Feuer und Flamme bei den Bützfleth-Spielen

Matthias Alpers war Teilnehmer der Paralympischen Spiele in London 2012. Vor elf Jahren stürzte der zweifache Familienvater von einer Leiter und war halbseitig gelähmt. Über den Kontakt zu Oliver Grundmann kam er zum Integrationssportfest nach Bützfleth. Fotos Schulz


Knapp 500 sportbegeisterte Menschen tummelten sich am gestrigen Freitag auf der Sportanlage in Bützfleth.

Das Integrationssportfest des TuSV Bützfleths war auch in seiner 45. Ausgabe ein absoluter Magnet für alle, die ohne Leistungsdruck sportlich aktiv sein wollten. Vor allem aber für diejenigen, die ansonsten aufgrund einer Behinderung nicht im Fokus des Sports stehen.

Unter dem Motto „Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg“ ging das traditionsreiche Integrationssportfest in diesem Jahr an den Start. Der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann war erneut Schirmherr und voll des Lobes für die Veranstaltung: „Das hier ist gelebte Integration.“ Das Fest bringe alle zusammen. „Sportbegeisterte Kinder, ihre Eltern und Großeltern, Behinderte und Nichtbehinderte, Muslime und Christen.“ Alle seien sie vom gemeinsamen Gedanken des Sports getragen, so Grundmann. Der TuSV Bützfleth habe ein herausragendes Programm gestaltet.

Gestaltet hat dieses Programm Ulla Bunge, Leiterin der Abteilung für Integrationssport beim TuSV Bützfleth. Eigentlich müsse von Inklusion gesprochen werden, doch „es heißt schon immer so und ich scheue mich, das zu ändern“, so Organisatorin Bunge. Aktuell passe der Name aber doch wieder ganz gut. „Wir haben auch Einladungen an Flüchtlinge verschickt“, sagte Bunge.

Mit einem Laufzettel ausgestattet liefen alle Teilnehmer über den Sportplatz. Für die Disziplinen Laufen, Werfen und Weitsprung gab es jeweils ein Kästchen zum Abhaken. Neu im Programm: Bogenschießen. Unter Anleitung des London-Paralympics-Teilnehmer Matthias Alpers durften die Sportler auf die Scheiben schießen. Alpers, gehandicapt seit einem Gartenunfall durch einem Hirnschaden, der einem Schlaganfall ähnelt, war überwältigt von der Resonanz des Festes. „Ich hatte schon gehört, dass in Bützfleth großartige Arbeit im Behindertensport geleistet wird“, so Alpers, „aber das ist mehr als ich erwartet hatte.“ Anderen das Bogenschießen beizubringen, sei eigentlich gar nicht sein Ding. Aber gerade im Hinblick auf die Paralympischen Spiele sei er gerne dazu bereit. Die Spiele in Hamburg sieht auch Oliver Grundmann als wichtige Triebfeder. „Einige der anwesenden Kinder mit Behinderung sind potentielle Athleten für die Spiele im Jahr 2024“, so der Bundestagsabgeordnete.

Berührungsängste gab es an diesem Tag keine. Alle Teilnehmer nahmen an den gleichen Disziplinen teil und wer alle Stationen abgehakt hatte, konnte sich am Ende mit einer Plakette dafür auszeichnen lassen. Altersklassen oder andere Klassifizierungen waren nicht vorgegeben. Der Spaß stand ganz klar im Vordergrund. Oliver Grundmann hofft, dass die Teilnehmer die Sportbegeisterung auch nach dem Fest hochhalten können. „Viele wissen gar nicht, zu welchen Leistungen sie fähig sind“, sagte der CDU-Politiker.

Nicht nur im sportlichen Bereich gab es in diesem Jahr „ein Upgrade“, wie Grundmann sagte. Auch das Rahmenprogramm war eine Nummer größer. Für gute Laune abseits der sportlichen Aktivitäten sorgten die Klinikclowns Stade und die Tanzperlen des TuSV Bützfleth. Zudem wurden Gutscheine für Rundfahrten mit der Polizei, Feuerwehr und Kutsche angeboten. Stuntreiterin Nina Ramershoven mit Filmpferd Manni waren das Highlight im Programm.

Die ehrenamtlichen Veranstalter und Schirmherr Grundmann waren zufrieden mit dem diesjährigen Fest. Auch das Wetter spielte mit. Somit konnten alle Teilnehmer den Tag genießen. Alle gemeinsam und ohne Berührungsängste, versteht sich.

19.09.2015