Die Kirche kommt zu den Seeleuten

Kerstin Schefe, Leiterin des Seemannsclubs Oase, kennt den Weg aufs Wasser. Die Zahl der Bordbesuche nimmt zu. Im Hintergrund die Leverkusen Express auf Jungfernfahrt.


BüTZFLETH. Kerstin Schefe leitet den Seemannsclub Oase in Bützfleth. Sie ist Diakonin und Ansprechpartnerin für die vielen Seeleute, die inzwischen im Seehafen Stade für ein paar Stunden bis Tage an Land gehen. Von den knapp 4500 Männern, die jedes Jahr in die Seemannsmission kommen, sind fast 60 Prozent von den Philippinen. Nach Wochen auf See wollen sie erst einmal ihre Familien zu Hause anrufen und ein bisschen Landleben genießen. „Einige fragen mich, ob wir nicht irgendwo zum Strand können“, erzählt Schefe. Sie fahren dann nach Abbenfleth.

Mit den Füßen durch die kleinen Wellen am Elbstrand laufen, das ist für viele Seeleute etwas Besonderes, denn auf dem schwankenden Schiff ist das Wasser zwar immer präsent, aber fern. Für die Seeleute ist es schwer, sich als Kurzzeitgäste immer wieder neu in einer fremden Stadt zurechtzufinden. Dabei wollen die Seemannsmissionen helfen. Geführt werden sie als Vereine, die sich aus Spenden und Kirchensteuermitteln finanzieren. Für die Stationen Stade, Cuxhaven und die mit Abstand größte niedersächsische in Bremerhaven (30 000 Besucher jährlich) beträgt das Haushaltsvolumen laut dem Vorsitzenden und Landessuperintendenten Dr. Hans Christian Brandy insgesamt 1,8 Millionen Euro.

16 Stationen der Deutschen Seemannsmission gibt es in Deutschland, weitere 16 in der ganzen Welt kommen dazu. Sie geben vergünstigt Telefonkarten aus, damit die Menschen aus oft weit entfernten Ländern ihre Familien anrufen können. Grillabende im Garten der Seemannsmission und andere Freizeitangebote wie ein paar Instrumente für einen Musikabend ergänzen das Angebot. „Die Stimmung ist meist schnell sehr gut“, erzählt Kerstin Schefe in Bützfleth, während die ersten Mitglieder der Deutschen Seemannsmission Hannover zur Mitgliederversammlung eintreffen. Handgreiflich ausgetragene Konflikte untereinander habe es noch nie gegeben. Viele aber suchen das vertraute Gespräch mit der Diakonin, wenn es um Probleme zu Hause geht, erzählt Schefe bei einer kleinen Umrundung des Bützflether Hafens mit dem Schlepper. Viele der Mitglieder der Seemannsmission sind zum ersten Mal so auf dem Wasser. Für Schefe nimmt die Arbeit an Bord zu. Es geht dann oft um seelsorgerische Einsätze. „Nach dem Taifun Haiyan haben wir einen Mann hier gehabt, der seine ganze Familie verloren hat“, erzählt die Diakonin. Sie sorgte dafür, dass auch im nächsten Hafen ein Seemannspastor an Bord ging und mit ihm sprach. Die Zahlen der Besucher sind stabil. Nach dem Großteil der Seeleute, die von den Philippinen nach Bützfleth kommen, sind auch Seefahrer aus Indonesien, China und Indien zu Gast. Nur 125 Besucher der Oase kamen im vergangenen Jahr aus Deutschland. Nicht ganz spannungsfrei ist im Moment die Zusammenarbeit an Bord, wenn zur Mannschaft Seeleute aus Russland und der Ukraine gehören, erzählt Werner Gerken, Seemannspastor aus Bremerhaven. Hier versuchen die Mitarbeiter der Stationen in Gesprächen zu vermitteln.

In Bützfleth wie in den anderen Stationen gibt es eine Zusammenarbeit mit einem Kuratorium. Hier sind neben Personen aus der örtlichen Kirche und den Kommunen auch Menschen aus der Hafenwirtschaft vertreten. Sie helfen den kirchlichen Mitarbeitern, „die Arbeit für die Seeleute den aktuellen Entwicklungen anzupassen“, so Landessuperintendent Brandy. Im Seehafen Bützfleth übernahm der Vorsitzende dieses Kuratoriums, Christian Meyer, Geschäftsführer der Firma Meyership, die Führung über das Hafengelände, das zukünftig um 24 Hektar erweitert werden soll. Derzeit legen etwa 800 Seeschiffe pro Jahr an. Dazu kommen etwa 500 Binnenschiffe, die hauptsächlich Schüttgut anliefern.

Oase in Bützfleth

Die Seemannsmission in Stade-Bützfleth ist als eigenständiger Verein Teil der Diakonie der Hannoverschen Landeskirche. Sie begrüßt stellvertretend für Stadt und Landkreis Seeleute aus aller Welt im Hafen Bützfleth. Die günstige Lage zum Hafen mit knapp zehn Minuten Fußweg sorgt dafür, dass durchschnittlich jeder zweite Seemann in die „Oase“ kommt. Ziele der Seemannsmission: Herausgabe günstiger Telefonkarten für internationale Gespräche, Internetanschluss für Seeleute, Fahr- und Einkaufsdienste, Schiffsbesuchsdienst, Bibliothek, Sport- und Spielgeräte, um eine Isolation an Bord zu verhindern.

26.04.2014