Bützflether Windräder nur 150 Meter hoch

Foto Nordex


STADE. Der Flächennutzungsplan schafft die Grundlage für einen zweiten Windpark in Bützflethermoor. Das Thema, das bereits im Bützflether Ortsrat beraten worden ist, beschäftigte nun erstmals den städtischen Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU). Er empfahl am Ende einer langen Diskussion, den F-Plan so zu ändern, dass auf dem Areal ein Windpark mit drei Anlagen möglich ist. Aber sie sollen nur 150 und nicht – wie vom Investor gewünscht – 186 Meter hoch sein.

Mit dieser Beschlussempfehlung, die einstimmig bei Enthaltung der Grünen fiel, folgte der Ausschuss dem Wunsch des Ortsrates, der ursprünglich auch die 186 Meter akzeptiert hatte, jetzt aber unter dem Druck der öffentlichen Diskussion und Proteste in Bützfleth auf 150 Meter zurückruderte.

Der Windparkplaner Steffen Föllner vom Energiekontor aus Bremen hatte zuvor versucht, die Politiker davon zu überzeugen, dass die 186 Meter hohen Windräder kaum andere Auswirkungen haben werden als die kleineren, was Schall und Schattenschlag angeht. Zudem seien die drei Standorte mit 1,1 Kilometer deutlich weiter von der Siedlungslinie entfernt als die vorgeschriebenen 800 Meter. Die Wirtschaftlichkeit der kleinen Anlagen sei aber bei unwesentlich geringeren Investitionen deutlich schlechter. 20 Prozent weniger Windernte sei zu erwarten.

Die Ängste der Bützflether hätten weniger mit den Höhen zu tun als vielmehr mit der Belastung durch den Schwerlastverkehr in der Bauphase, fand die Grüne Dr. Barbara Zurek. Sie forderte ein, dass die Stadt gegenüber dem Investor die sonst übliche Verlässlichkeit bei den Planungen zeigen solle. Tatsächlich – so Föllner – bedeute eine Reduktion auf 150 Meter Gesamthöhe für ihn, dass alle Gutachten überarbeitet werden müssten und das Genehmigungsverfahren von neuem beginne. Folge: Höhere Kosten und weiterer Zeitverlust.

Noch ein anderer Aspekt wurde in die Diskussion gebracht. Das Areal des geplanten Parks ist zwar im Raumordnungsprogramm des Landkreises als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen, andererseits rasten dort aber geschützte Vogelarten. Dieser Grundkonflikt von Naturschutz und Windparks sei hier gegeben, meinte Stades Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms: „Im Grunde haben wir hier eine alptraumartige Situation.“

Der ASU blieb aber dabei, der Position des Ortsrates zu folgen und votierte für eine 150-Meter-Begrenzung. Wenn der Verwaltungsausschuss dieser Beschlussvorlage zustimmt, dann wird der geänderte F-Plan ausgelegt. Im Zuge des Beteiligungsverfahrens haben dann die Gegener Gelegenheit, Bedenken zu äußern.



Standpunkt von Peter von Allwörden

Mülleimer der Stadtentwicklung

Wir wollen Ökostrom und den Klimawandel. Aber Windräder vor unserer Haustür – nein danke.

Es ist immer wieder das gleiche Spiel, wenn irgendwo Windparks geplant werden. Dieser Grundkonflikt macht zweierlei deutlich: Zum einen sind die meisten Menschen nicht konsequent mit ihren Einstellungen, wenn es um ihre ureigenen Interessen geht. Zum anderen leben wir in einer Zeit der Ablehnungs- und Bedenkenträgerkultur. Nichts kann in diesem Land geplant werden, ohne dass es von irgendeiner Seite eine Protestaktion gibt. Deswegen dauern Planungen in Deutschland auch zwei-, dreimal so lange wie in anderen Ländern.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Zu protestieren und zum kritischen öffentlichen Diskurs aufzurufen, ist einer der wichtigsten Grundpfeiler der Demokratie. Nur manchmal drängt sich der Eindruck auf, dieses Recht wird ab und an ad absurdum geführt.

Im Bützflether Fall liegt das etwas anders: Die Bützflehter sind in der Tat so etwas wie das Industrierevier der Stadt Stade. Sie haben die Last zu tragen für den Wohlstand und die wirtschaftliche Stabilität der Stadt und der ganzen Region. Wenn sie also das Gefühl haben, zu so einer Art Mülleimer der Stadtentwicklungspolitik zu werden, dann lässt sich das zumindest gefühlt nachvollziehen.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, warum ausgerechnet noch in Bützfleth dieser Windpark entstehen soll, zumal der Standort auch noch naturschutzrechtlich bedenklich ist. Vor allem aber ist völlig unverständlich, warum diese öffentliche Debatte erst jetzt geführt wird, obwohl das Energiekontor schon seit 2010 mit der Planung beschäftigt ist. Solche Planungen gehören ganz am Anfang der Entwicklung in die Öffentlichkeit und nicht erst, wenn Genehmigungsverfahren schon laufen und viele Festlegungen getroffen sind. Das war von allen Beteiligten höchst unprofessionell.

07.05.2015