Eine Augenweide für Besucher: Frauen trugen Nachbildungen von alter Festtagskleidung.


Mehrmals traten die Soldaten als Schau zum militärischen Drill an. Kordländer



Soldatenleben und Wirken wie zu Kaisers Zeiten


Die Damen tragen ihre schicksten Kleider - Farbenfrohe Uniformen der Reservisten - Festungstage in Grauerort mit vielen Gästen

ABBENFLETH. "Stillgestanden - Gewehr über." Zum Teil barscher Kasernenton herrschte am Wochenende in der Festung Grauerort. Der Kommandeur faltete seine Kadetten zeitweise regelrecht zusammen. So oder ähnlich mag es auch vor über 100 Jahren zu Kaisers Zeiten auf Kasernenhöfen geklungen haben, wenn die Rekruten ihre Ausbildung erhielten.
Während ihrer traditionellen Festungstage gab die Reservistengemeinschaft der Festung Grauerort in Abbenfleth einen Einblick ins militärische Leben, als Kaiser Wilhelm regierte. "Wir empfinden hier die Lebensumstände der Soldaten von damals nach", sagte der Grauerort-Kommandeur Rainer Poppe.
Doch nicht allein das militärische Leben stand im Blickpunkt der Festungstage. Die Veranstaltung wurde auch zu einer farbenprächtigen Modenschau. Damen hatten ihre schicksten Kleidernachbildungen aus dieser Zeit angezogen. "Die sind nicht immer bequem", stellte Kerstin Hedtke aus Stade fest. Sie selbst trug ein Turnierkleid, das im Bereich des Hinterteils mit viel Stoff aufgeplustert war, wie es im Jahre 1875 üblich war. Weiß, blau, rot - kräftige Farben waren schon damals erlaubt. Doch auf jeden Fall setzten die Schneider damals auf vollkommene Eleganz. So waren die Frauen am Wochenende in Grauerort die "Schmuckstücke" der alten Festung. Aus der Festung haben Soldaten übrigens niemals Schüsse auf Feinde abgefeuert.
Die Soldaten trugen die Uniformen aus der Kaiser-Wilhelm-Zeit. Auch diese Kleidungsstücke, angezogen hatten die Männer ihre Gala-Uniformen, standen an Farbenfreude den Kleidern der Damen in nichts nach.
Während der Festungstage simulierten die Soldaten diverse Alarmübungen. Aus historischen Vorderladern wurden dabei auch Böllerschüsse abgegeben. Wie Hans-Hermann Ott vom Verein "Festung Grauerort" berichtete, konnten die Reservisten sogar beim Hansemahl der Stadt Stade aushelfen. Ein Schütze aus der Festung sei in die Stadt gefahren, um das Fest mit lauten Böllerschüssen zu eröffnen.
"Mit den Festungstagen haben wir wieder einmal bewiesen, dass unsere Einrichtung bei großen Veranstaltungen sicher und somit für Feste geeignet ist", sagte Ott.
40 historisch gekleidete Teilnehmer waren auf dem Fest vertreten. Darunter war auch "Kaiser Wilhelm". Diesen spielt Erhard Brandes aus Bad Bederkesa, der dem ehemaligen Kaiser sehr ähnlich sieht und seinen Bart nach dem Vorbild des Monarchen pflegt. Mehrere 100 Gäste kamen in die Festung. Militarismus wurde nicht verherrlicht. (kor)

21.05.2012