Stade wird zur Industriestadt

Mit dem Industriegebiet auf Bützflethersand und dem Seehafen wurden die Grundsteine der Industrialisierung Stades gelegt. Martin Elsen



STADE. Im Norden der Stadt Stade liegen die Ursprünge der Industrieentwicklung. Auf dem Bützflethersand siedelten sich vor mehr als 40 Jahren die Dow und das längst geschlossene Aluminiumwerk an. Damit begann der Aufschwung für die Schwingestadt, die bis dato im Dämmerschlaf verharrte. Wie Stade heute wirtschaftlich aufgestellt ist, in welchen Gewerbe- und Industriegebieten was angeboten wird und wie die Perspektiven Stades sind, das stellt das TAGEBLATT in einer Artikelfolge dar. Heute Teil 5: Stade Nord – auf dem Bützflethersand wurden die Grundsteine für die Industriestadt gelegt.

Abwechslungsreich wie die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Stades ist auch die junge Geschichte des Industriegebietes auf Bützflethersand. Wo früher die Kühe grasten, entstand Anfang der 1970er-Jahre eine einzige Riesenbaustelle. Dem Land Niedersachsen war es gelungen, den US-Konzern Dow für eine Ansiedlung an der Elbe zu begeistern. Und Stade bot alles, was das Chemieunternehmen benötigte, um ein Chlorchemie-Werk aufzubauen: Reichlich Salzvorkommen in den Salzstöcken Ohrensen bei Harsefeld sowie die Wasserstraße Elbe vor der Tür. Die nötige Infrastruktur wie der seeschifftiefe Hafen und die Industriebahn wurden geschaffen. Nur die Autobahn ist bis heute nicht realisiert.

Mit Dow – der Konzern nahm nach und nach, fast über zwei Jahrzehnte verteilt, mehrere Produktionsanlagen in Betrieb – kamen aber weitere Unternehmen. Eon baute das über Jahre umstrittene und längst abgeschaltete Atomkraftwerk, um der Dow den Strom zu liefern. Und in direkter Nachbarschaft siedelten sich die Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) und die Aluminiumoxid Stade (AOS) an. Die VAW wurde später vom norwegischen Konzern Hydro gekauft und ist längst geschlossen. Neben Dow ist lediglich die AOS übriggeblieben, die nach mehreren Gesellschafterwechseln schließlich vom Konzern Dadco gekauft wurde, der dem britischen Unternehmer Victor Dahdaleh gehört.

Dow bietet heute rund 1500 Arbeitsplätze zuzüglich rund 500 Jobs in Firmen, die für Dow auf dem Dow-Gelände arbeiten (sogenannte Kontraktoren). Bei AOS arbeiten fast 600 Menschen. Damit gehört das Industriegebiet Bützfleth zu den entscheidenden Ansiedlungen, die Jobs und Wohlstand für die gesamte Region brachten. Damit Dow langfristig gesichert an dem Standort bleiben kann, plant der Konzern eine eigene Stromversorgung. Nachdem das Kraftwerk geschlossen worden war, wird auch für den stromintensiven Produzenten die kostengünstige Energieversorgung immer wichtiger. Die aktuellen Pläne, auf dem Dow-Gelände ein kombiniertes Kohle-Gas-Wasserstoff-Kraftwerk bauen zu wollen, stoßen auf die Kritik von Umweltverbänden und Grünen. Befürworter sehen darin eine Notwendigkeit, um den global operierenden Konzern vor Ort zu halten.

Zu leichten Einbrüchen auf Bützflethersand war es gekommen, als Hydro den Betrieb schloss und an das Unternehmen N-Prior verkaufte. Eine Bioethanolanlage, eine Windflügelproduktion, eine Eisengießerei und eine Müllverbrennung sollten entstehen. Lediglich die Windflügelproduktion, die vor einigen Jahren an den französischen Konzern Areva verkauft worden ist, läuft zurzeit. Mit den anderen Produktionsanlagen ging N-Prior in die Insolvenz. Momentan wird von einem ostfriesischen Unternehmen, das Teilbereiche aus der Insolvenz übernommen hat, versucht, die Anlagen fertigzustellen.

Parallel zu dieser Entwicklung haben Politiker vor Ort und in Hannover die Bedeutung des Seehafens in Bützfleth erkannt. Der Hamburger Hafen platze vor der großen Schifffahrtskrise förmlich aus den Nähten. Ausweichstandorte an der Unterelbe wurden gesucht. Es wurde eine große Planung aufgelegt, die, bedingt durch die Entwicklung der Weltwirtschaft, zwar an Dringlichkeit verlor, aber immer noch in abgespeckter Version aktiv verfolgt wird. Der Seehafen in Bützfleth, der vom Umschlag her immer schon zu den größten in Niedersachsen gehörte, soll um rund 25 Hektar erweitert werden. Ein kleiner Terminal, der vom Hamburger Hafenlogistiker Buss betrieben wird, ist bereits in Betrieb gegangen. Vom Hafenausbau erhofft sich die Hansestadt einen weiteren Aufschwung.

03.05.2013