Feuchter und fröhlicher Gospel-Abend

Der Funke sprang trotz des nassen Umfelds über: Die Sweet Soul Gospel Revue holte die Zuschauer später von der Sitzen.


STADE. 1000 Besucher trotzen dem Regen in Grauerort.

Einen feucht-fröhlichen Abend erlebten 1000 Besucher am Freitagabend in der Festung Grauerort in Stade-Bützfleth. Feucht, weil es zu Beginn in Strömen regnete. Fröhlich, weil die Sweet Soul Gospel Revue eine mitreißende Stimmung in das alte Fort und den kühlen Sommerabend zauberte.

Übers Wetter redet man nicht, das hat man. Wenn das denn so einfach wäre. Immer wieder gingen die Blicke der Stadeum-Mitarbeiter am frühen Freitagabend auf die Wetter-Apps ihrer Smartphones. Von Regen keine Spur. Hätte sie mal den Blick gen Himmel gehoben, hätten sie die dunklen Fronten früher erkannt. Zweimal gingen dicke Regengüsse auf die erwartungsfrohen Gäste nieder. Der zweite direkt zu Beginn der Show um 19.45 Uhr, die später für die Entbehrungen entschädigte.

Mehr noch. Das norddeutsche Publikum, anfangs noch respektvoll reserviert unterm Regencape der frohen Botschaft lauschend, hielt es bei „Oh happy day“ oder „Everybody clap your hands“ nicht mehr auf den Sitzen. Sie bewegten sich nahezu beseelt zum Takt der Musik und klatschten fröhlich mit – und zwar im Soultakt, also auf 2 und auf 4, nicht wie bei der deutschen Marschmusik auf 1 und auf 3. Das hatte ihnen der Moderator des Abends, Ron Williams, augenzwinkernd mit auf den Weg gegeben. Die acht Kameraden in preußischer Uniform aus Kaiserszeiten, die bei Veranstaltungen im alten Fort selten fehlen, werden das vielleicht nicht so gern gehört haben.

Respekt dem Publikum, das so prima mitmachte. Respekt vor allem der fünfköpfigen Band und den acht Sängern, die einen beeindruckenden Klangteppich in den wohl schönsten Konzertort der Region legten. Nicht umsonst gehört das Open Air in Grauerort jedes Jahr zu den Höhepunkten des Holk-Festes und des gesamten Stadeum-Programms.

Fette Bässe, ein treibendes Schlagzeug, die durchdringenden, aber sehr gefühlvollen Stimmen der Sänger ließen diesen Gospel-Abend sehr kraftvoll, nahezu rockig rüberkommen. Den Menschen hat’s gefallen. Und sie haben etwas über Gospels gelernt. Dass dieses Musik-Genre 1874 das erste Mal erwähnt wurde, dass in ihnen Codes der Sklavenarbeiter auf den Farmen der amerikanischen Südstaaten über ihre Träume aus Freiheit und Flucht steckten und dass sie immer von Hoffnung, Dankbarkeit und Zuversicht erzählen. „Das Glas ist immer halb voll“, erzählte Ron Williams. Prägend für die Sänger und Musiker ist ihr tiefer Glaube und ihre damit verbundene Freude am Leben. Hätte zu Beginn des Abend nur ein Lied gefehlt: „It’s raining men, Hallelujah“.

Holk-Fest mit vier weiteren Terminen

Vier weitere Veranstaltungen gibt es im Zuge des Holk-Festes in Stade: Am morgigen Sonntag ist die Vorstellung der „Bremer Stadtmusikanten“ im Stadeum bereits ausverkauft. Ab 18 Uhr wird an einem besonderen Ort geschauspielert: Im Hof des Johannisklosters mitten in der Stader Altstadt, wird der Parasit, die Komödie von Friedrich Schiller, open-air aufgeführt. Realsatire in intimer Clubatmosphäre verspricht Timo Wopp am Donnerstag, 3.September, ab 19.45 Uhr im Stadeum. Am Sonnabend, 5. September, wird das Fest beendet mit dem Auftritt von „medlz“, einer Frauen-A Cappella-Band, ab 19.45 Uhr im Stadeum. www.holk-fest.de

29.08.2015