Eisengießerei nimmt Produktion auf - Belegschaft soll aufgestockt werden

Kurbeln die Produktion der Eisengießerei in Stade an (von links): Der technische Leiter Dr. Wilhelm Lange, Unternehmer Günter Eisenhauer, Global Castings-Geschäftsführer Kim Kronborg Christiansen und Eisenhauer-Berater Gerhard Radke vor einem Groß-Gussteil. Foto von Allwörden


STADE. Die Eisengießerei von ehemals N-Prior im Bützflether Industriegebiet ist fertiggestellt und nimmt jetzt mit Hochdruck ihre Produktion auf. Der ostfriesische Unternehmer Günter Eisenhauer, der die halbfertige Eisengießerei aus der Pleite von N-Prior vor Gericht ersteigert hatte, hat sich einen Partner ins Boot geholt, der reichlich Erfahrungen im internationalen Gießereigeschäft hat. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Mitarbeiterstamm von zur 40 auf 140 Leute aufgestockt werden.

Vor allen seinen Leuten, aber auch ihm selbst sei ein Stein vom Herzen gefallen, als der Deal mit dem dänisch-deutschen Unternehmen Global Castings perfekt war, sagte Eisenhauer jetzt auf einer kleinen Betriebsfeier, wo der Zusammenschluss der beiden Unternehmen CTS (Casting Technology Stade GmbH) von Eisenhauer und Global Castings mit den Mitarbeitern gefeiert wurde. Vor einem halben Jahr habe es erste Gespräche mit den Dänen gegeben. Nun sei die neue Firma Global Castings Stade GmbH gegründet. Eisenhauer hält 40 Prozent Anteil an dem Unternehmen. Vor etwa zwei Jahren hat Eisenhauer die Eisengießerei übernommen und sukzessive ausgebaut. Für ihn sei klar gewesen, dass es nicht zu seinem Kerngeschäft gehöre, Gussteile zu produzieren, sagt der Unternehmer, der mit Windenergie sein Geld verdient. In Aurich betreibt er unter anderem die Nordsee-Offshore-Wind GmbH. „In einem solchen internationalen Markt fühle ich mich als mittelständischer Familienbetrieb nicht mehr zuhause“, sagt Eisenhauer. Da sei Global Castings genau der richtige Partner.

Global Castings ist eine ehemalige Tochter des dänischen Windkraftanlagenherstellers Vestas. Vor etwa zehn Monaten hat Vestas dieses Tochterunternehmen, das vor allem Naben für Windkraftanlagen herstellt, an die Münchner Gruppe VTC verkauft. Hinter den Münchnern stecken vier mittelständische Gesellschafter, die auf unterschiedlichsten Märkten tätig sind.

Der Markt der Eisengießerei sei international hart umkämpft, weiß Global Castings-Geschäftsführer, der Däne Kim Kronborg Christiansen. Die Überproduktion liege bei fast 40 Prozent weltweit. Dass sie in Stade trotzdem groß einsteigen, habe vor allem zwei Gründe: Erstens sei das Werk modern und gehöre zu den wenigen Gießereien in der Welt, die Groß-Gussteile mit 25 bis 100 Tonnen pro Stück herstellen könnten. Damit erschließe sich ein interessanten und wachsender Markt, vor allem im Bereich von Offshore. Zweitens seien durch den Seehafen Stade die logistischen Voraussetzungen hervorragend.

Global Castings betreibt außer in Stade zwei Gießereien in China, eine in Schweden und eine in Tschechien. Eine veraltete Gießerei in Magdeburg und eine ineffiziente in Norwegen seien kürzlich geschlossen worden, so Christiansen weiter. Aus Magdeburg werden 15 Facharbeiter nach Stade gehen. Auch der technische Leiter der Stader Anlage, Dr. Wilhelm Lange, kommt aus der Elbe-Stadt Magdeburg in die Elbe-Stadt Stade. 90 weitere Mitarbeiter sucht Global Castings jetzt für das Stader Werk. Neben Vestas als Großkunden ist das Unternehmen gerade dabei, weitere Aufträge zu akquirieren. Einen Großauftrag von Siemens hatte CTS bereits mit in die Firmenehe gebracht. In Stade sollen außer Windradnarben auch diverse andere Groß-Gussteile hergestellt werden. In zwei Jahren – so die Planungen – sollen etwa 250 Menschen im Schichtbetrieb bei Global Castings Stade arbeiten.

Momentan verhandelt Eisenhauer gemeinsam mit seinem Berater Gerhard Radke, der die Geschäfte in Stade für Eisenhauer mit abwickelt, mit zwei weiteren Partnern oder Käufern über die auch noch nicht fertige Äthanolproduktion und die Müllverbrennung zur Strom- und Dampferzeugung.

Mit allen drei Anlagen hatte der auch aus Ostfriesland stammende Unternehmer Ingo de Buhr Schiffbruch erlitten; vor zwei Jahren war er mit seiner Firma N-Prior in die Insolvenz gegangen. Eisenhauer kaufte die Anlagen teils direkt vom Insolvenzverwalter oder ersteigerte sie. De Buhr hatte das Gelände im Industriegebiet vom norwegischen Konzern Hydro übernommen, als der in Stade sein Aluminiumwerk schloss. Allerdings hatte der Ostfriese keine glückliche Hand für den Neuerwerb, für dessen Übernahme er sogar noch mehr als 15 Millionen Euro kassierte.

04.09.2014