Bürger wehren sich gegen Windräder

BüTZFLETH. Eines wurde bei der Sitzung des Ortsrates in Bützfleth am Mittwochabend überdeutlich: Die Bürger wollen die drei geplanten, 180 Meter hohen Windräder auf keinen Fall vor der eigenen Haustür in Bützflethermoor. Sie fühlen sich von der Stader Verwaltung ausgenutzt und setzen sich nun vehement zur Wehr. Der Betreiber Energiekontor stand den zahlreich erschienenen Anwohnern mit stoischer Ruhe Rede und Antwort. Er rechnet mit der Inbetriebnahme der neuen Anlagen aufgrund planungstechnischer Schwierigkeiten frühestens für
Ende 2015.

Steffen Föllner, leitender Ingenieur beim Energiekontor, wurde nicht müde zu betonen, dass alle Maßnahmen ergriffen würden, um das Projekt möglichst verträglich mit den Interessen der Anwohner zu gestalten. Er stellte die umstrittenen Einzelheiten bei der geplanten Erweiterung des Bützflether Energieparks vor: Erschließungskonzept, Nachtbefeuerung, Schall- und Schattenwurf, Umweltverträglichkeit und andere Widrigkeiten. Anders als zuletzt berichtet, solle die Leistung der Anlagen jeweils nur zweieinhalb und nicht fünf Megawatt betragen.

Lärmbelastung und Schattenwurf kristallisierten sich als größte Befürchtung des Ortsrates und der Anwohner heraus. Vor diesem Hintergrund erläuterte Markus Tetens, Gutachter für die Prüfung von Schatten- und Lärmimmissionen, dass alle geforderten Werte auch mit Hilfe von Abschaltautomatiken eingehalten würden.

Sowohl der Betreiber als auch die Bürger äußerten sich besorgt über den Zustand der zum Transport benötigten Straßen. Derzeit plant Energiekontor die Anlieferung der Bauteile mit Schwertransporten von Norden her, um das Nadelöhr in Bützfleth zu umfahren. Die Zuwegung solle am Schluss über den Landernweg in Bützflethermoor erfolgen. Föllner versicherte, dass die im Regionalen Raumordnungsprogramm geforderten Abstände der Windräder von 600 Metern zu Einzelgehöften und 1000 Metern zur Ortschaft in der Planung berücksichtigt würden.

In der abschließenden Einwohnerfragestunde stand der anwesende Erste Stadtrat Dirk Kraska stark in der Kritik: Die Anwohner fühlen sich durch die bereits bestehenden Windräder, das geplante Dow-Kohlekraftwerk sowie den geplanten Abschnitt der A 26 ohnehin mehrfach von der Stadt gebeutelt. Die Empörung war groß, als Kraska zu verstehen gab, dass es für die Verwaltung einfacher sei, „dort Industrieanlagen zu genehmigen, wo bereits Industriebelastung ist.”

Der Standort Bützfleth ist für den Betreiber Energiekontor trotz aller Widrigkeiten attraktiv. Die im Flächennutzungsplan für Windenergie festgeschriebenen Flächen sind bereits genehmigt. „Wenn wir nicht bauen, tut es ein anderer“, sagte Föllner. Er rechnete vor, dass der Betrieb der Windräder jährlich Gewerbesteuern in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro in die Kassen der Stadt spülen würde.

Unter den Anwesenden befand sich auch der ehemalige Ortsbürgermeister Wolfgang Rust, der an der Planung im Jahre 2010 selbst beteiligt war. Er richtete einen Appell an den Ortsrat: „Überlegt euch noch mal, ob ihr das wirklich alles so wollt.” Dafür erntete er tosenden Applaus der versammelten Bützflether Bürger.

Windparkerweiterung

Der Ortsrat Bützfleth und die Stader Verwaltung hatten bis zu den Protesten der Interessengemeinschaft Flethstraße keine Einwände gegen das Vorhaben. Seit kurzem formiert sich ein wachsender Protest und der Vorwurf gegenüber der Stadt Stade wird laut, Industrie ans Umland abzuwälzen, um die Stadtkulisse Stades optisch nicht in Mitleidenschaft zu ziehen.

10.10.2014