Neue Chefs bei AOS und Dow

Alter und neuer Dow-Chef (von links): Arnd Thomas mit Dieter Schnepel. von Allwörden


PETER VON ALLWöRDEN UND SABINE LOHMANN. STADE.. Chefwechsel im Bützflether Industriegebiet: Gleich in zwei bedeutenden Firmen wurden gestern die alten Chefs verabschiedet und die neuen ins Amt eingeführt. Der Werksleiter der Dow, der Holländer Arnd Thomas, geht wieder in seine Heimat, und dessen Nachfolger Dieter Schnepel kommt als gebürtiger Hollenbecker in seine Heimat zurück. Bei AOS (Aluminium Oxid Stade) ging der kaufmännische Geschäftsführer Helmuth Buhrfeindt in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Volker Richter. Zusammen mit dem technischen Geschäftsführer Eberhard Guhl bildet er die Doppelspitze.

Kaum habe man sich richtig kennengelernt, da gehe er schon wieder, bedauerte Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber in ihrer kleinen Ansprache an den scheidenen Dow-Chef Arnd Thomas (47). Gute zwei Jahre war er nur in Stade. Thomas habe in dieser Zeit etwa mit den Speicher-Projekt von Windenergie, die in Wasserstoff umgewandelt werden kann, aber eine Menge neue Impulse gegeben, so die Bürgermeisterin. Ausdrücklich bedankte sie sich bei dem Unternehmen für das großzügige finanzielle Sponsoring des neuen Stader Bürgerparks (ehemals Adolf Ravelin).

Arnd Thomas selbst nannte als eine wichtige Schiene, die in die Zukunft führe, die Zusammenarbeit der norddeutschen Chemiestandorte entlang der Küste im Zusammenschluss Chemcoast. Aber auch die Intensivierung des Engagements der Dow bei der Erforschung des Werkstoffes CFK (carbonfaserverstärkter Kunststoff) erwähnte Thomas als eine der bedeutendsten aktuellen Baustellen. Dow entwickelt hier Kleber aus Epoxidharz, die bei der CFK-Verarbeitung und Bauteilherstellung von großer Bedeutung sind.

Für den neuen Dow-Werksleiter Dieter Schnepel – offiziell ist er bereits seit dem 1. April im Amt – ist der (Rück-)Gang nach Stade ein Heimspiel. Denn aufgewachsen ist der gebürtige Hollenbecker in der Region. Nach Ausbildung und Studium in Hamburg zum Chemieingenieur startete Schnepel seinen beruflichen Werdegang bei der Dow in Stade. Sogar seine Diplomarbeit hat er zu einem Dow-Thema geschrieben. Dann schickte der global agierende US-Konzern Schnepel durch die Welt. In Südafrika war er, in Texas und in Mitteldeutschland. Zuletzt leitete der 48-Jährige das mit Stade in der Dimension und Bedeutung gleichwertige Dow-Werk im niederländischen Terneuzen.

Dort wird nun Arnd Thomas Chef. Die beiden haben quasi ihre Chefsessel getauscht, um ihre Heimatländer zurückzukehren. Ob das ein Indiz dafür ist, dass Stade künftig über einen längeren Zeitraum einen Werksleiter haben wird, darüber lässt sich bestenfalls spekulieren.

In den letzten zehn Jahren jedenfalls gab es insgesamt fünf Werksleiter. Manfred Aumann verließ Stade vor neun Jahren, um das Dow-Werk in Mitteldeutschland zu leiten, ihm folgte für fünf Jahre Rudolf Lamm. Dann kam Rainer Roghmann, eine Stader Hauslösung, ans Ruder. Er blieb zwei Jahre und ging, wie seine beiden Vorgänger, als Chef nach Mitteldeutschland. Dann kam Arnd Thomas und jetzt Dieter Schnepel.

AOS setzt dagegen auf Beständigkeit. Nach 38 Jahren geht der kaufmännische Geschäftsführer Helmuth Buhrfeindt in den Ruhestand. Verabschiedet wurde der Jurist bei einem Empfang mit 35 Geschäftsfreunden und Mitarbeitern, darunter auch sein technischer Kollege, Eberhard Guhl, der seit 37 Jahren für die Aluminium-Oxid-Fabrik arbeitet. Betriebsratsvorsitzender Harald Amling, seit 40 Jahren dabei, bedankte sich bei Buhrfeindt für die Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“. Sie hätten immer vernünftig miteinander gesprochen und gemeinsam Lösungen gefunden, um Arbeitsplätze zu sichern.

Seit vier Jahrzehnten mit AOS verbandelt ist auch der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Professor Dr. Hans-Jürgen Rabe, der die Grüße des Eigentümers Victor Dahdaleh überbrachte. Die Fluktuation unter den Mitarbeitern sei außergewöhnlich gering, sagte er in seinem Rückblick auf die Firmengeschichte. 50 Mitarbeiter seien seit 40 Jahren dabei, seit Inbetriebnahme des Werkes 1973; das sei charakteristisch für das Unternehmen. Über Volker Richter, der ab 1. Mai die kaufmännischen Geschäfte führt, sagte Rabe in seiner launigen Rede, er sei ein „Seiteneinsteiger“ und habe noch keinen „Stallgeruch“. Doch Bezüge zur Aluminiumindustrie habe es früh gegeben: Als Wirtschaftsprüfer habe der Jurist für die Firma gearbeitet, die AOS über Jahrzehnte geprüft habe. Danach war Richter Geschäftsführer des Casinos in Hamburg, später in Berlin. Was die „Spielhölle“ laut Rabe mit dem Aluminiummarkt gemein habe: Auch dort gehe es „ständig auf und ab, man gewinnt und verliert in kurzen Abständen“.

Beständig ist auch das gute Verhältnis der Firma zur Ortschaft Bützfleth. Von einer harmonischen Nachbarschaft sprach Bürgermeister Sönke Hartlef, der mit seinen Vorgängern Wolfgang Rust und Hans-Hermann Ott zum Empfang eingeladen war. Auch Stades Bürgermeisterin Silvia Nieber lobte in ihrem Grußwort „die große Kontinuität“ .

Auch nach seiner Verabschiedung bleibt der Ruheständler der Firma erhalten. Ein „winziges Büro“ behält der Jurist, der hier sein gesamtes Berufsleben verbracht hat.

27.04.2013