Das Gelände der Firma N-Prior ist für spätere Hafenplanungen strategisch interessant, die nicht funktionierende Ethanol- und Verbrennungsanlage aber nicht wirtschaftlich. Foto Martin Elsen

Prokon-Pleite: 50 Jobs sind verloren

1000 Kleinanleger bangen um ihr Geld - Insolvenzverwalter in Verkaufsverhandlungen - AOS soll Interesse am Gelände haben

STADE.. Etwa 50 Mitarbeiter verlieren ihren Job und viele Gläubiger werden hohe Verluste hinnehmen müssen - darunter auch rund 1000 Kleinanleger. Das sind die bis dato absehbaren Folgen der Insolvenz des Unternehmens N-Prior, früher Prokon Nord (das TAGEBLATT berichtete). Das Insolvenzverfahren über das Unternehmen, das unter anderem auf Bützflethersand eine Bioethanolanlage und eine Eisengießerei gebaut, aber nie in Betrieb genommen hat, ist jetzt vom Amtsgericht Leer am Hauptsitz des Unternehmens eröffnet worden.
Eine Chance auf Weiterbeschäftigung haben die Mitarbeiter der Eisengießerei, die von N-Prior bereits im Mai 2012 an den Unternehmer Günter Eisenhauer aus Leer verpachtet worden ist. Eisenhauer soll dem Vernehmen nach auch Interesse daran bekundet haben, die Gießerei, in der Naben für Offshore-Windanlagen hergestellt werden sollen, zu kaufen. Der Weiterbetrieb und auch spätere Ausbau der Gießerei gilt, mit welchem Eigentümer auch immer, wohl als sicher.
Anders ist die Situation bei der Bioethanolanlage. Der vom Leerer Amtsgericht eingesetzte Hamburger Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus teilt mit, dass die 52-köpfige Belegschaft "wegen der nachhaltigen Verlustsituation" überwiegend freigestellt werden müsse. Ein Sozialplan sei in Arbeit und werde in Kürze unterzeichnet, so Denkhaus weiter.
In anderen Betrieben, die zur N-Prior-Gruppe gehören, kann es wohl auch weitergehen. So haben sich offenbar schon Käufer und Betreiber für die Biomassekraftwerke in Papenburg und Emlichheim gefunden. Auch die Holding für die Windparks von N-Prior hat schon Käufer.
Das Unternehmen, das von Ingo de Buhr gegründet und bis zum Insolvenzantrag Anfang Juli dieses Jahres auch geleitet worden ist, hatte nach Angaben von Denkhaus zum Schluss noch 122 Mitarbeiter, nachdem die rund 60 Leute aus der Eisengießerei bereits mit Eisenhauer einen anderen Chef gefunden hatten. Weil weder die Bioethanolproduktion noch die Müllverbrennungsanlage in Betrieb gegangen waren, aber weit über 100 Millionen Euro dafür investiert wurden, geriet das Unternehmen zunehmend in Schieflage. Die Schulden sollen sich auf rund 130 Millionen Euro summieren.
Neben den Banken als Hauptgläubiger sind auch rund 1000 Kleinanleger betroffen. Sie haben nach Angaben des Insolvenzverwalters Summen zwischen einigen tausend bis hin zu 50 000 Euro in Firmenanleihen von N-Prior gesteckt. Sie werden am 11. Dezember vom Gericht zu einer Anleihengläubigerversammlung nach Leer geladen. Elf Millionen Euro haben diese Kleinanleger de Buhr noch geliehen. Ob sie davon jemals etwas wiedersehen werden, steht in den Sternen.
Das Problem des Unternehmens ist, dass die Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Vor diesem Hintergrund wird sich auch nicht so schnell ein Käufer finden lassen. Es soll zwar Interessenten geben, aber die wollen wohl eher das Grundstück und nicht die nicht funktionsfähige Bioethanol- und Dampferzeugungs- und -verbrennungsanlage.
Dem Vernehmen nach soll sich auch der Eigentümer der benachbarten AOS (Aluminium Oxid Stade), Victor Dahdaleh, für das Gelände interessieren. Er soll dann bereit sein, die Gießerei an den ostfriesischen Unternehmer Eisenhauer weiter zu verpachten. Eine offizielle Bestätigung von der AOS-Geschäftsleitung gibt es nicht.
Denkbar ist ein Interesse von Dadaleh an dem Gelände durchaus. Es handelt sich um eine interessante Fläche für die geplante Hafenerweiterung. Sie ist vor allem strategisch von Bedeutung, um bei der Umsetzung und späteren Betreiberschaft des Hafens Einfluss ausüben zu können.
Wie lange sich die Abwicklung des Insolvenzverfahrens hinziehen wird, ist momentan nicht abzusehen. Da unter dem Dach von N-Prior diverse Firmen angesiedelt sind, wird es nicht ganz einfach sein, die Strukturen zu entflechten.
Eine Ausbildungswerkstatt, die auch von benachbarten Unternehmen genutzt wird, gehört übrigens auch zum Betrieb von N-Prior. Es handelt sich um eine Hinterlassenschaft des Vorgängerunternehmens Nord Hydro. Für die Lehrlinge von AOS oder dem Windflügel-Bauer Areva ist der Job nicht gefährdet. (pa)


Prokons Niedergang

Ingo de Buhr hatte 2006 das Betriebsgelände der stillgelegten Aluminiumhütte des norwegischen Konzerns Norsk Hydro übernommen. Sein Versprechen damals: Übernahme eines Teils der verbliebenen Hydro-Mitarbeiter, Beseitigung der Altlasten und die dauerhafte Schaffung von mehr als 400 Jobs. Das damals noch unter Prokon Nord firmierende Energie-Unternehmen kassierte annähernd 20 Millionen Euro von den Norwegern. Bis 2006 war de Buhr als Betreiber und Projektierer von Windparks in Erscheinung getreten. Mit zwei Biomassekraftwerken ging er noch einen Schritt weiter. In Bützfleth aber hatte er wirklich Großes vor: In einer Bioethanolanlage sollte Alkohol zum Beimischen zum Benzin hergestellt werden, eine Müllverbrennung sollte dafür die nötige Energie liefern. Schließlich baute er eine Produktion von Flügeln für Offshore-Windräder auf. Doch diese einigermaßen rentable Produktionsanlage verkaufte er an den französischen Konzern Areva. Das war schon ein erstes Zeichen der Liquiditätsprobleme von de Buhr. Die Eisengießerei wurde danach geplant, aber mangels Kapital nicht mehr in Betrieb genommen.

02.10.2012