Der Kaiser beehrt das Fort

Viktorianische Kleider und historische Uniformen bei den Festungstagen der Reservisten–Arbeitsgemeinschaft in der Festung Grauerort: Kaiser Wilhelm I und Kaiserin Augusta (Erhard und Dr. Sylvia Brandes-Nelz) mit ihrem Gefolge. Foto Lohmann


STADE. Bei echtem Kaiserwetter wurden Kaiser Wilhelm I und Kaiserin Augusta am Wochenende bei den „Festungstagen“ der „Reservistenarbeitsgemeinschaft Festung Grauerort“ im Fort in Abbenfleth empfangen. Dass dank des sonnigen Wetters rund 350 Besucher kamen, freut die Arbeitsgemeinschaft besonders, denn in diesem Jahr feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen.

Durch Böllerschüsse wurden beide Festungstage eröffnet. Der Musikzug Elm spielte. Das Kaiserpaar alias Erhard und Dr. Sylvia Brandes-Nelz aus Bad Bevensen nahm die Truppen ab. Würdevoll und ernst präsentierte sich das Kaiserpaar dann mit seinem Gefolge – den Hofdamen, dem Festungskommandanten, der Leibstandarte. Mit ihren viktorianischen Kleidern und historischen Uniformen, ihren Gesten und ihrem Gehabe versetzten die kostümierten Darsteller aus ganz Deutschland die Besucher in die Kaiserzeit zurück.

Die Idee, mit einer Reservistenarbeitsgemeinschaft die preußische Militärgeschichte in der Festung erlebbar zu machen, hatte Klaus Tietjen aus Hammah (Festungskommandant) vor zehn Jahren. Mitbegründer und Vorsitzender ist Rainer Poppe aus Estorf, der den „etatmäßigen Feldwebel“ gibt. Aus Estorf kommt auch die fesche Leibstandarte Reinhard Hoops. Seine Aufgabe sei es, den Kaiser vor Attentätern zu schützen, sagt er. Prinzessin Luise von Preußen begleitet ihre Eltern und „nutzt die Gelegenheit, vom Hof wegzukommen“, wie Darstellerin Kerstin Hedtke schmunzelnd erklärt. Die Staderin gehört dem Organisationskomitee an und ist zugleich im Vorstand des Fördervereins Festung Grauerort.

Zwölf Vereine belebten das Fort in Abbenfleth in diesem Jahr. Es gab Uniform- und Modenschauen, eine Handdruckspritze von 1889, Stereofotografie in einem „Kaiser-Panorama“, Militär-Utensilien und altes Spielzeug. Gegner bei den Alarmübungen war das französische „3ième Régiment de Zouaves“ aus Pinneberg, das sein Zeltlager im Innenhof der Festung aufgebaut hatte. „Wir haben den Erbfeind eingeladen“, schmunzelt Spieß Poppe.

19.05.2014