Angst vor dem Infraschall

Übergabe im Rathaus : (von links) Hans-Dieter Braun, Katharina Hagemann, Ira Hagemann und Klaus-Johannes Hartlef für die Interessengemeinschaft Flethstraße, Bürgermeisterin Silvia Nieber, dahinter Nils Jacobs, Ortsbürgermeister Sönke Hartlef und Manfred Ehler als Vertreter der Politik. von Borstel


STADE. Interessengemeinschaft Flethstraße übergibt mehr als 750 Unterschriften an Bürgermeisterin Silvia Nieber

Die letzten Signaturen setzten Mitglieder der Interessegemeinschaft (IG) Flethstraße am Abend der Übergabe persönlich auf die Liste: 763 Unterschriften gegen die geplante Windparkerweiterung Bützflethermoor sammelten sie somit und überreichten Bürgermeisterin Silvia Nieber diese in einem stattlichen Ordner. „Bei der Kommunalwahl in Bützfleth würde die Stimmenzahl für die absolute Mehrheit reichen“, vergleicht IG-Mitglied Klaus-Johannes Hartlef.

Bürgermeisterin Nieber empfing eine Delegation der Initiative mit warmen Worten im Rathaus: „Wir sind stets erfreut über jede Bürgerbeteiligung.“ Sie signalisierte ungebrochene Gesprächsbereitschaft aller Stadtratsfraktionen. Fachbereichsleiter Nils Jacobs äußerte sich gleichwohl skeptisch zu den Aussichten des Protests: „Im Planverfahren werden immer nur die Fakten abgewogen.“

IG-Sprecherin Hilke Ehlers begründete die Unterschriften-Aktion in einer Pressemitteilung vorab: „Die Bützflether Bürgerinnen und Bürger befürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen durch dauerhaften unhörbaren Infraschall, eine Wertminderung der Häuser und Grundstücke sowie Beschädigung durch Schwertransporte.“ Der Bau von bis zu 180 Meter hohen Anlagen in etwa 1000 Meter Entfernung zur Flethstraße komme einer „kalten Enteignung“ gleich, befürchten die Anwohner.

Die Infraschall-Thematik haben die Protestler aus Bützfleth besonders ins Visier genommen: Sie verweisen auf kritische Berichte des Deutschen Arbeitgeberverbandes. Der sieht medizinische und rechtliche Probleme bei der Windenergie in der Nähe von Wohnbebauung. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Depressionen und Schlaflosigkeit gehören danach zu den potenziellen Gesundheitsrisiken. Auch das Bundesamt für Umwelt sieht in einer neuen Machbarkeitsstudie auf diesem Gebiet einen „beträchtlichen Forschungsbedarf.“

In Großbritannien schreiben die Gesetze deshalb 3000 Meter Abstand zwischen Windpark und Wohngebiet vor. Auch das Bundesland Bayern ist deutlich strenger: Dort muss schon heute ein Abstand in zehnfacher Windradhöhe eingehalten werden.

20.01.2015