Der Windpark wirft neue Fragen auf

Ein Modell der IG Flethstraße geht noch von 186-Meter-Rädern aus (Maßstab 1:100). Foto von Borstel


BÜTZFLETH. Die wichtigsten Fragen zum Projekt in Bützflethermoor mit den Antworten vom TAGEBLATT.

Frischer Wind für die Windparkerweiterung Bützflethermoor: Bei dem Vorhaben hat sich sowohl bei der Politik, als auch bei der Gegenbewegung eine Menge getan. In den kommenden Monaten stehen wichtige Entscheidungen auf der Agenda der politischen Gremien. Die wichtigsten Fragen zum Projekt in Bützflethermoor mit den Antworten vom TAGEBLATT.

Wie hoch soll es hinaus gehen?

Bis zuletzt waren sich Ortsrat Bützfleth und Planer Energiekontor über drei Anlagen à 186 Meter Höhe einig. Während der letzten Sitzung ruderte das Gremium unerwartet zurück. Es sprach sich gegenüber der Stadtverwaltung für eine Begrenzung der Windräder auf 150 Meter aus. Eine gewichtige Empfehlung: Die Hansestadt hatte im Vorfeld signalisiert, nichts über den Ortsrat hinweg entscheiden zu wollen. Die Reduzierung kann als Reaktion auf die andauernden Proteste aus der Bevölkerung verstanden werden. Ortsbürgermeister Sönke Hartlef nannte die vorherige Planung gegenüber dem TAGEBLATT voreilig. Zu groß seien die Bedenken der Ortsratspolitiker über Schattenschlag und Schallimmission.

Wer entscheidet wann?

Anfang 2015 wird die Änderung des Flächennutzungsplanes auf den Weg gebracht. Die Beratung erfolgt der Reihenfolge nach in den Gremien: Ortsrat, Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt, Verwaltungsausschuss. Anschließend muss der Planer einen Genehmigungsantrag an den Landkreis richten. Darin werden anhand des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) Vereinbarungen – etwa über Logistik oder die Schaffung von Ausgleichsflächen – getroffen. Die Baugenehmigung kann frühestens Mitte 2015 erwartet werden. Anstatt der im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) ausgewiesenen 16 Hektar, plant Energiekontor derzeit mit 19,9 Hektar Fläche. Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms bestätigte in der letzten Ratssitzung der Hansestadt dessen Rechtmäßigkeit: Das RROP sei schließlich nie „parzellenscharf“.

Wie soll transportiert werden?

Energiekontor wollte die Lkw bislang über die B 495 und die K 29 von Norden durch das Moor fahren lassen. Dafür erteilte der Landkreis kürzlich eine klare Absage. Das teilte Nils Jacobs, Chef der Planungs- und Bauverwaltung der Stadt Stade, dem TAGEBLATT mit. Die Kreisstraßen seien für derartige Schwertransporte ungeeignet. Transportiert werden müsste also – so hatte es die Interessengemeinschaft (IG) Flethstraße von Anfang an befürchtet – über den Obstmarschenweg und Flethstraße. Beide Straßen waren beim Bau des ersten Teils des Windparks im Jahre 2002 bereits starker Belastung ausgesetzt.

Was sagt das Planungsbüro?

Projektleiter Steffen Föllner zeigte sich gegenüber dem TAGEBLATT enttäuscht über die Kehrtwende im Ortsrat. Noch im Oktober rechnete er während einer Ortsratssitzung vor, dass die kleineren Variante der Windräder bis zu 20 Prozent weniger Ertrag einbrächte. Föllner hofft, die Hansestadt dazu bewegen zu können, den Ortsrat doch zu überstimmen. Ausdrücklich betonte er, eine gerichtliche Auseinandersetzung solle seitens Energiekontors vermieden werden.

Was sagen die Gegner?

Sie befürchten nach wie vor Beschädigungen an ihren Häusern und wünschen sich eine Beweislastumkehr: Der Planer müsste dann nachweisen, dass etwaige Schäden bereits vor dem Transport vorlagen. Eine derartige Vereinbarung sei unwahrscheinlich und wäre nur privatrechtlich umsetzbar, erläuterte Jacobs. Im Januar will die IG Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber eine Unterschriftenliste gegen das Vorhaben überreichen. Sie weisen zudem auf neueste Studien hin, die die Gesundheitsschädigung des Infraschalls – also von Tönen auf für Menschen nicht hörbaren Frequenzen – deutlich machten.

18.12.2014