TAGEBLATT on Tour

24.10.2014

Autor: Peter von Allwörden



Ohne Edeka wär das Dorf ärmer

Hartmut Wiesner vor seinem Weinregal: Individueller Service wird hier noch gelebt.


BüTZFLETH. Bützfleth und Wiepenkathen sind die beiden Stader Ortschaften, die nicht nur am meisten Einwohner haben, sondern auch noch ein starkes dörfliches Eigenleben führen. Grund dafür ist eine noch umfassende Infrastruktur – von der Nahversorgung bis zu Arzt und Apotheker. Eine ganz wichtige Funktion erfüllt hier in Bützfleth der Edeka-Markt von Hartmut Wiesner. Hier findet der Kunde nicht nur ein umfängliches Angebot, sondern hier trifft man sich, tauscht sich aus und klönt.

Ja klar“, sagt Hartmut Wiesner, „unsere Kunden kennen uns und wir kennen unsere Kunden.“ Die persönliche Ansprache, der individuelle Service, das sind die Pluspunkte dieses Inhaber geführten Frischemarktes. Dazu gehören etwa auch ein Liefer- und Bestellservice.

Aber all dieser Service würde nicht reichen, um erfolgreich wirtschaften zu können, weiß Kaufmann Wiesner. Ganz wichtig sei natürlich das Angebot. 15 000 Artikel kann Wiesner über die Edeka beziehen, 11 000 hält er in seinem Laden vor. Der Bützflether Edeka-Markt bietet eine reine Verkaufsfläche von 750 Quadratmetern.

Insgesamt bietet Hartmut Wiesner ein Vollsortiment von Getränken zu Drogerieartikeln. Eine große Stärke sind die Frischeabteilungen mit Gemüse, Obst und Salaten sowie mit Fleisch, Wurstwaren, Delikatessen sowie Brot und Käse. Vorne im Geschäft gibt es noch einen Backshop sowie eine Lotto-Toto-Annahmestelle, die Wiesners Frau betreibt.

Hartmut Wiesner weiß aber auch, dass es nicht immer leicht ist, einen solchen Markt zu führen. Gerade in Stade und auch im benachbarten Drochtersen gebe es ein sehr großes Angebot an Lebensmitteln, sagt der Lebensmittelhändler. Da sei es schon manchmal ein harter Konkurrenzdruck, dem er standhalten müsse.

Deswegen war und ist Wiesner auch nicht begeistert, dass ihm gegenüber jetzt ein Penny-Markt betrieben wird. Für ihn ist der Standort in Kehdingen problematisch. „Wir können nicht wie andere eine Bogen um unser Geschäft schlagen, was das Einzugsgebiet betrifft.“ Grund: Die Elbe als natürliche Grenze lasse nur einen Halbkreis zu. Zu Anfang, als Penny kam, habe er deutlich einen Rückschlag gespürt. Langsam habe er die Verluste wieder reingeholt. Und: „Wir arbeiten immer weiter daran.“

Arbeit ist für Familie Wiesner kein Fremdwort, sondern sie bestimmt den Alltag. Morgens vor sechs beginnt der Arbeitstag des Chefs. Um 20 Uhr schließt er. Lange Tage, viel Arbeit – das gehöre nun mal zum Leben eines Selbstständigen.

Seit 1990 leben Hartmut Wiesner und seine Frau in Bützfleth. Zunächst kam er als Marktleiter in den Ort. Denn der angestammte Bützflether Kaufmann Hans-Otto Köser hatte in dem Jahr sein neues Geschäftshaus gebaut und suchte einen Marktleiter. Köser hatte zuvor in der Kurve im Ortszentrum ein Geschäft, das er zunächst mit Haushaltswaren und Geschenkartikeln weiter betrieb.

1994 schließlich bot Köser seinem Marktleiter, der zuvor als Kaufmann quer durch die Republik gekommen ist und viele Erfahrungen gesammelt hatte, die Übernahme des Edeka-Marktes an. Die Wiesners überlegten kurz und schlugen dann ein. Heute sagt der in der Wingst geborene Kaufmann: „Uns gefiel die Ecke gut, und es passte alles.“ Bis jetzt habe er den Schritt vor mittlerweile 20 Jahren nicht bereut.

Der Frischemarkt an bester Lage in Bützfleth ist im Ort fast schon so etwas wie ein zentraler Treffpunkt. Denn außer dem Frischemarkt sind in dem Geschäftshaus eine Apotheke, der Dorfarzt und eine Zahnarztpraxis untergebracht. Eine gute und optimale Planung des damaligen Bauherrn Köser, der damit die Ortschaft bereichert und in ihren dörflichen Strukturen gestärkt hat.