Eine Stadt – zwei Großbaustellen


An der scharfen Kurve mitten in Bützfleth entsteht ein großzügiger Kreisel mit einem Durchmesser von 30 Metern. Ein Haus ist bereits abgerissen, das rechts oben folgt noch. Fotos Strüning


STADE. Autofahrer müssen auf den Strecken zwischen Stade und Kehdingen in diesem und nächstem Jahr mit großen Behinderungen rechnen. In Bützfleth und in Schölisch wird gebaut – ab Sommer an beiden Stellen gleichzeitig.

Ende des Monats starten die Bauarbeiten am Obstmarschenweg in Bützfleth. Verkehrsbehinderungen durch die Ampel sind vorprogrammiert. Gleiches gilt für die Schölischer Straße, wo ab Sommer die völlig marode Fahrbahn erneuert wird. Das heißt: Die Verbindungen zwischen Stade und dem Kehdinger Land werden zum Nadelöhr.

Nach und nach arbeitet die Stadt Stade ihre Projekte ab: der Bau der Kreisel an der Harburger Straße und am Güterbahnhof gehören ebenso dazu wie die laufende Maßnahme entlang der Hansestraße und der Salztorscontrescarpe. Die soll Ende April abgeschlossen sein, dann kann der Verkehr wieder frei über den Altstadtring fließen. Die Verzögerungen hier führt Gerd Allers vom Tiefbauamt der Stadt auf den schwierigen Kanalbau zurück, der bis zu einer Tiefe von 4,40 Meter betrieben werden musste. Regen habe die Arbeiten behindert und häufig die Baustelle geflutet. Außerdem musste Rücksicht auf alte Stadtmauern, Leitungen, Kabel und den fließenden Verkehr genommen werden.

Der Obstmarschenweg in Bützfleth. Arbeiten unter laufendem Betrieb stehen auch hier an. Ende des Monats nehmen sich Bauarbeiter dem ersten Teilstück des Obstmarschenweges zwischen der Schule und der Bäckerei Holst an. Hier wird die Fahrbahn der Straße von 7,80 auf 6,50 Meter verengt. Dafür können die jeweils mit rotem Stein abgesetzten Rad- und Gehwege auf beiden Seiten auf 2,50 Meter verbreitert werden. Täglich rollen 12 000 Fahrzeuge durch Bützfleth.

Der Verkehr wird einspurig an der Baustelle vorbeigeleitet und je nach Bau-Fortschritt auf die eine oder andere Seite verschwenkt. Die Baustelle wird maximal 300 Meter lang sein, damit die Wartezeiten bei roter Ampel nicht zu lange dauern. Kanalbau und die Gosse fürs Regenwasser werden ebenso neu erstellt wie eine Bushaltestelle vor der Schule oder der Kreisel mit einem Durchmesser von 30 Meter im Bereich der scharfen Kurve in der Ortsmitte.

Mitte Dezember soll das erste Teilstück fertig sein, der zweite Abschnitt von der Schifferstraße bis zum Flethweg erfolgt dann nächstes Jahr im gleichen Modus. An der Kreuzung Flethweg/Obstmarschenweg/Alte Chaussee entsteht ebenfalls ein Kreisel. Zwischen den beiden Kreisverkehren soll sich die Ortsmitte mit ihrem Einzelhandel entwickeln können, so Stadtbaurat Lars Kolk. Der Verkehr werde verflüssigt, weil die Ampel wegfällt, für Radfahrer und Fußgänger werde es sicherer, die Aufenthaltsqualität verbessere sich, das Quartier werde attraktiver, das Ortsbild hochwertiger.

3,3 Millionen Euro kostet das erste neue Teilstück im Zuge der Ortskernsanierung inklusive des neuen Abwasserkanals. Der Umbau der Straße wird mit Städtebaufördermitteln bezuschusst.

Als innerörtliche Umgehung werden Flethweg und -straße herhalten müssen. Sie sind für Lkw gesperrt und Tempo 30 ist eingerichtet, eventuell werden Querungshilfen eingebaut. Der Schwerverkehr wird ohnehin über die B 73 und die B 495 über Hemmoor nach Wischhafen geleitet. Denn: Im Frühling startet auch der Kreiselbau in Drochtersen an der Abzweigung nach Krautsand.

Die Schölischer Straße. „Die Verbindung durchs Moor zwischen Stade und Bützfleth ist in einem desloaten Zustand“, sagt Tiefbauer Gerd Allers. Deswegen wird die Strecke auf einer Länge von 1,8 Kilometern in mehreren Abschnitten grundlegend saniert. Dieses Projekt habe die Stadt seit Jahren auf dem Zettel, den Neubau der Hafenstraße zum Industriegebiet mit Hafen in Bützfleth hatte sie vorgezogen. Die total verschlissene Straße, die täglich von gut 5000 Fahrzeugen genutzt wird, wird von Grund auf neugebaut. Regen- und Schmutzwasserkanal werden neu verlegt, die Tragfähigkeit verstärkt, Rad- und Gehwege werden ebenfalls komplett saniert.

Zwei Jahre werden die Arbeiter hier beschäftigt sein. Allers erklärt die lange Bauphase: „Wir bauen hier nicht auf der grünen Wiese.“ Die Ver- und Entsorgung der Anwohner müsse aufrecht erhalten werden, auch Schulbusse und Müllfahrzeuge müssen durchkommen. Die Straße selbst wird 6,50 Meter breit, Rad- und Fußweg 2,50 Meter, dazwischen liegen 50 Zentimeter als Puffer – dort, wo es geht. An der Abzweigung zur Götzdorfer Straße, am Ortseingang aus Richtung Moor, wird ebenfalls ein Kreisel gebaut. 3,8 Millionen Euro kostet der Straßenbau, 40 Prozent davon werden die Anlieger tragen müssen. Weitere gut drei Millionen Euro verschlingt der Kanalbau. Die Maßnahme wird EU-weit ausgeschrieben. Eine Bürgerinformation mit Details zu dem Projekt folgt noch.

Und warum werden beide Straßenbauprojekte gleichzeitig realisiert? Weil die beiden Maßnahmen aus zwei verschiedenen Töpfen bezuschusst werden, die Gelder in diesem und nächsten Jahr zur Verfügung stehen und verwendet werden müssen, erklärt Stadtbaurat Kolk. Er hofft darauf, dass sich die Autofahrer nach ein, zwei Tagen der Gewöhnung auf die neue Situation einstellen werden. Kolk: „Da sucht sich jeder seinen Weg.“

08.03.2016