In der Festung Grauerort waren die Geocacher los

Aus Salzburg, Oberbayern, dem Münsterland und Pinneberg: Diese Geocacher-Truppe trifft sich regelmäßig bei Veranstaltungen in Europa.



STADE. Am Wochenende waren in und um die historische Festung Grauerort in Abbenfleth herum scharenweise Menschen mit Allwetterjacken, Wanderschuhen und GPS-Geräten zu beobachten. Der Grund: ein sogenanntes Mega-Event der Geocacher.

Ein Bild, das es nicht alle Tage gibt: Am Wochenende waren in und um die historische Festung Grauerort in Abbenfleth herum scharenweise Menschen ausgerüstet mit Allwetterjacken, Wanderschuhen und GPS-Geräten zu beobachten. Der Grund: ein sogenanntes Mega-Event der Geocacher mit dem Titel „Zu Gast in Lady Sotheby’s Elbschloss“. 1600 Besucher aus dem Landkreis, aus Norddeutschland, der Republik und sogar aus Europa waren dem Ruf gefolgt.

Bei der modernen Form der Schnitzeljagd galt es am Sonnabend und Sonntag acht sogenannte Caches mit unterschiedlichen Schwierigkeitswertungen nahe der historischen Anlage zu sammeln. Mithilfe von Koordinaten und bewaffnet mit Smartphones oder GPS-Empfängern mussten Besucher die Verstecke aufspüren, und konnten sich mit der Eintragung in eines der versteckten Logbücher belohnen.

Wie sehen solche Verstecke aus? Bei einem Cache zum Beispiel galt es, durch ein Rätsel eine Zahlenabfolge für ein Schloss herauszufinden. Im Anschluss musste auf einen Hügel zu einem Vogelhaus gekraxelt werden. Die Wertung der einzelnen Prüfungen richtet sich nach zwei Kriterien: erstens nach der Schwierigkeit, also der geistigen Herausforderung; zweitens nach dem Terrain, also wie unwegsam die Route zu dem Behältnis ist. Im Falle des Vogelhauses gab es zwei von fünf Schwierigkeits- und dreieinhalb Terrainpunkte einzuheimsen.

Ich schätze, je ein Drittel der Besucher kommen hier aus dem Großraum Hamburg, aus Deutschland und aus Europa“, sagte der Mitorganisator Gerhard Marks. Der „neue Breitensport“, so der Veranstalter, ziehe sich inzwischen durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Viele Familien nähmen daran teil. Marks betonte aber, dass sich ein Event dieser Größenordnung – wegen der Komplexität – allen voran an erfahrene Geocacher richte.

Diesen Eindruck konnte auch gewinnen, wer am Sonnabend den Wohnmobilstellplatz inmitten der Festung aufsuchte. Dort waren Flaggen aus etlichen Ländern Europas gehisst, die Menschen saßen in gemütlicher Runde in ihren Campingstühlen bei einem Bierchen zusammen. Die Szene ist noch überschaubar, sie kennt und trifft sich mehrmals im Jahr bei allen Großveranstaltungen auf dem Kontinent.

Abseits der GPS-Schnitzeljagd hatte das Organisatorenteam ein ausgiebiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Dazu gehörten eine Musikbühne, zahlreiche Shops mit Geocaching-Ausrüstung, Hubschrauberrundflüge über und Führungen durch die Festung Grauerort. Workshops rund um den Themenkomplex Geschicklichkeit – beispielsweise zum Schlösserknacken – waren zumeist schnell ausgebucht.

Auch in der Stadt Stade gab es an einigen Standorten Caches zu sammeln, unter anderem hoch oben im Kirchturm zu St. Cosmae. Dass fast alle Hotels in der Stadt am Wochenende ausgebucht waren, spreche für die Resonanz, so Marks. Die regionale Touristik sei auf den Trend aufmerksam geworden. Nach aktuellem Stand wird es für das Event im nächsten Jahr eine Neuauflage geben. „Es ist zwar ein Monsterstress für uns, aber auch ein Riesenerfolg “, resümierte Marks.

18.04.2016