Stadt legt die Festung lahm


Für Anfang Juni geplantes Motorradtreffen abgesagt

STADE.. Die Stadt Stade hat dem Veranstalter des geplanten Hanse-Weekends - ein Motorradtreffen Anfang Juni im Fort Grauerort - eine Absage erteilt. Die Genehmigung der Stadt zu dieser Großveranstaltung werde aus unterschiedlichen Sicherheitsgründen nicht erteilt, heißt es aus dem Stader Rathaus.Das ärgert nicht nur den Vorsitzenden des Fördervereins der alten Festung, Hans-Hermann Ott, maßlos, sondern vor allem auch den Hamburger Veranstalter Sven-Bolko Heck. Der hat bereits beim Verwaltungsgericht Stade gegen diese Entscheidung Klage eingereicht.
Bereits Ende 2011 gab es erste Bedenken der Stadt Stade gegen die Planungen von Heck, ein großes Motorradtreffen in Grauerort zu veranstalten. Nachdem mittlerweile mehrere nachgebesserte Unterlagen bei der Stadt eingereicht worden sind, kam die Ablehnung. Diese Entscheidung basiere auf drei Gründen, erklärt Stades Erster Stadtrat und Jurist Dirk Kraska: Es gebe erstens baurechtliche, zweitens verkehrstechnische und drittens sicherheitsrelevante Probleme.
Baurechtlich hat die Stadt Probleme mit den Fluchtwegen. Der Zugang erfolgt über die gut drei Meter breite Brücke zum Fort. Sollte bei 3000 Menschen im Innern der Festung eine Panik ausbrechen, sei das ein Nadelöhr und das Risiko eines Fiaskos viel zu hoch, erklärt der zuständige Abteilungsleiter für Bauaufsicht bei der Stadt, Guido Scheven, die Bedenken der Hansestadt. Hinzu komme, dass die kleinen Straßen zum Fort und die vorhandenen Parkflächen überhaupt nicht ausreichten, um den zu erwartenden Verkehr aufzunehmen. Scheven: "Da ist kein geordneter Verkehr mehr möglich und auch die Gefahr viel zu groß, dass Rettungsfahrzeuge nicht durchkommen."
Mit anderen Großveranstaltungen im Fort Grauerort wie etwa den Openair-Opern des Stadeum mit annähernd 1500 Besuchern sei die geplante Veranstaltung nicht vergleichbar, sagt Scheven. Dort sei ein Busshuttle eingerichtet - und zu den Opern komme ein anderes Publikum.
Das Publikum aus Motorradkreisen bereitet den Verantwortlichen der Stadt auch Sorgen. Der Veranstalter habe kein überzeugendes Sicherheitskonzept vorgelegt, sagt Verwaltungsvorstand Kraska. In Lübeck, wo Heck das Hanse-Weekend in den vergangenen drei Jahren durchgeführt hat, waren auch Motorradclubs mit zweifelhaftem Ruf - wie zum Beispiel die Hells Angels - aufgetaucht. Sven-Bolko Heck sieht darin überhaupt kein Problem.
"Jeder Mensch in Deutschland ist solange unschuldig, wie er nicht verurteilt ist", sagt Heck mit Blick auf die Hells Angels, deren Mitglieder teils als kriminell gelten. Das Hanse-Weekend sei ein großes "Familienfest", bei dem nichts passiert sei. Er habe schon gegen die Entscheidung der Stadt Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht und erwarte jetzt eine schnelle Entscheidung.
Stinksauer auf die Stadt und den Umgangsstil mit dem Förderverein Grauerort ist auch dessen Vorsitzender und ehemaliger Stader Bürgermeister Hans-Hermann Ott. Er sei überhaupt noch nicht informiert worden, schimpft Ott.
Zudem sei diese Ablehnung der Großveranstaltung eine Gefahr für die Festung als Veranstaltungsort. "Wir sind von solchen Veranstaltungen und den damit verbundenen Mieteinnahmen wirtschaftlich abhängig", sagt der Vereinsvorsitzende und CDU-Politiker. Er werde auf jeden Fall gegen diese Entscheidung kämpfen. (pa)


Eine weitere Absage

Einer weiteren Veranstaltung im Fort Grauerort Ende April ist von der Stadt ebenfalls eine vorläufige Absage erteilt worden. Dann soll te ein "Steampunkfestival" steigen. Die Veranstalter hätten nicht die nötigen Unterlagen eingereicht, heißt es aus dem Rathaus. Die seien aber nun nachgereicht worden, sodass dieser Fall noch einmal überprüft werde.

04.04.2012