In Bützfleth weht kräftiger Gegenwind

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BÜTZFLETH. In Bützfleth regt sich heftiger Widerstand gegen die Planung, in Bützflethermoor drei fast 190 Meter große Windkraftanlagen zu bauen. Bisher hat es keine strittige Diskussion in den politischen Gremien dazu gegeben. Sowohl im Fachausschuss des Stader Rates als auch im Bützflether Ortsrat gab es keine Proteste gegen die Pläne des Investors. Der Ortsrat stimmte sogar einstimmig zu, das entsprechende Planverfahren nun in Gang zu setzen.

Die Politiker und Investoren haben offenbar die Rechnung ohne die neue Bürgerinitiative gemacht, die als Interessengemeinschaft Flethstraße zu einer Infoveranstaltung ins Dorfgemeinschaftshaus geladen hatte. 80 Bürger füllten den kleinen Saal des Gemeinschaftshauses. Mehrere Anwohner der Flethstraße erklärten, warum sie gegen die Planungen sind und was sie befürchten. Geleitet wurde die Versammlung von dem ehemaligen Stader FDP-Ratsherrn Wolfgang Ehlers, der zu den Initiatoren der Protestgruppe gehörte.

Die drei Anwohner Jörg Deppermann, Olaf Hagemann und Klaus-Johannes Hartlef erklärten den Zuhörern ihre Befürchtungen und Kritikpunkte. Sie waren ausgesprochen gut vorbereitet und versuchten, mit Sachargumenten zu überzeugen. So ließ Deppermann die Situation vor zwölf Jahren Revue passieren, als die Firma NEG Micon fünf kleinere, knapp 100 Meter hohe Windkraftanlagen im Moor baute. Es habe Schäden an den Straßen und an den Häusern gegeben, meinte Anwohner und Hauseigentümer Deppermann. Damals wie heute fühle er sich von der Stadt alleingelassen. Er habe das Gefühl, dass sich das wiederhole.

Grundsätzliche Bedenken wegen der Höhe der Anlagen und der damit verbundenen Beeinträchtigungen brachten Hagemann und Hartlef vor. Dazu gehören der befürchtete Schattenschlag, Gefahr durch Eisschlag im Winter, Störungen durch die nächtlichen Blinkanlagen, die für Windräder mit mehr als 100 Metern vorgeschrieben sind, sowie Schallimmissionen. Vor allem letztere, so Ingenieur Hartlef, seien im Bereich der akustisch nicht wahrnehmbaren Schallwellen, also der Infraschall-Immissionen, gesundheitsgefährdend und könnten zu Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlgefühls führen.

Der von der Gruppe eingeladene FDP-Landespolitiker Dr. Gero Hocker aus Hannover, der zu den Kritikern der Energiepolitik in Hannover und Berlin gehört, brachte dann noch die bekannten Kritikpunkte an der Windenergie in die Diskussion. Er bemängelte das Fehlen von Netzanbindungen und Speichermöglichkeiten, kritisierte den drohenden Wertverlust von Immobilien, die Zerstörung der Landschaft sowie die Gefährdung von bedrohten Vogelarten.

Die Bürgergruppe kündigte an, die weiteren Planungen und Beratungen kritisch zu begleiten. Das kann sie bereits am heutigen Mittwoch tun, wenn der Ortsrat erneut über das Thema spricht. Unter den Zuhörern hat die Initiative schon einmal Unterschriften gesammelt. Ziel der ganzen Aktion: Den Bau der Fünf-Megawatt-Anlagen mit 59 Meter langen Rotorblättern und einer Gesamthöhe von 186 Metern verhindern.

08.10.2014