Die Festung wird zum Soul-Dance-Club

Ron Williams (rechts) führte durch das Programm – und manchmal auch einen Sänger von der Bühne.


STADE. Die Festung Grauerort wurde am Freitagabend kurzerhand zum Soul-Dance-Club umfunktioniert. Treibende Kräfte waren die Sänger und Musiker der Sweet Soul Music Revue und Moderator Ron Williams, der nach dem zweiten Lied schon keine Geduld mehr mit seinem norddeutschen Publikum hatte: „Ihr sitzt mir hier schon viel zu lange.“

Dabei gab es dafür tatsächlich keinen Grund. Denn auf der Bühne erweckten erstklassige Musiker und Sänger die goldenen Jahre des Soul zum Leben. „Do you like good music?“, fragten die zum Konzertbeginn und das Publikum antwortete mit Applaus und „Yeah, yeah“.

Große Stimmen, Leidenschaft und Rhythmus – die Sweet Soul Music Revue, die im Rahmen des Holkfestes in der Festung über die Bühne ging, ist eine Hommage an die Größen des Soul. James Brown, Tina Turner, Ray Charles, Stevie Wonder, Aretha Franklin und noch andere wurden musikalisch zum Leben erweckt. „Sitting on the dock of the Bay“, „Son of a Preacherman“, „Nutbush City Limits“ – die Lieder konnten viele der über 800 Besucher locker mitsingen. Leise zumindest, denn als es bei „Dock of the Bay“ galt, das laut hörbar werden zu lassen, kamen leichteste Schwächen zum Vorschein.

Auf der Bühne gab es die nicht. Eine gute Handvoll Sänger, ein beeindruckendes Bläserensemble und eine bestens eingespielte Rhythmusfraktion machten die Soul-Revue zum echten Hörerlebnis.

Moderator und Entertainer Ron Williams war zwischen den Stücken ein Garant für locker-flockige Unterhaltung. Sein kleiner geschichtlicher Abriss, wie die Schwarzen nach Amerika kamen – mit Schiffspassage bei freier Kost und Logis – war sehr flapsig, aber der Soul, so Williams, sei Ausdruck des trotz Rassismus wiedergewonnenen Stolzes der Schwarzen. Als echter Musikkenner erwies sich Williams, als er „Hans-Hermann“ (Ott) als einen der wenigen Weißen bezeichnete, die den Soul in sich tragen. Ott hatte zur Begrüßung wie üblich sein Festungslied geschmettert und damit die Messlatte für die künstlerische Darbietung schon mal ganz hoch gelegt.

Die Frauen und Männer von Sweet Soul konnten aber noch einen drauf setzen. Zuhören und in Erinnerungen schwelgen, an die Jugendzeit denken und im Takt der Musik mitwippen. Das war die Rolle des Publikums.

Ron Williams sollte recht behalten. „Seid ihr gut drauf“, hatte er zu Konzertbeginn gefragt. Und hinzugefügt: „Wenn ihr nachher nach Hause geht, seid ihr besser drauf.“ Tatsächlich: Beschwingt und be-soul-t verließ das Publikum die Mauern der Festung Grauerort.

24.08.2013