Starter seit 20 Jahren: Walter hält auf der Laufbahn gern die Klappe beim Integrationssportfest in Bützfleth.


...damit angehende Jungstars wie Henry eingreifen können.

Der Kampf um einen guten Job bei miesem Wetter


Lars Strüning auf seiner Extratour

Das hört sich gut an. 300 Kinder aus Bützfleth und der Region treiben gemeinsam Sport. Und noch besser: Ganz bewusst sind behinderte Kinder ebenso eingeladen wie nicht-behinderte – und deutsche Nachwuchsathleten sind genauso am Start wie Sportler mit ausländischen Wurzeln. Da ließ sich Lars Strüning, stellvertretender TAGEBLATT-Chefredakteur, nicht lange bitten und verbrachte seine monatliche Extratour, indem er das ehrenamtliche Organisationsteam in Bützfleth nach Kräften unterstützte.

Sönke Hartlef, Vorsitzender des TuSV Bützfleth, hat den Braten wohl schon vorher gerochen. "Bringen Sie gutes Wetter mit", forderte er mich auf, als der Termin stand. Ich kann mich wirklich nicht um alles kümmern. Am Tag X regnete es in Strömen fast durchgehend. Das hat es in der 42-jährigen Geschichte des Integrationssportfestes wohl noch nicht gegeben. Dennoch: 60 unerschrockene Ehrenamtliche und fast 200 junge Sportler ließen sich an diesem Freitag den Spaß nicht vergraulen.
Erstmal mache ich es mir im Eingangsbereich der Sporthalle bequem. Hier ist es warm und trocken, aber nicht viel los. Dennoch versuche ich, einen Euro pro Teilnehmer zu kassieren und die teilweise sehr schwierigen Namen türkischen Ursprungs aufs Papier zu bringen. Die Kinder sprechen leise zu mir, die anderen drum herum sind um so lauter. Nur nicht schon am Anfang der Tour die Nerven verlieren.
Zu viert sitzen wir hier und checken die kleinen Sportler ein. Jeder bekommt ein Halsband mit Gutscheinen um den Hals gehängt. Damit können sie nach dem Sport eine Runde mit dem Peterwagen, der Feuerwehr oder der Pferdekutsche drehen. Für viele ist das der Höhepunkt des Tages. Vor allem, wenn Polizistin Andrea Bahlmann auch noch das Martinshorn und Blaulicht anwirft.
Nach der Aufwärmphase traue ich mich auf den Sportplatz. Genau in diesem Moment beginnt es, fein, aber unerbittlich zu regnen. Erst ist die Windjacke durchnässt, dann die Laufschuhe. Ich lasse mir nichts anmerken, den anderen geht es ja auch nicht besser.
Die Organisatoren haben ihre freiwilligen Helfer so gut im Griff, dass ich im weitläufigen Rund kaum einen Job finde. An der Sprunggrube ist die Senioren-Gang schwer aktiv. Ich wollte die Spuren der Springer im Sand egalisieren. "Harken kann schließlich jeder", sagte Sönke Hartlef leicht spöttisch zu mir. Doch der Mann an der Harke gibt sich kämpferisch. "Ich geh' hier nicht weg." Okay, dann nehme ich gern auch die Weitenmessung. 1,10 Meter springt die erste junge Teilnehmerin. Niedlich. "Nicht zu genau messen", raunt mir eine alte Häsin zu. Ich sage der Aufschreiberin laut und deutlich: "1 Meter 20." Die Replik folgt: "Auch nicht gleich übertreiben!" Ich gebe mich kompromissbereit. "2 Meter 25", lautet die nächste Ansage. "Was sind das denn für krumme Zahlen?, hallt es vom Anschreibetisch zurück.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich bin durchnässt. Da kommt der Lockruf aus der Küche gerade recht. Die Kinder sind ohnehin alle im Zelt und lachen sich über den Clown schlapp - das wäre ja auch noch eine Rolle für mich gewesen...
Mein Waffelbackautomat ist offensichtlich aus den 70er Jahren. Das entschuldigt, dass die Teigpampe beim Öffnen am Eisen kleben bleibt. Da hilft kein Ölen mehr. Gut 300 Waffeln mit Puderzucker gehen (für 50 Cent das Stück) über den Tresen, schätzen die fleißigen Küchenhelfer. Das ist viel. Da will ich nicht länger im Weg stehen und wechsele wieder an die frische Luft zum Schlagballweitwurf.
Hier wachsen die Bäume auch nicht in den Himmel. Drei Meter, vier Meter, wenn es hoch kommt schaffen die Kinder sechs Meter. Es wird kräftig aufgerundet. Alles wird später auf einer Urkunde verewigt und zum ersten Mal gibt es sogar Medaillen. Ich sammle die harten, weißen Lederkugeln wieder ein und bringe sie den nächsten Werfern. Das geht eine Weile locker über die Bühne, bis ein langer, blonder Schlacks den Schlagball über 46 Meter wirft. Spinnt der? Ich laufe hinter dem Ufo hinterher und schnapp mir das Geschoss. "Eigentlich sollen die Kinder die selber wiederholen", klärt mich meine Kollegin auf. Jetzt ist es zu spät...
Ich wechsele zum Sprint-Wettbewerb. 50 Meter dürfen die Kids hier laufen. Ich darf mit drei Damen die Zeit nehmen und habe die Nummer vier, also den Letztplatzierten im Auge. Leider laufen meistens nur drei Sportler, ich muss warten. Dann mein großer Auftritt. Gehen kann der Kleine schon, laufen nur an Papas Hand. Das dauert. Während meine Kolleginnen schon ihre Zeit durchgesagt haben, läuft meine Stoppuhr noch. Bei 21,25 Sekunden bleibt sie stehen. Ich gebe die Zeit korrekt weiter. Das Kampfgericht sieht mich mitleidig an: "Ich schreib mal 21,2 auf, wir sind hier ja nicht bei Olympia."

Integrationssportfest

Das Integrationssportfest wird seit den 70er Jahren vom TuSV Bützfleth organisiert. Es ist einst ins Leben gerufen worden, um die vielen Neubürger in dem Ort nach der Industrialisierung zu integrieren – natürlich auch um neue Mitglieder zu werben. Seit Mitte der 80er Jahre wurden gezielt auch behinderte Kinder zu dem sportlichen Fest eingeladen. 30 Jahre lang wurde es von Christine Dühr organisiert, jetzt hat ein Team um Elke Hartlef, Marina Gatzke, Silke Meyer und Ulla Bunge die Planung übernommen. Die Kinder kommen aus dem TuSV, der Schule und dem Bützflether Kindergarten, aber auch aus Harsefeld, Drochtersen und Stade. Der Überschuss, zum Beispiel aus dem Verkauf der gespendeten Kuchen, fließt in die Kasse der Behindertensportabteilung des TuSV.

22.09.2012