Hafen-Zukunft hängt an Hamburg

Der Seehafen in Bützfleth hat in der Branche mit dem Image zu kämpfen, ein reiner Werkshafen für Dow und AOS zu sein. Das soll sich bald ändern.


STADE. Der Ausbau des Stader Seehafens in Bützfleth hängt maßgeblich davon ab, wie sich die derzeitige Krise der Schifffahrt entwickelt. Wenn der Containerumschlag im Hamburger Hafen wieder richtig anziehe, dann werde auch der Bedarf in Stade vorhanden sein, schätzt Andreas Bullwinkel von Seaports of Niedersachsen – ein Zusammenschluss von neun Seehäfen in Niedersachsen.

Bullwinkel, ursprünglich Reedereikaufmann und Interessenvertreter der niedersächsischen Häfen in der gemeinsam von Land und Hafenwirtschaft getragenen Seaports GmbH, sprach vor Vertretern der Wirtschaft der Küstenländer auf einer Veranstaltung der städtischen Wirtschaftsförderung. Zum zweiten Mal hatte Stades zweiter Wirtschaftsförderer, Marco Dibbern, zum Forum Chemcoastpark im Dialog geladen. Thema dabei: Infrastrukturentwicklung und Logistik.

Während zu den Themen Autobahnplanung und Schienenanbindung der stellvertretende Präsident der Industrie- und Handelskammer Stade (IHK), Dr. Olaf Stähler, und zum Ablauf der Produktionslogistik in seinem Betriebe der Chef der Aluminiumoxid Stade (AOS), Volker Richter, sprachen, konzentrierte sich Bullwinkel auf die Hafenentwicklung.

Allen Krisen zum Trotz, deren Ende laut Bullwinkel spätestens 2016 durch vermehrte Nachfrage spürbar werde, seien Häfen eine absoluter Wirtschaftsmotor. Ein Hafen biete nicht nur Arbeitsplätze und gewaltige Investitionen, sondern auch nachhaltige Entwicklung und die Chance auf Neuansiedlungen von Produzenten und Dienstleistern. Dafür müsse es aber nicht nur einen Hafen geben, sondern die gesamte infrastrukturelle Anbindung müsse stimmen – von der Autobahn bis zur Schiene.

Ein von der IHK zusammengestellter Forderungskatalog der wichtigsten Infrastruktur im Elbe-Weser-Dreieck verteilte IHK-Mann Stähler denn auch an die Gäste der Veranstaltung in der Solarhalle des Forschungszentrums CFK Nord. Darin geht es unter anderem um den zügigen Bau von A 26, A 20 und dem Elbtunnel bei Drochtersen/Glückstadt. Aber auch die bekannten Aussagen zur Bahnanbindung nach Hamburg und Bremen finden sich in dem Papier der Kammer.

Für Bullwinkel hat der Stader Hafen aber auch ein Imageproblem: Er ist in der Branche nicht als Umschlaghafen bekannt, sondern als Werkshafen für Dow und AOS. Damit mache er zwar einen riesigen Umsatz, sei aber nicht im Fokus der Branche als öffentlicher Umschlaghafen. An diesem Imageprobleme, das de fakto bis vor kurzem auch der Realität entsprach, arbeitet auch der Stader Verein Seehafen Stade gemeinsam mit dem Hamburger Hafenbetreiber Buss, der seit anderthalb Jahren den neuen etwa vier Hektar großen Terminal im Seehafen betreibt. Buss hat auch mehrfach großes Interesse bekundet, einen weiteren Terminal von rund 20 Hektar Größe in Stade betreiben zu wollen. An dieser Erweiterung wird von der Landestochter N-Ports als Errichter der eigentlichen Hafenfläche nach wie vor geplant. Vor Jahren noch träumte man vor Ort, in Bützfleth den Hafen um mindestens 40 Hektar zu erweitern. Das – so Bullwinkel – sei eine Größenordnung, die momentan kaum realistisch sei.

Häfen unter einem Dach

Die Seaports of Niedersachsen vertritt als Lobby- und Marketinggesellschaft folgende neun niedersächsischen Häfen: Stade, Cuxhaven, Wilhelmshaven, Nordenham, Emden, Leer, Papenburg, Oldenburg und Brake. Mehr unter:

www.seaports.de

16.08.2013