wie aus dem Bilderbuch. An ihm lassen sich zwei Talente des frischgebackenen Ruheständlers erahnen: Handwerk und Finanzen.

Was kaum einer weiß: Ganz offiziell ist Peter Schneidereit erst seit Anfang des Jahres im Ruhestand. Der Bützflether hat mit seinen bekannten Ehrenämtern aktuell aber noch immer so viel auf dem Zettel, als wäre er vollzeitbeschäftigt. In einem davon widmet er sich dem Wohlergehen der Festung Grauerort. Was die Eventplanung angeht, hat Schneidereit dort sozusagen Narrenfreiheit.

Denn: Wann immer Großereignisse im Fort ins Haus stehen, ist er schon Wochen vorab mit Kalkulationen und Genehmigungen beschäftigt. Wenn es soweit ist, steht er im Festungscafé und verkauft Kaffee, Butterkuchen und Bierchen an Steampunks, Geocacher und Normalos. Doch die Festung ist ein Sorgenkind: „Wir brauchen einen Masterplan für die Ganzjahresnutzung“, meint Schneidereit. Seiner Meinung nach behandelt die Politik das Denkmal aber stiefmütterlich. Lediglich 4600 Euro überweise die Stadt Stade pro Jahr für dessen Erhalt. Viel zu wenig. Ein Konzept mit Fördermitteln aus der EU müsste her, wie er findet.

Das Problem: Derzeit kümmert sich eine Handvoll Ehrenamtlicher um die historischen Gemäuer. Seit der Gründung des Fördervereins 1995 ist die Zahl der Aktiven rückläufig. Die Festung ist in einem schlechten Zustand. Um dem Verfall entgegenzuwirken, muss Geld her. Einzige Möglichkeit: Veranstaltungen ausrichten, die wiederum die Bausubstanz gefährden. Schneidereit: „Manchmal fragt man sich schon, ob sich das Ehrenamt wirklich lohnt.“

Sein Büro mit hochherrschaftlichem Schreibtisch ist die Schaltzentrale und mit einem Kachelofen in der Farbe Aquamarin an Gemütlichkeit kaum zu überbieten. Schneidereit verbringt dort viel Zeit, auch zuletzt als selbstständiger Versicherungsmakler. Das Gewerbe hat er im Februar endgültig an den Nagel gehängt.

Als Gewerbevereinsvorsitzender hat er die Bützflether Kaufmannschaft seit sieben Jahren gut im Blick. Der Verein beteiligt sich an verkaufsoffenen Sonntagen, am Weihnachtsmarkt und einem offenen Stammtisch. Einmal im Jahr wird ein Spendentopf ausgeschüttet, der einem der Vereine zugutekommt. „Die dörfliche Entwicklung ist sehr positiv“, findet er. Doch die Ortskernsanierung und eine Belebung des Einzelhandels sehnt er herbei. Schneidereit: „Mittelfristig wird das ein oder andere fehlen.“ Er spricht bedächtig. Das Problem sei die Generationennachfolge, wie fast überall auf dem Land.

Kinder haben die Schneidereits nicht. Viele Jahre kümmerten sie sich um Hannelores Bruder mit Downsyndrom. Er war der Grund, aus dem Peter Schneidereit nach dem Jurastudium in die Behindertenarbeit ging und schließlich die gemeinnützige Börne in Stade von null an mit aufbaute. Ein Jahrzehnt lang lebte das Ehepaar in der ehemaligen DDR. Peter Schneidereit leitete dort eine Behindertenhilfe mit 120 Mitarbeitern. Seitdem hat er sich bereits in diversen ehrenamtlichen Gremien für die Belange von Behinderten starkgemacht.

In der Freizeit liest der Ruheständler gerne Zeitung. „Die Zeit“ beispielsweise – vom ersten bis zum letzten Buchstaben. Schneidereit ist auch selbst Zeitungsmacher. Beim Bützflether Handballblatt ist er so etwas wie der Chefredakteur und berichtet aus dem dörflichen Miteinander. Seine Motivation? „In Deutsch hatte ich auf dem Abendgymnasium immer eine eins – über alles andere spreche ich aber nicht“, sagt er und schmunzelt. „Themen gibt es hier in Bützfleth ja mehr als genug“, ergänzt Schneidereit.

Peter ist ein wahnsinnig interessierter Mensch“, sagt seine Ehefrau, während sie den Kaffee im Arbeitszimmer serviert. Im Hintergrund läuft Musik, kaum hörbar leise. Die Klassik tue ihm gut, sagt der 69-Jährige, zur Entspannung. Seine Favoriten sind Mozart und Beethoven. Um den Kopf freizubekommen, schwingt Schneidereit den Golfschläger. Einmal pro Woche trifft er Bekannte auf dem Grün, um 18 Löcher entlang der elf Kilometer zu spielen. Sein Handicap ist 36.

26.04.2016