Kurioser Blick zurück in die Zukunft

Eine Variante des Steampunks: Teilnehmer in viktorianischer Kleidung. Fotos Kordländer

GRAUERORT. Schaurig und lustig verkleidete Menschen laufen über den Platz. Einige haben ihre Gesichter bemalt, andere tragen Atemschutzgeräte auf dem Rücken. Schicke historische Trachten, Uniformen und Phantasiekleidung werden zur Schau gestellt. In der Festung Grauerort wurde am Wochenende das dritte Steampunktreffen im Landkreis Stade veranstaltet. Es sei inzwischen die größte Zusammenkunft dieser Art in Deutschland, sagte Veranstalter Michael Deutschmann von der Stader Band „Drachenflug“.

Es gab Modenschauen, Kunstausstellungen, Lesungen, Vorträge, Filmvorführungen, Bastelaktionen, Konzerte und einen Zauberworkshop. Dampfmaschinen qualmten, Besucher und Teilnehmer konnten sich portraitieren lassen, Schmuck und Kleidung wurden verkauft.

Steampunk ist laut Wikipedia ein Phänomen, das als literarische Strömung in den 1980er Jahren begann und sich zu einem Kunstgenre, einer kulturellen Bewegung, einem Stil und einer Subkultur ausgeweitet hat. Dabei werden einerseits moderne und futuristische technische Funktionen mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft, wodurch ein Retro-Look der Technik entsteht. Andererseits wird die Mode und Kultur des viktorianische Zeitalter idealisiert weitergegeben. Steampunk fällt damit in den Bereich des Retro-Futurismus – das ist eine Sicht der Zukunft, wie sie in früheren Zeiten entstanden sein könnte. Häufige Elemente des Steampunks sind dampf- und zahnradangetriebene Mechanik, viktorianischer Kleidungsstil und ein viktorianisches Wertemodell, eine gewisse Do-it-yourself-Mentalität und Abenteuerromantik.

Wie Schreckgespenster sehen James Baken und Janina Höltzen aus. Sie haben ihre Gesichter schaurig-schön bemalt und ziehen so viele Fotografen an. Nilas Manok stellt mit ihrem geschminkten Gesicht einen Roboter dar. „Ich bin ein musikalischer Automat“, erzählt sie schmunzelnd. Kontaktlinsen mit bunten Ringen um die Pupille hat sie sich eingesetzt.

Technisch geht es zu bei Toni Enkelsreder, der einen schmucken Zylinder trägt. Er präsentiert einen Plattenspieler, der mit Dampf angetrieben wird. Besondere Aufmerksamkeit erregt er, wenn er seine feuerspeiende, mit Kraftstoff angetriebene Ratte über den Platz treibt. Erstmals beim Grauerorter Punksteamfestival ist auch eine große Dampfmaschine, die das Interesse der Technikfreaks weckt.

Zum dritten Mal wurde das Steampunk-Festival in Stade ausgerichtet. „Im ersten Jahr waren wir im Stader Rathaus, danach haben wir uns hier in Grauerort angesiedelt“, berichtet Organisator Michael Deutschmann. „120 Künstler nehmen hier zwei Tage lang an dem Fest teil.“ Auch viele Besucher seien gekommen. Die Musik war international. „Wir haben hier Musiker aus New York und auch eine italienische Band ist dabei.“ Konzerte gaben „Drachenflug“ aus Stade, „Poison Garden“ aus Rom, „Offlimits“ aus Oldenburg, „Female & Strange“ aus Berlin, „Schattenweber“ aus Lüneburg, Daniel Malheur aus Berlin, „Parfumar“ aus Hamburg, „Jessness“ aus Dresden, Dale Rowles und Montague Fromage. Wie Deutschmann erzählte, hatte sich „Drachenflug“ eigene Instrumente gebaut: eine ungewöhnliche Gitarre und eine Nyckelharpa, bei der es sich um ein Instrument wie ein Cello handelt, das wie eine Gitarre gehalten wird.

05.05.2014