Die Woche der Gottesdienste

Pastorin Heike Kehlenbeck freut sich besonders auf den Gottesdienst am Ostersonntag. Blumen und viele Kerzen werden am Tag der Auferstehung den Höhepunkt der Feierlichkeiten bilden. Riechert


STADE. Ostereier färben oder gemütlich mit der Familie frühstücken: Während die meisten die freien Tage genießen, haben andere in der Karwoche jede Menge zu tun. Heike Kehlenbeck ist seit 20 Jahren Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Nicolai in Bützfleth und zudem stellvertretende Superintendentin des Kirchenkreises Stade.

Ihr Terminkalender ist gut gefüllt in der Woche: Montag bis Mittwoch hat sie täglich um 18 Uhr eine Passionsandacht gehalten, für Gründonnerstag stand ein traditionelles Tischabendmahl im Terminkalender, für Karfreitag ein Gottesdienst mit Abendmahl, Sonntag gibt es ab 10 Uhr einen Ostergottesdienst.

Unsere Arbeit rückt in den Mittelpunkt, da wir in dieser Woche mehr Gottesdienste als sonst anbieten“, sagt die 49-Jährige. Sie selbst fühlt sich allerdings nur „mittelmäßig gestresst“, was nicht zuletzt daran liege, dass sie schon lange im Berufsleben steht und die Abläufe kennt. Eine goldene Hochzeit, eine Beerdigung und die Arbeitsbesprechung zur Stellenplanung: Auch das fällt in der Osterwoche an. „Der Alltag läuft weiter“, sagt Kehlenbeck.

Einmal sei sie an ihre Grenzen gestoßen, erinnert sich die Pastorin. Vor Jahren habe sie in der Osterwoche zwei Einsätze als Notfallseelsorgerin gehabt: Karfreitag hatte sich jemand das Leben genommen, und Kehlenbeck kümmerte sich um die Angehörigen. Am Ostermontag musste sie einer Familie die Nachricht überbringen, dass der Sohn tödlich bei einem Autounfall verunglückt war. „Das kann einen zu jeder Zeit treffen, fiel dann aber in eine ohnehin schon arbeitsintensive Woche“, sagt die Pastorin.

Verglichen mit Weihnachten findet Kehlenbeck die Gegensätzlichkeit der Gefühle in der Osterwoche als anstrengender. „Die Leidensgeschichte kreist um Verrat, Folter und Tod und plötzlich ist da die Auferstehung“, sagt sie. Wenn die Gemeindemitglieder am Gründonnerstag zum Tischabendmahl zusammenkommen und gemeinsam essen, hat die Pastorin am Nachmittag bereits vier Stunden an ihrer Predigt für Karfreitag gearbeitet und ist eigentlich schon einen Tag weiter als die anderen. „Ein gedankliches Auf und Ab“, sagt sie.

Die Kirche sei Ostern deutlich leerer als Weihnachten, denn auch wenn Ostern für die Kirche das Hochfest des Jahres ist, sei das wichtigste Fest für viele Gemeindemitglieder das Weihnachtsfest, sagt Kehlenbeck.

Sie habe schon darüber nachgedacht, etwas Besonderes anzubieten wie etwa die Nacht der Passionsgeschichte, die am Gründonnerstag in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade veranstaltet wurde. Zu jeder vollen Stunde hat es eine Andacht gegeben. Doch in Bützfleth kämen zu solch einer Veranstaltung zu wenige Gemeindemitglieder, sagt Kehlenbeck. Dann werde etwas sehr Schönes von so wenigen Teilnehmern eher als traurig empfunden, sagt sie. Und schließlich ist Ostern ein Fest der Hoffnung, „ein großes Dennoch, wo es um Licht am Horizont geht und dass immer ein Neuanfang möglich ist“.

Am Ostermontag steht in der St.-Nicolai-Kirche traditionell ein Taufgottesdienst auf dem Programm. Doch dieses Jahr hat es keine Anmeldungen gegeben. Heike Kehlenbeck wird den freien Tag nutzen, um ihre Eltern im Landkreis Nienburg zu besuchen.

Religiöse Bedeutung

Eine repräsentative Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hat 2011 ergeben: Für fast sechs von zehn Deutschen hat Ostern heute keine religiöse Bedeutung mehr. 62 Prozent der Befragten gaben an, an den Feiertagen zum christlichen Gedenken an die Auferstehung Jesu keinen Gottesdienst zu besuchen. Nur 14 Prozent der Befragten hatten der Umfrage zufolge einen Kirchenbesuch fest eingeplant.

30.03.2013