Ein Mekka für blubbernde V8-Boliden


STADE. Das ist der Stoff, aus dem Männerträume gemacht sind: ohrenbetäubendes Geblubber, poliertes Chrom, unzählbare Pferdestärken beim 2. „Mopar Spring Fling“ in der Festung Grauerort. 

Mopars“ ist die englische Kurzform für „Motorteile“. Kenner wissen, dass unter diesem Sammelbegriff US-Vehikel der Marken Chrysler, Plymouth, Dodge, Imperial und DeSoto zusammengefasst werden. Es sind Fahrzeuge aus einer Ära, in der die Automobilindustrie von Eco-Modi und Emissionswerten noch nichts wusste. Oder wissen wollte.

Mehr als 140 laute, teils schrille und rare Gattungsvertreter versammelten sich am Sonnabend in der Festung Grauerort in Abbenfleth zu einem Stelldichein. Allesamt liefen sie vor dem Jahre 1977 in den Staaten vom Band. Und: In ihnen schlägt ein Achtzylinder-Herz, das vor Kraft nur so strotzt. Unter dem Motto „Mopar Spring Fling“ präsentierten sich die historischen Autos in einer noch historischeren Kulisse.

Alle sind erschlagen von der Resonanz“, resümiert Peter Schneidereith vom Förderverein Festung Grauerort. 2000 Besucher waren dem Aufruf in die Gemäuer gefolgt, um die Charakter-Autos bei bestem Wetter nahe der Elbe zu bestaunen.

Die Frage nach dem Spritverbrauch drängt sich bei Geschossen mit einem Hubraum von über fünf Litern in den Vordergrund. Wohlgemerkt, das sind dann vergleichsweise kleine Motoren in der Branche. Innerorts verlangt ein solches Gefährt durchaus 18 Liter Sprit. Oder mehr. Über die eingeschränkte Alltagstauglichkeit wird in diesen Kreisen einvernehmlich hinweggesehen.

Im Winter fährst du so ein Auto nicht“, verrät der Organisator Marcus Hölting, der das Treffen zum zweiten Mal initiierte. „Der ADAC verdient kein Geld an uns“, spottet sein Kumpel Matthias Reuter. Man kennt sich. Die Szene kommt immer wieder in ähnlicher Formation zusammen.

Der Markt für „Musclecars“ boomt. Es gibt sie in der Republik inzwischen zuhauf. Hier eine Schramme, da ein wenig Rost, auch mal ein Riss im Leder – der Trend geht zum Urzustand. Die Schrauber schätzen an ihren Autos, selbst Hand anlegen zu können und so Reparaturkosten zu drücken. Zwischen 20 000 und 25 000 Euro kann ein gängiger Mopar schnell mal kosten. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Unerwartet viele US-Schlitten trugen am Sonnabend das Kfz-Kennzeichen des Landkreises. Wer hätte gedacht, dass so viele US-Boliden in den hiesigen Garagen schlummern? „Deutschlandweit gibt es am meisten Mopars im Norden“, erklärt Helge Thomsen, bekannt aus der TV-Sendung „Grip“ und ein Gesicht der Szene. Er brauchte Platz für seine Lieblinge und ist mitsamt Fuhrpark vor kurzem nach Jork-Königreich gezogen. Die Region entwickelt sich langsam zu einem Mekka für die legendären V8-Boliden mit dem charakteristischen Blubber-Sound.

04.05.2015